Bamberg
Mobilfunk

Im fränkischen Tal der Netzlosen

Die weißen Flecken beim Mobilfunk sind ein Thema in vielen Gemeinden in Franken. Die User von infranken suchen die Funklöcher. Aber eine Gegenbewegung gibt es auch: Bürger der Rhön etwa kämpfen aus Angst vor den Strahlen um "Weiße Zonen".
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Der Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar: Das Handy von Jochen Steppert sucht in Neubrunn vergeblich nach einem Netz. Foto: Günter Flegel
Der Teilnehmer ist zur Zeit nicht erreichbar: Das Handy von Jochen Steppert sucht in Neubrunn vergeblich nach einem Netz. Foto: Günter Flegel
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Gute Masten, schlechte Masten? In zahlreichen Gemeinden in Franken formiert sich der Widerstand gegen neue Stromleitungen. Von anderen Masten dagegen kann man in Franken gar nicht genug haben, obwohl auch die vor wenigen Jahren verpönt waren: Auf der fränkischen Landkarte klaffen weiße Flecken bei der Versorgung mit Mobilfunk.

"Kein Luxus mehr"

"Das ist kein Luxus mehr, für junge Leute, die mit ihrem Handy spielen wollen. Die mobile Kommunikation gehört zur Lebenswirklichkeit, sie ist ein Stück weit Grundversorgung." So regt sich Stefan Rottmann (SPD) auf, der Bürgermeister von Schonungen bei Schweinfurt. Seine Gemeinde hat im Speckgürtel der Industriestadt die besten Karten: günstiges Bauland, gute Verkehrsverbindungen, Natur pur im Hinterland.
Doch in den letzten Jahren ist ein Problem in den Vordergrund getreten: In vier der 13 Gemeindeteile ist der Handy-Empfang miserabel bis gar nicht vorhanden. "In Waldsachsen etwa kann man nur mit viel Glück ab und an mobil telefonieren, an die Nutzung von Daten gar nicht zu denken", sagt der Bürgermeister. Für die Generation Handy sei dies ein Argument, sich nicht in Schonungen anzusiedeln. Oder wegzuziehen.

Behördenfunk funktioniert

Rottmann steht nicht alleine. Das gleiche Problem hat ein paar Kilometer weiter östlich sein Kollege Jochen Steppert (CSU), der Bürgermeister von Kirchlauter in den Haßbergen. In den "Heiligen Ländern" locken Beschaulichkeit und Ruhe die Besucher, aber in den Tälern ist es Steppert zu ruhig. In Neubrunn etwa sieht man öfter Menschen mit dem Handy herumirren, verzweifelt nach einem Netz suchend. "Es kann nicht sein, dass 700 Menschen quasi von der Außenwelt abgeschnitten sind", sagt der Bürgermeister.

"Technisch geht es, das sieht man am Behördenfunk". Auf dem nahen Ebelsberg wurde dafür ein neuer Funkmast errichtet, seitdem funkt es bei Polizei und Rettungsdienst auch im Neubrunner Talgrund. Nicht aber bei Otto Normaltelefonierer. Der Bürgermeister fordert wie Kollege Rottmann eine Bedarfsanalyse und eine Initiative der Staatsregierung - Druck auf die Netzbetreiber. "Wir brauchen Wasser, Strom und Straßen, wir brauchen aber gerade auf dem Land das schnelle Internet und ein funktionierendes Mobilfunknetz. Sonst werden wir abgehängt und für die junge Generation uninteressant."

Himmlische Ruhe

Die Funklöcher sind aber nicht jedem ein Dorn im Auge. Die Dorfwirtschaft in Neubrunn ist zur Mittagszeit ein begehrtes Ziel vor allem bei Geschäftsreisenden: weil das Handy garantiert nicht klingelt!

Und es ist gar nicht so lange her, da waren Funklöcher ein ganz anderes Thema: Vor den Kommunalwahlen 2002 und 2008 stand der Kampf gegen die Handymasten im Blickpunkt. Bis heute hält die Diskussion um mögliche Gesundheitsrisiken durch den Elektrosmog an. "Die Belastung wird immer stärker", sagt Christian Frenzel von der Bürgerinitiative Mobilfunk in Bayreuth. Die Stadt hat nach seinen Angaben mit 580 Sendern die höchste Mobilfunkdichte in ganz Bayern. "Und ein Ende ist noch nicht abzusehen."

Weiße Zone in der Rhön

Für andere wird die Not gar zu Tugend. Nach dem Vorbild der "mobilfunkfreien Gemeinde" Kreuzthal-Eisenbach im Allgäu hat sich in der Rhön eine Initiative gebildet: www.weisse-zone-rhoen.de. Deren Vorsitzender Klaus Schumacher und seine Mitstreiter wollen das Biosphärenreservat vor Strahlen schützen, Aufklärungsarbeit leisten, Betroffene beraten. Ein Kampf gegen Windmühlen? Fast sieht es so aus, denn die Energiewende könnte der Rhön eine neue Hochspannungsleitung bescheren - noch mehr Elektrosmog.

Auf der Jagd nach den Funklöchern

Projekt In Zusammenarbeit mit der Otto-Friedrich-Universität Bamberg haben wir ein Projekt gestartet, das der tatsächlichen Qualität des Mobilfunks in Franken auf der Spur ist: Es heißt "Funklochjäger".

Aktion Abseits offizieller Netzabdeckungskarten möchten wir herausfinden, wo Funklöcher auftreten. Sie können uns dabei helfen, indem Sie auf funklochjäger.infranken.deoder auf Facebook unter www.facebook.com/funklochjäger die Signalstärke an Ihrem Standort melden.

Gewinnspiel Als kleinen Anreiz können Sie etwas gewinnen. Zum Start verlosen wir ein Samsung Galaxy Tab 3 (7 Zoll), ein Samsung Galaxy Ace "La Fleur", zwei Karten für Andreas Gabalier am 28. Mai Nürnberg, zwei Karten für Olaf Schubert am 3. Juni in Kulmbach sowie zwei Karten für Caveman am 19. Dezember in Bamberg.
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