Bamberg
Staatsarchiv

Im Brühwürfel lagern Fakten statt Fake-News

Der Erweiterungsbau für das Staatsarchiv wurde eingeweiht. Die Redner lobten den Kubus - oder "Brühwürfel" - als Gewinn für Bamberg.
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Ein fensterloses Gebäude, das für Diskussionen in Bamberg  sorgen dürfte.  Ronald Rinklef
Ein fensterloses Gebäude, das für Diskussionen in Bamberg sorgen dürfte. Ronald Rinklef
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Die "Oberfränkischen Archivfestspiele" erreichten mit der Einweihung des Erweiterungsbaus für das Staatsarchiv Bamberg einen weiteren Höhepunkt. Jedenfalls sah es der bayerische Wissenschaftsminister Bernd Sibler so, nachdem er erst einige Tage zuvor beim 11. Bayerischen Archivtag in Coburg den Archivpreis "Janus" an den Oberbürgermeister der Stadt Augsburg verliehen hatte. "Das kulturelle Erbe in Bayern lebt", versicherte Sibler und lobte die Bamberger Feier als "Bekenntnis zu den Geisteswissenschaften".

Für Bamberg sei der Neubau im Hain ein Gewinn in jeder Hinsicht, fuhr der Minister fort. Der Bau "ist eine gelungene Ergänzung des historischen Ensembles aus dem frühen 20. Jahrhunderts und verfügt über Magazintechnik des 21. Jahrhunderts, erfüllt also modernste Qualitätsansprüche". Der Bamberger Archivstandort sei nun "fit für die Zukunft": "Archivbauten sind nicht sexy, aber unumgänglich als Gedächtnis des Staates", meinte Minister Sibler launig.

Er lobte das zügige Projekt, das im vorgegebenen finanziellen Rahmen realisiert worden sei. Besonders würdigte Sibler die "Fürsprecher" Staatsministerin Melanie Huml und den früheren Landtagsabgeordneten Heinrich Rudrof. Ferner zeigte sich der Minister erfreut über die grenzüberschreitende Arbeit des Staatsarchivs, die bayerische und tschechische Archive einbindet. Sibler wertete dies als ein Beitrag zum gedeihlichen Miteinander in Europa. Als Chance und Herausforderung der Zukunft führte er die Digitalisierung von Archivgut an.

Offen für jeden

Ministerin Huml nannte das Staatsarchiv wichtig, weil es diese Erinnerung brauche, um sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen. Das Archiv verwahre nicht nur Bestände aus zwölf Jahrhunderten, es sei nicht etwa abgeschlossen, sondern offen zugänglich für jeden. Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) betonte die Notwendigkeit der "schützenden Hand des Freistaats für den wichtigen Behördenstandort Bamberg". Der Neubau verfüge zwar nicht über eine einfache Architektursprache, sei aber eine "interessante Kombination mit alter Bausubstanz". Der OB zeigte sich davon überzeugt, dass "75 000 Bamberger Architekturexperten darüber diskutieren werden".

Jürgen König, Leiter des Staatlichen Bauamts Bamberg, stellte den Erweiterungsbau im Detail vor. Es sei eine Herausforderung gewesen, ein Gebäude nahezu ohne Fenster zu erstellen. Dabei habe das zu schützende Kulturgut im Mittelpunkt der Planungen gestanden. König brachte Zahlen ins Spiel: Auf 3500 Quadratmetern Nutzfläche könnten 28,5 Kilometer Archivalien gelagert werden mit einem Gesamtgewicht von 4875 Tonnen.

Christian Kruse, Leiter des Staatsarchivs Bamberg, dankte allen Initiatoren, Fachplanern, Architekten, Bauleuten für dieses "gelungene Beispiel für staatliches Bauen in Oberfranken". Der Erweiterungsbau sei ein Gemeinschaftswerk, das seine Amtsvorgänger begonnen und nun in "konstruktiver Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, mit der Stadt Bamberg" vollendet sei. Allein dreißig Firmen waren mit dem Gebäude beschäftigt. Kruse nannte alle namentlich.

Nach der offiziellen Schlüsselübergabe in einer stilechten Archivbox durch Jürgen König an Archivleiter Kruse und die Generaldirektorin der Staatlichen Archive, Margit Ksoll-Marcon, wurde der Neubau unter den Segen Gottes gestellt. Domkapitular Heinrich Hohl und Pfarrer Hans-Friedrich Schäfer, stellvertretender Dekan des evangelischen Dekanatsbezirks Bamberg, vollzogen diesen ökumenischen Akt. In seiner kurzen Ansprache prägte Schäfer einen prägnanten Namen für den fensterlosen Kubus: "Brühwürfel in Bamberg". Es könne hier im Staatsarchiv "nur um Wahrheit gehen, wo Fake News an der Tagesordnung sind". Im Archiv würden Fakten einlagern, mit denen sich die Wahrheit herausfinden lasse, auch wenn sie manchmal unbequem sei.

Die historische Tradition des Hains, in dem einst jüdische Familien wohnten, unterstrich die musikalische Gestaltung des Festaktes: Das Klezmer-Ensemble des Franz-Ludwig-Gymnasiums überzeugte mit Weisen unter anderen aus Israel.

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