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Bamberg

"Ihr habt's hier so schön!"

Der durchschnittliche Bamberg-Besucher ist deutsch, bleibt zwei Nächte und lässt durchaus Geld in der Stadt. Wir haben uns auf die Suche nach den häufigsten Touristentypen begeben - und sind zwischen Dom, Grünem Markt und Schlenkerla fündig geworden.
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Foto: Archiv/Ronald Rinklef
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Ein Pärchen um die 60 vergleicht an der Oberen Brücke den Stadtplan mit der Umgebung, zwei Jüngere lassen sich von ihrem Smartphone zum Dom leiten. Kleinere Grüppchen warten an der Tourist-Info auf die nächste Stadtführung, eine größere Schar folgt einem Schild des Reiseveranstalters in die Innenstadt. Auch an einem eher ruhigen Septembernachmittag sind die Touristen in Bamberg allgegenwärtig.

Wer mit ihnen spricht, stößt meist auf Deutsche, auf Pfälzer, Sachsen oder eine Nürnbergerin, die tatsächlich zum ersten Mal in Bamberg ist. Tatsächlich sind es die Deutschen, die mit knapp 84 Prozent den Löwenanteil ausmachen (2019 bislang knapp 340 000 Übernachtungen - ohne Ferienwohnungen). Aber auch Amerikaner, Österreicher und Japaner begegnen einem immer wieder zwischen Rosengarten und Altem Rathaus.

"Es sind vor allem die Kulturreisenden aus aller Herren Länder, die wir besonders ansprechen und bewerben", sagt Tourismusdirektor Andreas Christel. Auch gebe es viele kulinarisch interessierte Gäste, die neben fränkischer Küche auch das Bamberger Bier genießen wollen.

Einen erheblichen Wirtschaftsfaktor stellen die Tagestouristen in Bamberg dar, 2017 waren es laut einer dwif-Studie 7,8 Millionen Besucher, die zwei Drittel des touristischen Gesamtumsatzes ausmachten (dieser betrug 2017 vor Steuern knapp 330 Millionen Euro). In dieser Zahl enthalten sind neben vielen Bus-, Schiffs- und Individualreisenden auch Besucher aus dem Bamberger Umland, die zum Einkaufen oder für einen Restaurantbesuch in die Stadt fahren. Die Übernachtungsgäste geben laut dwif durchschnittlich zwischen 81 Euro (Privatunterkünfte) und knapp 170 Euro (gewerbliche Übernachtungsbetriebe) am Tag aus.

So unterschiedlich Herkunft und Verweildauern der Bamberg-Touristen auch sind, es gibt Gemeinsamkeiten: Viele kommen aufgrund von Empfehlungen durch Freunde, noch mehr waren schon einmal in der Stadt. Oder wie es ein Leipziger formuliert: "Beim ersten Besuch sind wir nur durchgerannt, dieses Mal nehmen wir uns Zeit."

Tagesbesucher

Auch wer aus unterschiedlichsten Gründen in Bamberg zu tun hat und das Ganze mit einem Stadtbummel verbindet, zählt als Tagestourist. So wie Sabine Gebhardt aus Nabburg, die Tochter Sophia bei der Immatrikulation an der Uni Bamberg begleitet hat. Mit Sophia und deren Bruder Clemens statten sie Dom und Altstadt einen Besuch ab, bevor auch sie sich ins Shopping-Vergnügen stürzen wollen - um dann abends wieder heimzufahren. Laut einer Studie von dwif Consulting gibt jeder Tagestourist im Schnitt 26,40 Euro aus.

Schiffstouristen

Mit dem Kreuzfahrtschiff sind die Ölbes aus Hamburg nach Bamberg gekommen, sie zählen damit zu den etwa 130 000 Touristen im Jahr (neben Deutschen machen hier Besucher aus Übersee, Amerikaner, Kanadier und auch Neuseeländer den Löwenanteil aus), die auf dem Fluss anreisen. Etwa 800 Passagierschiffe legen jährlich im Bamberger Hafen an, mit dem Bus werden die Reisenden zur Konzert- und Kongresshalle gebracht.

Auch die Ölbes waren schon einmal in Bamberg. Wie beim ersten Besuch lassen sie sich erst durchs Weltkulturerbe führen, um dann entspannt einen Kaffee an der Oberen Brücke zu trinken. Wertvolle Zeit, denn ihr Landaufenthalt dauert nur drei bis vier Stunden.

Camper

Der Campingtourismus liegt auch in Bamberg voll im Trend. Heike und Andreas Bernhardt aus Offenbach blieben vier Tage mit dem Wohnmobil auf der Camping-Insel in Bug, genossen die "tolle Stadt" und statteten auch dem Dom einen Besuch ab. 2017 machten Camper und Wohnmobilisten laut einer dwif-Studie zwar nur 0.7 Prozent des Bamberger Tourismusmarktes aus, doch dieses Segment wächst. 44,40 Euro gibt der durchschnittliche Campingtourist laut dwif an einem Tag in Bamberg aus. szs/fö

Deutsche Gerlinde Wedel und

Annemarie Klähn Die allermeisten Bamberg-Besucher kommen aus Deutschland, so wie Gerlinde Wedel und Annemarie Klähn aus Röthenbach an der Pegnitz, die nach Jahren mal wieder einen Abstecher nach Bamberg machen. Weil sie Dom und Altstadt bereits kennen, wollen sie nach dem Besuch einer historischen Braugaststätte gemütlich einkaufen. Angereist sind die beiden mit der Bahn (sie nutzen die Mobicard des VGN), mit der sie nach knapp sechs Stunden Aufenthalt auch wieder nach Hause fahren. Neben vielen Durchreisenden machen die Deutschen auch den Löwenanteil an Übernachtungen aus, gut 588 000 waren es im vergangenen Jahr.

Amerikaner

Für den Kalifornier Curt Nelson ist es nach 48 Jahren ein Wiedersehen mit der Stadt. Damals war er hier ein halbes Jahr für die Mormonen tätig. Heute ist Curt 67 Jahre alt und mit seiner gleichaltrigen Frau Cathy unterwegs. Die Nelsons bleiben zwei Tage, sie wollen das historische Ambiente und die regionale Küche genießen. Auch für einen Einkaufsbummel soll noch Zeit sein. Im Jahr 2018 bildeten die Amerikaner mit 13 600 Übernachtungen die größte ausländische Touristengruppe in Bamberg, allerdings ist deren Zahl 2019 deutlich eingebrochen.

Österreicher

"Ihr habt's hier so schön", sagt Agnes Schallhart, die mit Mann Günther und Sohn Rudolf im eigenen Auto aus Salzburg angereist ist. Die Österreicher werden 2019 in der Nationenwertung erstmals die USA überholen - mit bislang 6584 Übernachtungen. "Wir sind sonst immer in den Süden gefahren und wollten mal ganz was anderes machen. Im Internet sind wir auf Bamberg gestoßen", sagt Günther Schallhart. Eine Woche bleibt die Familie in einem Memmelsdorfer Hotel und erkundet nicht nur Bamberg, sondern auch Coburg und Kulmbach.

Japaner

Yuka und Manami aus Tokio gefällt es in Bamberg so gut, dass sie bereits zum zweiten Mal den weiten Weg auf sich genommen haben. "Etwas ganz Besonderes" sei die Stadt. Japan nimmt keinen Platz unter den ersten Zehn in der Nationen-Wertung mehr ein (2018: 1550 Übernachtungen). Allerdings gibt es neben den Übernachtungsgästen zahlreiche japanische Tagesbesucher auf der Durchreise. Yuka und Manami bleiben hingegen zwei Tage, bevor sie mit dem Zug weiterreisen. Einkaufen wollen sie hier nicht, dafür um so mehr sehen.

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