Bamberg
Urteil

"Ich werde jeden Cent zurückzahlen"

Weil er sich mehrfach aus der Kasse eines Kleingartenvereins bediente, erhielt der Vorsitzende eine Bewährungsstrafe.
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Große Probleme hatte ein Kleingartenverein mit einem Vorsitzenden, der 12 000 Euro veruntreut hatte. Vor dem Amtsgericht Bamberg gab der Angeklagte alles zu und meinte, er habe sich das Geld nur leihen wollen, es aber nicht zurückzahlen können. Dazu hat er nun in den nächsten beiden Jahren die Gelegenheit, sonst muss er die neun Monate, die zur Bewährung ausgesetzt sind, tatsächlich hinter Gittern absitzen.

Im Frühling und Sommer letzten Jahres steckt Anton H. (Name geändert) tief in Schwierigkeiten. In seiner zuvor scheinbar so glücklichen Ehe kriselt es. Der Alkohol ergreift mehr und mehr Besitz von ihm. Anton H. braucht Geld. Für Bier und Schnaps und für die eine oder andere Spekulation mit Aktien. Da trifft es sich gut, dass er Vorsitzender eines Kleingartenvereins ist.

Der Vereinskassier stirbt

Mit der Kontovollmacht und einer eigenen EC-Karten macht er sich im Mai, Juni und Juli 2018 ans Werk. Mal sind es 250 Euro, dann wieder 400 Euro, einmal sogar 750 Euro, die er in bar abhebt. Vierzehn Mal geht das so. Quittungen oder Belege, wofür er die Summen ausgibt, bleibt er schuldig. "Sie haben das Vertrauen der Vereinsmitglieder ausgenutzt. Die noch ausstehenden 10 000 Euro fehlen dem Verein seit Jahren," so Strafrichterin Christine Schäl.

Zupass kommt ihm die Tatsache, dass sein Vorstandskollege, der für die Kasse zuständig ist, im April 2018 überraschend verstirbt. Von ihm hatte sich Anton H. im April 2017 zudem noch ein Darlehen über 6500 Euro aus der Vereinskasse geben lassen. Nur mit der Rückzahlung, die bis Ende des Jahres vereinbart war, wurde es nichts. Außerdem wusste sonst niemand von diesem "Privatkredit". Ohne den Schatzmeister fallen auch die "kleinen Beträge" erst einmal nicht auf. Es gibt ein finanzielles Polster.

Furcht vor Tumulten

Es dauert aber noch bis zum Oktober 2018, bis eine außerordentliche Kassenprüfung die Unregelmäßigkeiten aufdeckt. Als ein Mitglied befürchtet, es könne bei der Mitgliederversammlung zu Tumulten kommen, wenn man den Anwesenden vom finanzielle Schaden erzählte, wendet er sich über das Online-Portal an die Polizei. Dort wird man hellhörig und beginnt, wegen Untreue zu ermitteln.

In ihrem Urteil folgte Strafrichterin Schäl dem Antrag der Staatsanwältin Janina Pöller, die "mit großem Augenzudrücken" eine neunmonatige Freiheitsstrafe zur Bewährung gefordert hatte. Derlei Milde hatte gleich mehrere Gründe: Anton H. ist bislang nicht vorbestraft. Er hat ein umfängliches Geständnis abgelegt. Er hat im Vorfeld bereits 2000 Euro zurückgezahlt. Er wurde aus dem Verein ausgeschlossen, lebt in Scheidung und ist umgezogen.

Und er hat sich, auch ohne Anraten seines Rechtsanwaltes Thomas Gärtner (Bamberg), seiner massiven Alkoholabhängigkeit gestellt: mit einer zweiwöchigen Entgiftung in der Nervenklinik Bamberg, sowie einer viermonatigen Therapie in der Fachklinik Weibersbrunn bei Aschaffenburg. "Ich bin seit November trocken," so Anton H. Er werde wieder seine alte Stelle antreten "Ich werde jeden Cent zurückzahlen."

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