Bamberg
Kommunalwahlen

"Ich möchte Bamberg gestalten"

Hans-Günter Brünker tritt für die Partei Volt als Oberbürgermeisterkandidat an. Der 52-Jährige wünscht sich neue Konzepte für die Wirtschaft und wieder mehr sozialen Wohnungsbau in öffentlicher Hand.
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Hans-Günter Brünker bewirbt sich für seine Partei Volt ums Bamberger Oberbürgermeisteramt.  Foto: Ronald Rinklef
Hans-Günter Brünker bewirbt sich für seine Partei Volt ums Bamberger Oberbürgermeisteramt. Foto: Ronald Rinklef

Dem Mann ist es ernst. Das wird nicht erst beim Blick in den umfassenden Entwurf für ein "Kommunalwahlprogramm Bamberg" der Partei Volt deutlich, an dem Hans-Günter Brünker mit seinen 25 Mitstreitern seit sechs Wochen arbeitet. 1,3 Prozent der Bamberger wählten Volt bei der Europawahl 2019, nun will die junge gesamteuropäische Partei auch zur Kommunalwahl 2020 antreten - mit Hans-Günter Brünker als Bewerber ums Oberbürgermeisteramt.

"Ich möchte Bamberg gestalten. Das ist seit etlichen Jahren meine Wahlheimat, ich habe die Stadt liebgewonnen", sagt der 52-Jährige, für den in Bamberg die Zeit für einen Wechsel gekommen ist. Der verheiratete Vater von drei Kindern arbeitet seit 2013 als freiberuflicher Schauspieler, Sprecher und Moderator. Zuvor war der promovierte Chemiker unter anderem Berater bei McKinsey und Geschäftsführer eines Biotechnologie-Unternehmens. "Ich konnte viele Erfahrungen sammeln und mein Blick ist relativ weit. Das ist wichtig für jemanden, der im Gemeinwesen tätig sein will", sagt Brünker. "In Bamberg spürt man, dass die Bürger wirklich an ihrer Stadt interessiert sind." Als der gebürtige Bad Brückenauer zu Volt gestoßen sei, habe er dort "die richtigen Leute mit den richtigen Zielen" getroffen. Zwar sei seine Partei in Bamberg noch klein, doch wachse Volt sehr stark und habe außergewöhnlich engagierte Mitglieder.

Unterstützerliste erforderlich

"Zur Europawahl kannten uns viele Leute noch nicht, aber wir haben viel Straßenwahlkampf gemacht und konnten bis zum Wahltermin noch einmal deutlich Boden gutmachen." Auf Straßenwahlkampf schwört Brünker seine Truppe auch für die anstehende Kommunalwahl ein - denn damit Volt dort überhaupt antreten kann, müssen sich zunächst 340 Unterstützer in Listen im Rathaus eintragen. "Das wird die erste große Herausforderung", sagt der OB-Kandidat. Die Zielsetzung sei aber: "Wir wollen in Fraktionsstärke in den Stadtrat."

Im November soll die Nominierungsversammlung sein, bis dahin sei auch das Wahlprogramm fertig. Bereits jetzt zeichnet sich Wirtschaft als einer der Schwerpunkte ab. "Wir brauchen eine wirtschaftliche Basis, die es uns ermöglicht, das zu finanzieren, was uns wichtig ist", sagt Brünker. Seine Partei wolle auf die Stärken des Wirtschaftsstandorts Bamberg setzen und diese weiterentwickeln: "Wir müssen nachhaltige Arbeitsplätze schaffen." Es mache daher Sinn, Unternehmen zu fördern, die auch noch in 20 Jahren Arbeitsplätze bieten können.

Die großen Arbeitgeber wie Bosch bleiben für ihn auch in Zukunft wichtig. "Solche Unternehmen entwickeln sich ja immer weiter. Ihnen müssen wir Anreize bieten, ihre zukunftsweisenden Felder bei uns anzusiedeln." Ein Zukunftsfeld sieht Brünker im Medical Valley, in dem Bamberg eine noch stärkere Rolle spielen könne: "Als Standort für die akademische Ausbildung in Medizinberufen könnten wir Arbeitsplätze schaffen und zugleich hätten wir die dringend benötigten Fachkräfte schon in der Stadt."

Der ÖPNV soll nach den Volt-Plänen eine andere Rolle bekommen und für die Menschen attraktiver werden. Brünker könnte sich ein 365-Euro-Ticket für alle vorstellen, nicht nur für Schüler und Auszubildende. "Wir beschäftigen uns aber auch mit der Frage, ob man über eine zweckgebundene Sonderabgabe von sieben Euro pro Kopf und Monat ganz auf Ticketeinnahmen verzichten könnte."

Auf dem Wohnungsmarkt ist für den Volt-Kandidaten "etwas verkehrt gelaufen, Bamberg hat die Entwicklung verschlafen". Brünker wünscht sich wieder mehr sozialen Wohnungsbau in öffentlicher Hand. Bei der Ausgestaltung neuer Wohngebiete müsse soziale Entmischung verhindert werden, denn "nur so können wir das sehr gute Miteinander erhalten, wie wir es in Bamberg haben".

Lobby für Kulturschaffende

Viele Kulturschaffende kennen Brünker als Vorsitzenden der Interessengemeinschaft Freie Darstellende Künstler. In dieser Funktion setzt er sich unter anderem für eine bessere Förderung der freien Theater ein. "Es deutet sich an, dass der Haushalt schwieriger wird. Das heißt aber nicht, dass man bei der Kunstförderung noch mehr kürzen kann." Gerade die freie Kultur brauche im Stadtrat eine bessere Lobby.

Auch das Thema Bürgerbeteiligung nimmt eine wichtige Rolle im Volt-Programm ein: "Warum kann man nicht bestimmte Vorhaben verständlich und transparent darstellen und dazu ein Testvotum der Bamberger einholen?" So könnten Stadtrat und Verwaltung schon frühzeitig ein Gefühl für die Meinung in der Bevölkerung bekommen - und Überraschungen wie beim Bürgerentscheid in Sachen Muna vermeiden.

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