Herzogenaurach

"Ich habe Pubertät!" - Habe fertig! Schrank ist leer!

Michael und Nicola Busch - Unser Redakteur, Vater einer 13-jährigen Tochter, schreibt seine Erfahrungen in einer wöchentlichen Kolumne auf.
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"Nix anzuziehen" sieht bei Nicola ungefähr so aus! Foto: mb
"Nix anzuziehen" sieht bei Nicola ungefähr so aus! Foto: mb
Wann wird die Tochter zur Frau? Richtig: in der Pubertät. Woran merkt man das? An den körperlichen Veränderungen? Auch! Es gibt zumindest bei Mädchen eine viel einfachere Veränderung, die darauf schließen lässt, dass "die Kleine" groß wird.
Diese einfache Veränderung ist ein Ruf, der in aller Regelmäßigkeit durchs Haus schallt. In der Regel morgens, vor einer Party oder dem Koffer packen für den Urlaub. Dann ruft Nicola nämlich mittlerweile: "Ich habe nichts anzuziehen!" Sie kennen das? Ja, ich auch. Nur, dass dieser Ruf momentan bei mir als Echo auftritt.
Vor allem mit dem Phänomen, dass in dem Fall zwei Kleiderschränke voll, wenn nicht sogar übervoll sind. Als Nicola dies erstmalig rief, eilte ich als besorgter Vater selbstverständlich zu Hilfe. Meine Tochter hat nichts anzuziehen! Dramatische Umstände, sie wird doch nicht im Eva-Kostüm das Haus verlassen oder gar Klamotten von Mama anziehen müssen!
Dann stehe ich mit meiner 13-jährigen Tochter vor dem Kleiderschrank und bekomme den Mund nicht mehr zu. Statt einer inhaltlichen Leere empfangen mich Stöße von T-Shirts, Hosen, Strümpfen, Röcken und was so alles dazugehört. Spontan würde ich sagen, dass die Cheerleader-Gruppe eines beliebigen Mittelklassevereins durchgängig einzukleiden wäre.
"Du hast keine Ahnung", ist dann das, was mir entgegengeworfen wird, wenn ich vorsichtig einwerfe, dass ich im Schrank Klamotten sehe. Eine Halluzination? Ich greife in den Kleiderwulst hinein und habe das Gefühl, dass zwischen geschlachteten Polyesterschafen und echter Wolle annähernd jegliche Art von Stoff erfühlbar ist. Auch eine Packung Chips und ein Energydrink, aber das ist ein anderes Thema.
Spontan, wie ich bin, ziehe ich darauf eine Hose, eine Bluse und Strümpfe aus dem Schrank, um zu demonstrieren, dass bei ein wenig gutem Willen sie doch etwas zum Anziehen hat. Fehler! Ganz großer Fehler! "Echt Papa? Das passt ja nicht einmal farblich zusammen und die Hose hat ein Loch!" Das sagt mir der Mensch, für den dessen Mutter drei Tage zuvor eine Lochjeans gekauft hat, wo jedes einzelne Loch teurer war, als der Jeansstoff an sich?
Den Rest der Kleidersuche mag ich gar nicht weitergeben. Ich kam nach 17-minütiger Diskussion den Tränen nahe und gab Nicola 50 Euro, dass sie sich endlich was zum Anziehen kaufen kann. Das arme, kleiderlose Mädchen! Scheiß Pubertät!

Und was sagt Nicola?
Mama erklärt, dass es so schwierig sei, Papa dahinzubringen, dass er mal Geld für Klamotten lockermacht. Nö, ist es nicht!

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