Bamberg
Jubiläum

Hundert Jahre Krippenvirus

Am 9. November 1919 wurde der Verein Bamberger Krippenfreunde gegründet. Er hat maßgeblich zum Ruf des Weltkulturerbes als "Krippenstadt" beigetragen.
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Marcus Gessner (links) und Michael Suffa vor der Maternkapelle, die am  9. November für einen ersten Besuch der Krippenausstellung geöffnet ist.  Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Marcus Gessner (links) und Michael Suffa vor der Maternkapelle, die am 9. November für einen ersten Besuch der Krippenausstellung geöffnet ist. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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In einer Senke geborgen liegt die schlichte, gotische Maternkapelle. Wer sie gefunden hat, eilt gleichsam zur Krippe hinab - in die raue, unwirtliche Welt, in die Jesus geboren wurde. In der er einen grausamen Tod am Kreuz erlitt. Die Maternkapelle ist da die rechte Kulisse, um fern von sentimentaler Gefühlsduselei gleichsam die Bibel aufzuschlagen, um die größte aller Geschichten in der Menschheitsgeschichte nachzulesen.

Es ist den Bamberger Krippenfreunden zu verdanken, dass ein solches Lesen und Begreifen ganz ohne Druckerschwärze auskommt: Schon seit 1930 zeigen sie - mit Ausnahme der Kriegsjahre 1941-45 - in der Advents- und Weihnachtszeit Krippen in allen nur denkbaren Variationen von alpenländisch über fränkisch bis orientalisch, ab 1990 in der österlichen Bußzeit auch seltenere Passionskrippen. Und das alles auf "religiöser, erzieherischer, künstlerischer und volkstümlicher Grundlage", wie die Bamberger Krippenfreunde in ihren Statuten das Ziel der Krippenpflege beschreiben.

Ein Ziel, dem sich der Verein auch und gerade im Jubiläumsjahr verpflichtet weiß: Vor hundert Jahren, am 9. November 1919, wurde der Verein als Ortsgruppe des Vereins der Bayerischen Krippenfreunde in der Gaststätte "Hein" in der Austraße gegründet. Der Erste Obmann (Vorsitzende) war der Dekorationsmaler Johann Förstel. Er organisierte die erste große Krippenausstellung im Katholischen Kasino in den Luitpoldsälen (Januar 1923). Unvergessen ist der langjährige Vorsitzende Jakob Gerner, der den Verein zu seiner Blüte brachte.

Heute ist es Marcus Gessner, der als Vereinsvorsitzender die Sonderausstellungen zum hundertsten Jubiläum verantwortet: "Ich bin von Kind auf mit dem Krippenvirus infiziert", lacht er und erzählt von seinem Großvater, der aktives Mitglied der Krippenfreunde gewesen sei, und dem er schon als kleiner Bub beim Arrangieren der Krippenfiguren geholfen habe.

Kurse sind beliebt

Nach und nach hat Marcus Gessner seine Passion verfeinert. Er zeigt in der Maternkapelle auf die von ihm gebaute Kulisse im orientalischen Stil, in der er die Herbergssuche stattfinden lässt. Die holzgeschnitzten Figuren Josef, Maria und der Wirt stammen aus dem Stubaital in Tirol. "Wir Bamberger Krippenfreunde nehmen keine Massenware, sondern nur handgefertigte Figuren", betont der Vereinsvorsitzende. Leider gebe es unter den 320 Krippenfreunden - Männer wie Frauen - niemanden mehr, der selber schnitzen könne. Dafür würden sie die Kulissen bauen und könnten in der Vereinseigenen Krippenbauschule in der Siechenstraße 75 dazu Anregungen holen. "In unseren Kursen haben wir sonst Teilnehmer aus ganz Deutschland", freut sich Gessner über den Zuspruch der seit 1977 existierenden Schule.

Weniger froh ist Marcus Gessner über die Entwicklung, die der Bamberger Krippenweg genommen hat. 1984 hatte der gemeinnützige Verein diesen mit acht Stationen begründet. Inzwischen sind es nahezu vierzig Stationen: Für Gessner eindeutig zu viel, "zu viel Masse statt Qualität und touristisch-kommerziell ausgeschlachtet". Von dem eigentlichen Krippengedanken bleibe kaum noch etwas: "Krippenszenen sind Verkündigungsarbeit, die bleibt auf der Strecke wie der religiöse Hintergrund", bedauert Gessner und weiß sich einig mit seinen Vereinsmitgliedern. "Kinder kennen den Hintergrund noch eher aus dem Kindergarten und der Schule", ergänzt Schriftführer Michael Suffa. Erwachsene wüssten da weniger oder gar nichts, gerade bei den Passionskrippen.

Viele Schätze

Gessner und Suffa legen letzte Hand an die Jubiläumsausstellung in der Maternkapelle. Etwa 40 Krippenszenen in den Kojen - von der Verkündigung Maria über die typische Weihnachtsdarstellung bis zur Hochzeit von Kana - laden zum Verweilen ein. Am eigentlichen Vereinsgeburtstag, also am Samstag, 9. November, ist die Maternkapelle von 11 bis 15 Uhr für jeden Interessierten geöffnet. Am 30. November wird dann Bürgermeister Wolfgang Metzner mit seinem Kollegen aus Bambergs Partnerstadt Prag I die diesjährige Weihnachtsschau um 11 Uhr eröffnen.

Anlässlich des Vereinsjubiläums zeigt auch das Historische Museum in der Alten Hofhaltung viele besondere Krippendarstellungen. Klassische Heimatkrippen wie Passionskrippen. Ein besonderer Schatz dürfte die fränkische Krippe von Gründungsmitglied Friedrich Konradi sein, dessen Nachfahren das gute Stück für die Präsentation zur Verfügung stellen. Der Bamberger Krippenweg 2019/2020 wird am 29. November um 17 Uhr im Historischen Museum gestartet.

Die Bamberger Krippenfreunde, zu denen seit 1956 auch Protestanten gehören, feiern ihr Vereinsjubiläum am Samstag um 16 Uhr mit einem Gottesdienst in der Kirche St. Urban. Erzbischof Ludwig Schick ist Hauptzelebrant. Auch Karmelitenpater Gerhard Förtsch wird als Geistlicher Beirat der Krippenfreunde dabei sein. Nach der Eucharistiefeier gibt es für geladene Gäste im Klemens-Fink-Zentrum einen Festakt.

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