Bamberg

Hund, Katze und Co. im Silvesterstress: Wie die Nacht der Böller im Tierheim abläuft

Mitarbeiter des Bamberger Tierheims Berganza erzählen, was ihren Tieren die Nacht der Böller leichter macht.
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Der Labrador würde sich am Silvesterabend am liebsten unter der Decke verkriechen.  Foto: Magnus Pomm/adobestock.com
Der Labrador würde sich am Silvesterabend am liebsten unter der Decke verkriechen. Foto: Magnus Pomm/adobestock.com
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Zischen, Knistern, Pfeifen, Rauch, grelle Lichtfunken und immer wieder lautes Knallen - das Feuerwerk ist für viele Menschen der Höhepunkt von Silvester. Wer den Abend allerdings schon einmal damit verbracht hat, seinen wimmernden Hund zu beruhigen oder seine verschreckte Katze zu suchen, weiß: Für Tiere bedeutet die Vielzahl der ungewohnten Eindrücke vor allem enormen Stress.

Das zeigt sich auch im Bamberger Tierheim Berganza am Rothofer Weg, in dem Hunde, Katzen, Klein- und Wildtiere untergebracht sind.

Silvesternacht ist für alle Tiere eine Belastung

"Die Nacht ist für alle Tiere eine Belastung", erzählt Tierpflegerin Lisa Plunkett, die bereits seit 30 Jahren im Tierheim arbeitet. "Den Hunden merkt man den Stress aber besonders an." Ihre Kollegin Samantha Licari nickt und ergänzt: "Katzen leiden zwar auch, aber sie ziehen sich eher zurück." Sowohl Hunde als auch Katzen nehmen Explosionen durch ihren feinen Geruchs- und Gehörsinn überdeutlich wahr. Damit die Tierheimbewohner die Nacht möglichst unbeschadet überstehen, werden verschiedene Maßnahmen ergriffen.

So finden Spaziergänge mit den Hunden am 31. Dezember nur bis mittags statt, da viele Böller bereits weit vor Mitternacht gezündet werden. Deshalb laufen sie an diesem Tag auch nur doppelt gesichert, mit einer Leine am Halsband und einer zweiten am Sicherheitsgeschirr. "Angsthunde", die besondere Betreuung und Zuwendung benötigen, werden zu einer Pflegestelle außerhalb des Tierheims gebracht.

Die Zugänge im Hunde- und Katzenhaus zu den Außengehegen schließen die Tierpfleger und auch den Wildtierbereich, in dem die Kaninchen sind, verhängen sie mit schwarzen Planen, um die Geräusche und Lichter etwas abzudämpfen. Für Hunderassen, die sich bei kühlen Temperaturen wohl fühlen, wie den Alaskan Malamute, gibt es im Außenbereich Holzhütten. "Auf keinen Fall sollte man seinen Hund an Mitternacht mit nach draußen nehmen, um das Feuerwerk anzuschauen. Manchen Besitzern ist gar nicht bewusst, wie wichtig ein Rückzugsort für ihr Tier ist", stellt Licari fest.

Nach der abendlichen Fütterung durch das Personal übernimmt der Notdienst die Überwachung. Er ist durch eine Alarmanlage und Kameras mit dem Tierheim verbunden und kann bei besonderen Ereignissen eingreifen. Mehrmals pro Nacht ist er aber auch persönlich vor Ort: Wenn die Polizei Hunde bringt, die ihren Besitzern aus Panik entlaufen sind. Auch sonst gelassene Hunde können durch Böller so erschrecken, dass sie sich nicht mehr zurückrufen lassen.

Hunde verhalten sich am Neujahrsmorgen anders

"Am Neujahrsmorgen merke ich schon, dass die Tiere sich anders als sonst verhalten", erzählt Plunkett. "Sie sind ruhiger, scheuer, einige haben Durchfall, manche Hunde haben in der Nacht ihre Decken zerbissen." Und das, obwohl das Tierheim immerhin ein ganzes Stück entfernt von den Wohngebieten in Gaustadt oder dem Neubaugebiet in Bischberg liegt und direkt neben dem Tierheim nicht geschossen wird.

Maßnahmen für Tiere an Silvester: Empfehlungen des Tierschutzbunds

Viele Haustierbesitzer wohnen nicht so abgelegen, sondern inmitten von Wohnvierteln, in denen Feuerwerkskörper und Böller gezündet werden. Schutzmaßnahmen, die im Tierheim durchgeführt werden, können aber auch für sie hilfreich sein, wie die Empfehlungen des Deutschen Tierschutzbundes für den Silvesterabend zeigen:

  • Hunde nur angeleint auszuführen
  • Katzen, die sonst Freigang haben, im Haus zu lassen.
  • Türen und Fenster sollten geschlossen und Vorhänge zugezogen werden.
  • Für Hunde, Katzen, Vögel, Meerschweinchen und andere Kleintiere können ihre Besitzer einen ruhigen Platz in einem Raum schaffen, der nicht direkt zur Straßenseite liegt.
  • Die Käfige von Vögeln und Kleintierkäfige sollte man entfernt vom Fenster aufstellen und mit einem großen Tuch abdecken. 
  • Beruhigungsmittel seien nur in seltenen Fällen ratsam, betont der Tierschutzbund, etwa wenn ein Tier extrem ängstlich auf laute Geräusche reagiert. Hier sollte man sich aber im Vorfeld von seinem Tierarzt beraten lassen. Meist reicht es aus, wenn eine Bezugsperson bei dem Tier bleibt, mit ihm ruhig und gelassen umgeht und ihm damit ein Gefühl von Sicherheit vermittelt.
  • Wie viel Zuwendung ein Tier braucht, ist ganz unterschiedlich: Manche Katzen und Hunde orientieren sich an ihrem Menschen und suchen viel Körperkontakt, andere verstecken sich lieber. Hier ist übermäßiges Streicheln oder Zureden wenig hilfreich. Stattdessen kann man versuchen, das Haustier durch bekannte Spielrituale abzulenken. Insgesamt sollte man die normale Tagesroutine so weit wie möglich einhalten. 

Langfristig hofft der Tierschutzbund, dass auf städtische Feuerwerke ganz verzichtet wird. Das wünscht sich auch Lisa Plunkett: "Das Geld dafür könnte man stattdessen ans Tierheim spenden". Ramona Löffler

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