Burgebrach
Mut & Courage

Hornissen im Auto getrotzt - Freund gerettet

Mit angreifenden Hornissen und dem ohnmächtigen Freund im Wagen raste Klaus Dörnbrack durch den Wald zur Burgebracher Klinik - er rettete ein Leben.
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Klaus Dörnbrack (rechts) mit seinem Freund Karl-Heinzs Schwarm an der Stelle im Burgebracher Wald, an der sie von einem Hornissenschwarm  angegriffen worden waren.Ronald Rinklef
Klaus Dörnbrack (rechts) mit seinem Freund Karl-Heinzs Schwarm an der Stelle im Burgebracher Wald, an der sie von einem Hornissenschwarm angegriffen worden waren.Ronald Rinklef

Wie schnell Klaus Dörnbrack da durch den Wald geschossen ist, weiß er nicht mehr. Und die Verkehrsregeln waren ihm auch völlig egal. Entscheidend war, dass sein Freund Karl-Heinz Schwarm umgehend in die Klinik kam. Drei bis vier Kilometer Waldweg können schnell zur Unendlichkeit werden. Nicht nur das, während der Höllenfahrt stachen auch noch wild gewordene Hornissen auf den heute 66-Jährigen ein. Dafür, dass sein couragiertes Handeln dem anderen das Leben gerettet hat, wurde der Burgebracher letzten Monat mit der Christophorus-Medaille geehrt.

"Ein schöner Vormittag in München", meint er dazu. Stolz ist der ehemalige Verwaltungsangestellte jedoch auf etwas anderes: Seine Fähigkeit, in kritischen Situationen die Ruhe zu bewahren und vernünftige Entscheidungen zu treffen. Dadurch hat er schon mehrmals Menschen das Leben gerettet. "Ich hab' da mal ne Frau aus einem brennenden Auto gezogen", nennt er ein Beispiel. Als die Rettungskräfte da waren, habe er sich in seinen Wagen gesetzt und sei weiter gefahren.

Weiterfahren wollte Klaus Dörnbrack eigentlich auch an jenem 17. September vor zwei Jahren, nachdem er den Freund in die Steigerwaldklinik gebracht hatte.

Doch eine Krankenschwester merkte, dass es den Retter selbst auch erwischt hatte: "Blutdruck 200". Adrenalin und elf Hornissenstiche hatten Folgen. Also musste Dörnbrach einige Tage in der Klinik verbringen. Ein Arzt hatte ihm bescheinigt, wenn sein Freund Karl-Heinz, der 16 Hornissenstiche abbekommen hatte, nur etwas später gebracht worden wäre, hätte er die Attacke nicht überlebt.

Wie war es überhaupt dazu gekommen? Klaus Dörnbrach berichtet, sein Freund Klaus hatten ihn gebeten, ihm beim Freischneiden eines Weges im Wald zu helfen. Nachdem schon viel geschafft war, machte Karl-Heinz die Motorsense aus, legte sie auf einen umgestürzten Baum, der an einem gesunden lehnte. Die Männer machten kurz Pause. Dann warf Karl-Heinz die Motorsense auf dem Baum wieder an. Danach hörte Klaus Dörnbrack nur noch Schreie: Ein Schwarm Hornissen attackierte den Freund. Geistesgegenwärtig warf Dörnbrack seine Jacke über diesen und zog ihm den Pullover über den Kopf, der mit den wild um sich stechenden Tieren übersät war. "Lauf' zum Auto", habe er dem Freund zugerufen, während er selbst zum Ziel des wütenden Schwarms geworden war, als er die Motorsense ausmachte.

Im Auto merkte Dörnbrack, dass der Freund völlig verschwollen war, nicht mehr sprechen konnte und offenbar kurz vor der Ohnmacht stand.

Er durfte keine Zeit verlieren und raste durch den Wald - "fast bis ins Krankenhaus hinein." Zwei Minuten später und Karl-Heinz hätte nicht mehr gelebt, ließen ihn die Ärzte wissen. Und hinderten ihn daran, das Auto wegzufahren. "Weil die sahen, dass auch mit mir was nicht stimmte." Im Wagen waren dann noch etwa elf Hornissen. Karl-Heinz wurde auf der Intensivstation behandelt. Und weiß nun, dass er auf Hornissenstiche allergisch reagiert.

Die Freunde feiern nun den den 17. September gemeinsam als zweiten Geburtstag.

Später hat sich Dörnbrack den Ort des Geschehens noch einmal angesehen. "Das hat mich einfach interessiert." Und siehe da, im gesunden Baum war ein Hornissennest. Dörnbrack hat sogar hineingefasst. "Die waren ganz friedlich." So geht er davon aus, dass sich die Tiere durch die Vibrationen der Motorsense angegriffen fühlten und ihrerseits attackierten. Angst hatte er bei dieser Aktion nicht.

Wovor hat er dann Angst? "Dass in meinem Umfeld was passiert." Ansonsten hat er sich die frühere Angst vor Schlangen abtrainiert, indem er sich der einfach stellte und ein Tier auf einem historischen Markt anfasste.

Dörnbracks Rettungstat vom September 2017 wurde übrigens nur durch einen Zufall gewürdigt: Weil eine Frau davon gehört hatte und das Ganze ans Landratsamt weitergab.

So ehrt der Freistaat seine mutigsten Bürger:

Mit der Bayerischen Rettungsmedaille wird ausgezeichnet, wer bei der Rettung eines Menschen aus Lebensgefahr sein eigenes Leben eingesetzt hat. Seit 1952 haben 4285 Personen diese Auszeichnung erhalten.

Christophorus-Medaille Wer jemanden unter besonders schwierigen Umständen aus Lebensgefahr rettet, erhält vom Freistaat Bayern eine öffentliche Belobigung und die Christophorus-Medaille. Mit ihr wurden seit 1983 bislang 1725 Personen geehrt. Heuer hat Ministerpräsident Markus Söder am 29. Mai 2019 in Münchner Residenz 59 Personen mit dieser Medaille ausgezeichnet.red

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