Bamberg

Honeckers Gastgeber zu Besuch in Bamberger Gymnasium

Unter dem Titel "Wertebewusstsein schaffen" fand im Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg eine Podiumsdiskussion statt. Zu Gast war auch Uwe Holmer, der im Jahr 1990 dem damals gerade gestürzten Generalsekretär der DDR Asyl leistete.
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Eine Frau geht im Deutschen Historischen Museum in Berlin an zwei Abbildungen von Erich Honecker vorbei. Am Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg war Uwe Holmer zu Gast, der im Jahr 1990 dem damals gerade gestürzten Generalsekretär der DDR Asyl leistete. Foto: Miguel Villagran dpa/lbmn
Eine Frau geht im Deutschen Historischen Museum in Berlin an zwei Abbildungen von Erich Honecker vorbei. Am Franz-Ludwig-Gymnasium Bamberg war Uwe Holmer zu Gast, der im Jahr 1990 dem damals gerade gestürzten Generalsekretär der DDR Asyl leistete. Foto: Miguel Villagran dpa/lbmn
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Die Aula des Franz-Ludwig-Gymnasium (FLG) ist rappelvoll. Es wirkt als wäre die ganze Schule versammelt. Tatsächlich hat sich hier "nur" die gesamte Oberstufe versammelt, um bei einer Podiumsdiskussion teilzunehmen.

Zur Veranstaltung wurden Pastor Uwe Holmer und sein Sohn Konstantin geladen. Uwe Holmer ist kein gewöhnlicher Pfarrer: Er leistete im Jahr 1990 dem ehemaligen Generalsekretär und damit mächtigsten Mann der DDR für zehn Wochen Asyl. In der turbulenten Phase nach dem Mauerfall waren die Honeckers nach einem kurzen Gefängnisaufenthalt von Erich zwischenzeitlich ohne Wohnung. Sie baten die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg um Hilfe. Uwe Holmer, damals Leiter der Hoffnungstaler Anstalten , bot daraufhin dem Ehepaar Unterkunft in seinem Pfarrhaus an.

Bevor die aktive Diskussionsphase begann, hielt Uwe Holmer ein Referat, in dem er von sich und seinem Leben berichtete. Er las einige Passagen aus seinem neuen Buch "Der Mann, bei dem Honecker wohnte".


Anekdoten aus der Kindheit

Er gab auch einige prägende Ereignisse aus seiner Kindheit zum Besten und versuchte so den jungen Menschen einige, für ihn besonders wichtige,Werte zu vermitteln. So berichtete er beispielsweise von glücklichen Kindheitserinnerungen mit seiner Mutter, die ihn schließlich auch zu Gott geführt habe. "Damit ein Kind glücklich ist braucht es keinen finanziellen Reichtum. Es braucht bloß eine liebende Mutter", so Holmer.

Besonders gebannt lauschten die Schüler als Holmer berichtete, wie er es schaffte sich als junger Mensch in der NS-Diktatur sein Gewissen zu wahren. Nach anfänglicher Euphorie und Sympathie für den Nationalsozialismus hatte Holmers Mutter ihm die grausamen Methoden der SS erklärt. Daraufhin verweigerte er die Mitgliedschaft in der Hitlerjugend und später in der SS. "Ich wurde von den anderen Jugendlichen deswegen beleidigt und erniedrigt. Als Feigling bezeichneten sie mich. Doch als der Krieg vorbei war, habe ich vor Freude Luftsprünge gemacht und mir ist klar geworden: Wenn man stets nach seinem Gewissen handelt, ist man ein freier Mensch."
Auch einige Jahre später bekam Holmers Familie, die in der DDR lebte, zu spüren, was passiert wenn man sich nicht wehrlos dem Staat fügt und nach seinem eigenen Willen und Freiheitsgedanken lebt. Holmers Kinder bekamen trotz sehr guter Schulleistungen keinen Platz an der Oberschule, weil sie der Freien Deutschen Jugend (FDJ) nicht beigetreten waren.

Und doch war er, zum großen Unverständnis vieler empörter Bürger, bereit dem Ehepaar Honecker nach dem Mauerfall Asyl zu leisten. "Der Medienrummel war gewaltig, täglich kamen wütende Menschen, um dagegen zu protestieren.", erzählte Uwe Holmers Sohn Kornelius.


Schüler zeigen reges Interesse

Auf die Frage einer Schülerin, ob er denn nie Zweifel hatte, bei dem was er tat, antwortete Uwe Holmer: "Nein, hatte ich nicht", und verwies auf die Stelle im Vaterunser: "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern". In den insgesamt zehn Wochen, in denen Erich Honecker da war, konnte ihn Uwe Holmer ein bisschen besser kennenlernen. Sein Fazit: "Honecker war kein grausamer Mensch, aber ein sehr fanatischer."

Auch auf das Thema Ehe und Eheschließung kam Holmer zu sprechen. So ist er der Ansicht, dass eine Ehe nur zwischen "Mann und Frau eine richtige Ehe sei" und die Ehe bestenfalls "auch ein ganzes Leben lang währen soll."

Einige aufgeweckte Schüler waren da scheinbar anderer Meinung. Oft wurden den Holmers die Frage gestellt, ob sie denn nicht der Ansicht seien, dass heutzutage eine gleichgeschlechtliche Ehe den selben "Wert" habe. Auf die Frage eines Schülers, an Konstantin Holmer gerichtet, wie er denn reagieren würde, wenn eines seiner Kinder ihm erzähle, dass es homosexuell sei, antwortete dieser: "Ich würde es akzeptieren, weil ich meine Kinder liebe, aber ich würde ihm auch meine Meinung dazu sagen."

Holmer gastierte am selben Tag auch in der Abtei Maria Frieden in Kirchschletten. Eingeladen hatte die evangelische Kirchengemeinde Zapfendorf, in der sein Sohn Kornelius seit dem vergangenem Jahr Pfarrer ist, und die Abtei unter Leitung von Äbtissin Mechthild Thürmer.

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