Bamberg
Wirtschaft

Hohe Preise und Wohnungsnot: Interview mit dem Obermeister der Bamberger Bauninnung

In Zeiten von Wohnungsnot und Immobilien-Boom steht das Baugewerbe häufig als Preistreiber in der Kritik. Im Interview nimmt Hubert Reinfelder als Obermeister der Bamberger Bauinnung die heimischen Betriebe in Schutz.
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Hubert Reinfelder ist Obermeister der Bamberger Bauinnung. Foto: Sebastian Schanz
Hubert Reinfelder ist Obermeister der Bamberger Bauinnung. Foto: Sebastian Schanz

Die Baubranche boomt. Bis in welches Jahr ist Ihr Bauunternehmen ausgebucht? Bis 2025? Oder länger? Hubert Reinfelder: Welcher Boom? Es sind lediglich ausreichend Aufträge vorhanden. Wie lange, ist noch nicht absehbar. Derzeit sind wir für das nächste halbe Jahr ausgebucht.

Ist das im Vergleich zu den Jahren und Jahrzehnten vorher lang oder kurz? Wir hatten auch schon Zeiten, wo wir nicht wussten, was in 14 Tagen passiert, 2008 bis 2010 waren die Zeiten nicht so rosig.

Boom hin oder her. Derzeit sind die Zeiten rosig, zumindest für die Baubetriebe - die Preise steigen. Das wird häufig kritisiert... Sicher sind die Preise erhöht, aber wir hatten heuer mit drei Einmalzahlungen ohne das 13. Monatsgehalt fast sieben Prozent Lohnerhöhung, das ist nicht ohne. Aber gute Mitarbeiter müssen eben auch gut bezahlt werden. Gerade die Materialkosten sind aber auch sehr gestiegen.

Welches Material meinen Sie konkret? Ganz schlimm sind im Moment die Entsorgungsgebühren für belastete Bodenarten. Ich hatte vor kurzem eine Baustelle für ein Einfamilienhaus, da lag allein der Aushub auf Grund von überschrittenen Grenzwerten bei 60 000 Euro Entsorgungskosten. Das sind enorme Kosten. Man macht ein Loch und das kostet 50 000 Euro. Wahnsinnig viele junge Leute bauen deshalb ohne Keller. Es gibt zu wenige Deponien in der Nähe. Wir fahren den Aushub teilweise bis nach Sonneberg. Die Mautgebühren fallen ins Gewicht. Mehr Deponien im Landkreis könnten Entsorgungskosten und damit die Preise insgesamt nach unten drücken.

Preisexplosionen bei Immobilien jeder Art, grassierende Wohnungsnot. Bei diesen Themen wird der Baubranche oft eine Mitschuld zugesprochen. Was sagen Sie zu den Vorwürfen? Unsere Preisbildung steht nicht ansatzweise im Zusammenhang mit dem zum Teil unverständlich hohen Preisspiegel des Immobilienmarktes.

Was meinen Sie konkret? Der Quadratmeterpreis für eine Eigentumswohnung liegt bei bis zu 5000 Euro. Eine Wohnung mit 100 Quadratmetern kostet 450 000 oder 500 000 Euro. Da haben wir ja bald Münchner Preise. Wer kann sich das noch leisten? Woran liegt das? Die Grundstückspreise schießen in die Höhe. Jedoch liegt meiner Ansicht nach das Hauptproblem darin, dass die Wohnungsnot in Bamberg stetig ansteigt. Auch im Immobiliengeschäft bestimmen eben Angebot und Nachfrage den Preis.

Die Nullzinspolitik führt dazu, dass Immobilien eine sehr beliebte Geldanlage sind. Spüren Sie das? Ja. Man sieht es in Bamberg, dass alte Häuser der Großeltern von jungen Leuten ausgebaut werden, um sie zu vermieten, weil die Mietpreise auch hoch sind. Jeder versucht alles, was alt und zerbrechlich ist, herzurichten.

In Bamberg wurde der soziale Wohnungsbau verschlafen. Diesen Vorwurf hört man häufig. Was bemerken Sie bei Investoren: Legen sie mehr Wert auf Hochpreisigkeit oder denken sie auch an sozial Schwache? Private Kunden bauen teilweise sehr hochwertig, weil sie meistens selbst einziehen, oder gute Mietpreise erzielen möchten. Sozialbau läuft beispielsweise über die Stadtbau, die versucht schon viele Sozialprojekte zu schaffen. Die Stadt bemüht sich hier aus meiner Sicht sehr.

Die Handwerkerschaft wirbt sehr um Nachwuchs. Nicht nur die Bauinnung klagt über Personalmangel, auch ihre Kollegen. Was sind die Ursachen? Bei uns in der Firma sind es 70 Prozent an Mitarbeitern, die aus Altersgründen bald auf einen Schlag ausscheiden. Wir kämpfen daher um jeden Lehrling, anders geht es nicht. Ich gehe in die Schulen als Pate, wir zeigen uns bei Azubi-Messen. Nichts desto trotz sinkt das Interesse an Handwerksberufen bei jungen Generationen stetig. Los geht unser Werben daher schon im Kindergarten, selbst dort haben wir ein Projekt.

Baggern im Sandkasten? Genau. Das nennt sich "Baumeister gesucht". Die Vorschulgruppen bauen an einer Werkbank eine komplette Ortschaft. Das lassen wir uns richtig was kosten.

Direkt Ausbildungsverträge unterschreiben lassen! Am liebsten würden wir das! Unsere Berufe müssten insgesamt interessanter vorgestellt werden, die Bevölkerung weiß noch nicht, dass der Beruf mit der Lehre nicht beendet ist. Die Jugend sollte nicht weiter über die Maßen akademisiert werden. Das Wichtigste für uns als Bauinnung ist derzeit, dass wir Nachwuchs bekommen.

Das Gespräch führte Sebastian Schanz

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