Dörfleins

Hochspannungsleitung macht Probleme

Der Hallstadter Stadtrat äußert Bedenken gegen die Verstärkung der Hochspannungsleitung im Baugebiet "Vesperbild" von 220 auf 380 kV. Alternativen wären aber mit hohen Kosten verbunden. Dennoch soll ein Gutachten näheren Aufschuss über die Risiken bringen, die mit einem Ausbau verbunden sind.
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Mehr Emissionen bei höherer Spannung? Die Stadt Hallstadt will die Risiken gutachtlich prüfen lassen. Foto: Barbara Herbst
Mehr Emissionen bei höherer Spannung? Die Stadt Hallstadt will die Risiken gutachtlich prüfen lassen. Foto: Barbara Herbst
Die geplante Verstärkung des 220 kV-Stromkreises der das Baugebiet "Vesperbild" tangierenden Hochspannungsfreileitung auf 380 kV nimmt Hallstadt nicht klaglos hin. Nach diversen schriftlichen Einsprüchen von Bürgern, die sich durch das Projekt beeinträchtigt sehen, erhob auch der Stadtrat Einwände zum Planfeststellungsverfahren. Am liebsten möchte man die Trasse um 500 oder gar 1000 Meter nach Norden verlegen. Betroffen davon wären bis zu zwölf Gittermasten allein im Stadtgebiet.

Ein solcher Vorschlag erscheint Bürgermeister Markus Zirkel (SPD) jedoch "sehr unrealistisch", müssten dafür doch 10 bis 20 Millionen Euro aufgewendet werden. Einen Mast zu versetzen, koste rund zwei Millionen Euro, hatte Zirkel in Erfahrung gebracht. Noch um ein Vielfaches teurer käme die Erdverkabelung der Stromleitung.
Sollte allerdings die Stadt Hallstadt eine Verlegung der Hochspannungsleitung fordern, müsste sie auch die Kosten eines neuen Planfeststellungsverfahrens und die Risiken der Prüfung im Raum tragen. Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten konnte Hallstadt eine weiter nördlich verlaufende Trasse nicht durchsetzen.
Die seit mehr als 20 Jahren bestehenden Leitungen zwischen den Umspannwerken Redwitz an der Rodach und Bergrheinfeld sind technisch bereits für den Betrieb mit zwei oder vier 380 kV-Systemen ausgelegt. Bauliche Veränderungen sind daher im Bereich Hallstadt nicht erforderlich, teilt die Bezirksregierung mit. Die Erhöhung der Spannung erfolgt gewissermaßen per Knopfdruck.
Der etwas mehr als 51 Kilometer lange oberfränkische Leitungsabschnitt zwischen Redwitz a. d. Rodach und Staffelbach bei Oberhaid ist laut der Projektbeschreibung Teil der bundesweiten Ertüchtigung des Stromübertragungsnetzes. Die Leitung sei die Verlängerung der auch unter dem Begriff "Thüringer Strombrücke" bekannten 380 kV-Neubaumaßnahme zwischen Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) und Redwitz (Bayern) nach Grafenrheinfeld. Die Kapazitätserweiterung der Leitung sei für die Stromversorgung des süddeutschen Raums nach der Abschaltung des Kernkraftwerkes Grafenrheinfeld Ende 2015 erforderlich, erklärt die Regierung von Oberfranken.
Nicht nur in Hallstadt ist man über die Erhöhung auf 380 kV unglücklich. Anlieger der Trasse fürchten eine höhere Belastung durch Elektrosmog und Geräusch-Immissionen. Verstärkt wird die Skepsis durch angebliche Fehler in den Gutachten, die der Netzbetreiber und Antragsteller, die TenneT TSO GmbH Bamberg, erstellen ließ. Der Stadtrat fordert daher eine weitere gutachterliche Bewertung durch einen neutralen Experten auf Kosten des Netzbetreibers. Darüber hinaus wird ein besserer Informationsfluss erwartet. Gefordert werden ferner die Abstimmung der Planungen mit anderen Behörden und Trägern öffentlicher Belange sowie die Beachtung aller Bauleitpläne. Erforderliche Schutzmaßnahmen und der Ausgleich von Wertverlusten an den Grundstücken sollen zu Lasten des Netzbetreibers gehen.

Anstoß zur Prüfung geben

Das Ziel einer Trassenverlegung wollen einzelne Ratsmitglieder noch nicht aufgeben. So sprach sich CSU-Fraktionsvorsitzender Thomas Söder dafür aus, jetzt einen Anstoß zur Prüfung einer Neutrassierung zu geben. Einerseits dauere das Verfahren noch Jahre, in denen sich wesentliches ändern könne, und andererseits könnten sich weitere Gemeinden dem Hallstadter Anliegen anschließen.
Zweiter Bürgermeister Ludwig Wolf (FW) hegt die Hoffnung, dass die Verlegung nach Norden dann zwingend werden könnte, wenn die Emissionswerte mit den Immissionsschutz-Bestimmungen nicht in Einklang zu bringen wären. Wolf stimmte schließlich als einziger gegen die Stellungnahme des Stadtrats zum Planfeststellungsverfahren. SPD-Fraktionssprecher Udo Hofmann fürchtet, dass "alles vorbei" sei, wenn die Stadt jetzt nichts erreiche. Die verstärkte Stromleitung verhindere Erweiterungsmöglichkeiten. Bürgermeister Zirkel wollte jedoch zwei Tage vor der Frist zur Abgabe einer Stellungnahme nicht in eine neue Grundsatzdebatte einsteigen.

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