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Hitzefrei: Jede Schule entscheidet selbst

Es ist heiß, die Sommerferien stehen kurz bevor. Für die Schulen ist "Hitzefrei" aber eine organisatorische Herausforderung.
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Symbolfoto: Ronald Rinklef
Symbolfoto: Ronald Rinklef
Im Gang vor dem Direktorat drängen sich Schüler und fordern lautstark "Wir wollen Hitzefrei!". Irgendjemand hat anonym Zettel aufgehängt, auf denen zu einem "Flashmob" - einer spontanen Zusammenkunft - in der zweiten Pause aufgefordert worden war.

Die Rufe der Schüler blieben ungehört, der Unterricht fand statt. Warum, erklärt die stellvertretende Schulleiterin der Schule, an der vor kurzem protestiert wurde: Dem Dientzenhofer Gymnasium (DG) in Bamberg. "Es handelte sich um zwei heiße Tage in einer Woche, in der Referendare ihre letzten Stunden vor der Lehrprüfung gehalten haben. Außerdem fanden im Haus Prüfungen für Schüler statt", sagt Susanne Lohneiß.
Deswegen habe man sich dazu entschlossen, kein Hitzefrei zu geben. Es sei nicht zu organisieren, nur die Schüler aus den Klassen der Referendare da zubehalten.

Lohneiß könne den Ärger der Schüler zwar nachvollziehen, sagt aber auch: "Manchmal bleibt uns allen nichts anderes übrig, als durchzuhalten." Seminarschulen wie das Dientzenhofer Gymnasium hätten es in Sachen Hitzefrei nicht unbedingt leicht. "Wir sind ein Februar-Seminar, das heißt, bei uns stehen die Lehrproben in den Sommermonaten an."
Die Kollegen würden sich bemühen, Rücksicht auf die Schüler zu nehmen, etwa durch Pausen. Außerdem sei nichts dagegen einzuwenden, wenn Schüler im Unterricht Durst hätten und etwas trinken wollen.


Hitzefrei nach Lehrproben-Ende

Die Schüler konnten sich nach dem Ende der Lehrproben mittlerweile über Hitzefrei freuen. "Wir durften zwei, drei Mal früher gehen", sagt ein Schüler des DG. Er war dabei, als sich der Flashmob vor dem Direktorat gebildet hatte. "Die Aufregung war groß, weil wir von Freunden an anderen Gymnasien mitbekommen haben, dass dort Hitzefrei gegeben wurde."

Prinzipiell halte man durchaus Rücksprache mit anderen Schulleitern zur Hitzefrei-Frage, sagt Susanne Lohneiß. Aber: Es kommt auf verschiedene Faktoren an, das weiß auch Ludwig Unger, Sprecher des Bayerischen Kultusministeriums. "Es ist ein Unterschied, wo Sie 30 Grad haben. Liegt die Schule zwischen schattigen Bäumen am Hang oder handelt es sich um ein Betongebäude mit großen Fenstern zur Südseite hinaus?"
Die Entscheidungskompetenz zur Hitezfrei-Frage liegt grundsätzlich beim jeweiligen Schulleiter selbst. Das war nicht immer so: 2008 wurde eine Regelung abgeschafft, nach der Hitzefrei gegeben werden musste, wenn zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte Temperatur erreicht war.

"Im Zuge der wachsenden Eigenverantwortlichkeit der Schulen gab man diesen mehr Freiraum durch die Möglichkeit, selbst zu entscheiden", sagt Unger. Der Kultusministeriumssprecher betont: "Es ging nicht darum, Hitzefrei an sich abzuschaffen. Sondern die Eigenverantwortlichkeit der Schulen zu stärken."
Er erklärt: "Das System Ganztagsschule zum Beispiel funktioniert natürlich nur, wenn die Schüler da sind. Die Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder betreut werden." Grundsätzlich sei es schon möglich, ältere Kinder, etwa ab 14 Jahren, eher gehen zu lassen. "Das wird an den jeweiligen Schulen geregelt", sagt Unger.


Transport muss organisiert sein

Dass sich ein Schulleiter nicht nur die Frage der Betreuung stellen muss, weiß Barbara Pflaum, Direktorin der Staatlichen Schulämter im Landkreis und der Stadt Bamberg. "Der Schulleiter muss auch den Transport regeln und bedenken, dass der Busfahrplan sehr komplex ist." Hinzu kommt der stets beklagte Unterrichtsausfall.
All das führt dazu, dass auch die Volksschulordnung auf eine Regelung der "vorzeitigen Unterrichtsbeendigung" verzichtet. In Paragraph vier heißt es: "Die Schulen können selbstverständlich einen den Wetterbedingungen angepassten adäquaten Unterricht erteilen, der nicht den üblichen Unterrichtsformen in den Klassenzimmern entsprechen muss."

Soll heißen: Unterricht im Grünen, Umziehen in den Keller des Schulhauses oder ein etwas lockererer Unterricht. "Die Schulleitung muss dafür Sorge tragen, dass die Schüler keinen gesundheitlichen Schaden nehmen", sagt Barbara Pflaum. Wird hitzefrei gegeben, ist es laut Kultusministeriumssprecher Unger wichtig, "dass die Eltern wissen: Mein Kind steht nicht ab 13 Uhr auf der Straße." Damit das nicht passiert, empfiehlt das Kultusministerium den Schulleitern, die Eltern im Vorfeld zu informieren, falls demnächst mit Hitzefrei zu rechnen ist. Wer Betreuungsbedarf für sein Kind habe, könne sich dann sicher sein, dass dieser bis zum regulären Unterrichtsende gewährleistet werde, sagt Unger.

Schulamtsdirektorin Barbara Pflaum sagt in Bezug auf die jüngeren Grundschüler: "Der Schulleiter hat hier eine Erklärung der Eltern, in der geregelt ist, ob die Kinder gehen dürfen."
In diesem Papier kann zum Beispiel stehen, dass das Kind bei der Oma unterkommt oder zum Nachbarskind darf.
Kann ein Kind bei einem früheren Unterrichtsende außerschulisch nicht betreut werden, übernimmt dies die Schule - bis zum "planmäßigen Unterrichtsschluss", wie Barbara Pflaum erklärt.
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