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Bamberg
Sonderausstellung

Historisches Museum Bamberg: Kulturgeschichte trifft Plastikmüll

Ab Donnerstag, 21. Mai, widmet sich das Historische Museum Bamberg einem kuriosen Thema - "Tüte um Tüte" titelt die Schau in Kooperation mit dem Flussparadies Franken e.V.
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Ein Memory mit Motiven alter Bamberger Geschäfte lädt die Museumsbesucher zum Mitmachen ein.    Fotos: Marion Krüger-Hundrup
Ein Memory mit Motiven alter Bamberger Geschäfte lädt die Museumsbesucher zum Mitmachen ein. Fotos: Marion Krüger-Hundrup
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Mit gewollt ernster Miene, aber mit dem Schalk im Nacken entwirft Regina Hanemann flugs einen besonderen Werbeträger. Und zwar einen für den "Fränkischen Tag". Die Direktorin des Historischen Museums Bamberg strichelt - ganz fränkisch - das Kürzel "FD" auf's Papier. Gibt also eine Kostprobe davon, wie Kinder und jung Gebliebene an der Malstation ihre spezielle Tüte selbst gestalten können.

Schon verblüffend für ein sich selbst historisch nennendes Museum: diese Sonderausstellung "Tüte um Tüte", die ab Donnerstag, 21. Mai, zu sehen ist. Erstaunlich auch deshalb, weil gerade die Plastiktüte als Symbol unserer Konsumkultur umstritten ist. Und weil Tüten auf den ersten Blick so gar nichts mit herkömmlicher "Kultur" zu tun haben. Doch der Besucher dieser Schau wird eines Besseren belehrt: "Spitztüten aus Papier gibt es seit dem Spätmittelalter", taucht Regina Hanemann tief in die Geschichte dieser Objekte ein. Diese Geschichte wird erfahrbar in der Ausstellung, die Historikerin Johanna Blume kuratiert hat.

Der Kooperationspartner Flussparadies Franken e.V. ist darüber hinaus der Garant dafür, dass Kulturgeschichte auf die Umweltproblematik Plastikmüll trifft. Allerdings macht Museumschefin Hanemann klar, dass "wir das Müll-Thema nicht komplett reiten, sondern Plastiktüten auch als Schönheit ausstellen". Und das gelingt tatsächlich mit einer Vielfalt an Formen, Farben, Motiven, Grafiken, mit denen Geschäfte, Firmen, Branchen die Tüte als preiswerteste Werbefläche nutzen: "Es ist ein Irrglaube, dass Tüten in Massen ausgegeben wurden, weil Waren gekauft werden", so Hanemann. Im Gegenteil: "Waren wurden vermehrt gekauft, weil Tüten vorhanden waren." Und je größer die Tüten geworden seien, desto mehr werde auch gekauft, ergänzt Kuratorin Blume und zeigt auf die Plastiktüten gewisser Discounter.

Ein Wiedersehen mit Bamberger Geschäften, die schon lange nicht mehr existieren, ermöglicht ein eigener Schauraum mit entsprechenden Fotos und Tragetaschen. In einem anderen Raum prangen Tüten namhafter, internationaler Firmen als Prestigeobjekte in den Vitrinen. Und an den einzelnen Boxen des Marstalls flirrt es förmlich vor den Augen. So unwiderstehlich attraktiv präsentieren sich Tüten um Tüten, als Alternativen aber auch Taschen aus Baumwolle und Bioplastik. Die Objekte haben zwei Privatsammlerinnen zur Verfügung gestellt, die nicht genannt werden wollen.

Plastiktütenverbot, Recycling, Mikroplastikbestandteile im Wasser und in der Luft, Anstieg der Kunststoffproduktion. Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland an Plastiktüten: Themen, die im Historischen Museum als zeitgeschichtliche Fragen aufgegriffen werden. "Wir wollen zum Nachdenken anregen", sagt Regina Hanemann und findet natürlich die uneingeschränkte Zustimmung von Anne Schmitt, Geschäftsführerin des Vereins Flussparadies Franken.

Anne Schmitt hat mit weiteren Partnern ein facettenreiches Begleitprogramm erstellt, dessen mögliche Durchführung jedoch in einigen Punkten derzeit noch unklar ist aufgrund der Corona bedingten Beschränkungen.

Infobox

Die Ausstellung

- "Tüte um Tüte" ist im Historischen Museum Bamberg, Alte Hofhaltung, Domplatz 7, bis ins Jahr 2021 zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag, Sonntag und feiertags von 10 bis 17 Uhr.

- Aktuelles Begleitprogramm unter www.museum.bamberg.de < http://www.museum.bamberg.de