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Trinkwasser

Hirschaider Büsche: Vergleich nach mehr als 40 Jahren

Der Streit um das Wasserschutzgebiet in Strullendorf und Hirschaid wurde mit einer außergerichtlichen Einigung beigelegt
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Mehr als einmal war von einem "historischen Tag" die Rede. Und tatsächlich ist nun nach über 40 Jahren der Streit um das Wasserschutzgebiet Hirschaider Büsche, das vom Südrand Bambergs mit Zentrum in Strullendorf bis Hirschaid reicht, beigelegt. Als Konsequenz müssen die Stadtwerke Bamberg fünf ihrer 32 Flachbrunnen in dem Gebiet stilllegen. Im Gegenzug erhält die Gemeinde Strullendorf die Möglichkeit, ihr Gewerbegebiet über eine Südanbindung anzuschließen und damit auch eine Entlastung der Ortsdurchfahrt vom Schwerverkehr zu erreichen. Zudem ergeben sich in diesem Bereich neue Entwicklungsmöglichkeiten. Außerdem kann die Bahn den viergleisigen Ausbau des Streckenabschnitts wie geplant durchführen.

1976 fing alles an

In seinem Rückblick auf das Verfahren warnte Landrat Johann Kalb (CSU) zwar davor, das Adjektiv "historisch" inflationär zu gebrauchen, fand es aber in Anbetracht des räumlichen und vor allem zeitlichen Ausmaßes als durchaus angemessen. Bereits 1976 habe der Landkreis von der Regierung den Auftrag erhalten ein Schutzgebiet für diesen wichtigen Standort der Trinkwasserversorgung der Stadt Bamberg auszuweisen. Seit jener Zeit seien die Gebietsreform, die ICE-Planung und verschiedene Flurbereinigungsverfahren ins Land gegangen.

Nachdem sich unter anderem durch die genannten anderen Verfahren die Planungen für das Schutzgebiet immer wieder verzögerten, kam es erst im Jahr 2001 zur öffentlichen Auslegung des Entwurfs. Dieser sah eine Größe des Schutzgebiets von rund 4500 Hektar vor, etwa 5900 Grundstücke waren betroffen - das damals größte laufende wasserrechtliche Verfahren in ganz Bayern. Bedenken und Widersprüche waren entsprechend groß. Vonseiten betroffener Kommunen, Grundstückseigentümer, Landwirte, Gewerbetreibender, Privatpersonen und den sogenannten Trägern öffentlicher Belange hagelte es etwa 1600 Einwendungen und Stellungnahmen. Die Bearbeitung, für die der Landkreis vier verschiedene Arbeitskreise einrichtete, zog sich über Jahre hin.

Natürlich gehe der Schutz des Wassers als wichtigstem Lebensmittel vor, resümierte Kalb. Doch gelte es auch die erheblichen Einschränkungen für die Entwicklungsmöglichkeiten der Kommunen zu bedenken. So schaffe die Einigung nun zum Beispiel auch die Möglichkeit, eine Ortsumgehung für Hirschaid und Strullendorf mit Anbindung an die B 505 ins Auge zu fassen. Erst 2009 folgte ein Erörterungstermin in der heutigen Brose-Arena, 2011 erließ das Landratsamt schließlich die Schutzgebietsverordnung. Daraufhin entschlossen sich die Gemeinden Strullendorf und Hirschaid einige Privatpersonen sowie die DB Netz AG zu einer Normenkontrollklage beim Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Dort empfahl der zuständige Richter im März 2015 einen Vergleich zu schließen.

Nach weiterhin langwierigen und wohl auch zähen Verhandlungen unterzeichneten nun Landrat Kalb, die Bürgermeister Wolfgang Desel (Strullendorf/CSU) und Klaus Homann (Hirschaid/CSU), der Klägervertreter Rechtsanwalt Thomas Schönfeld und Dieter Thormann (Projektleiter DB Netz) sowie Sven Pienitz als kaufmännischer Leiter der Stadtwerke Bamberg den Vergleich.

Allseits zufriedene Gesichter

"Ich glaube es erst, wenn alle unterschrieben haben", hatte Desel nur Minuten zuvor, ironisch aber durchaus das lange zähe Ringen kennzeichnend, im Gespräch angemerkt. Mit dem Ergebnis zeigte er sich sehr zufrieden, auch wenn die Brücke, die für die Südanbindung gebaut werden soll, wohl größer dimensioniert sein muss, als es ihm gefallen würde. Auch sein Amtskollege Homann äußerte sich zufrieden. Hirschaid habe zwar schon 2012 das gewünschte erreicht, sich aber aus Solidarität der Klage angeschlossen.

Sichtlich erfreut über den Abschluss des Verfahrens, das ihn 18 Jahre lang bei der DB Netz begleitet habe, war auch Thormann. Nicht unzufrieden zeigte sich auch Stadtwerkevertreter Pienitz. "Wir können die qualitativ hohe Wasserversorgung für die Stadt und das Umland weiterhin sicherstellen", betonte er. Aus den Brunnen im Schutzgebiet förderten die Stadtwerke bislang etwa eine Million von insgesamt rund fünf Millionen Kubikmetern jährlich.

Die Stadt Bamberg, Nutznießer des Wasserschutzgebietes, hatte - zum leichten Unmut von Landrat Kalb - keinen offiziellen Vertreter zu der Unterzeichnung entsandt.

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