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Kirche

Herwig Gössl wird Bambergs 48. Weihbischof

Am Samstag wird der 47-jährige Herwig Gössl zum neuen Weihbischof in Bamberg geweiht. Weihbischöfe als enge Vertraute der Diözesanbischöfe gibt es in Bamberg nachweislich seit 1273. Im Artikel finden Sie alle Hintergründe zur Thematik und das Wappen des neuen Weihbischofs.
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Herwig Gössl segnet als Pfarrer Gläubige im Seebachgrund. Archivfoto
Herwig Gössl segnet als Pfarrer Gläubige im Seebachgrund. Archivfoto
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Sie waren beliebte Seelsorger, hochgebildete Wissenschaftler, fleißige Arbeiter, mitreißende Prediger, geschickte Diplomaten, fruchtbare Schriftsteller. In das Amt des Weihbischofs floss in den letzten 741 Jahren in Bamberg immer auch ein großes Stück der Persönlichkeit des jeweiligen Titelträgers ein. Aber eines verband sie alle: "Ein Weihbischof ist der erste und der vorrangige Mitarbeiter seines Diözesanbischofs und hat ihn in allen Entscheidungen und in allen Fragen der Pastoral zu beraten, ihm beizustehen und zu helfen - als bischöflicher Bruder", formuliert es Domdekan Hubert Schiepek in einem Buch, das die Geschichte der Bamberger Weihbischöfe in faszinierenden Lebensbildern erzählt. Gewidmet wurde die Publikation Weihbischof Werner Radspieler zu seiner Verabschiedung im Jahr 2013.

Sein Nachfolger Herwig Gössl trägt sich am heutigen Samstag als 48.
Weihbischof in eine Liste ein, die bis in das Jahr 1273 zurückreicht und von einem Bettelmönch aus dem Augustinerorden angeführt wird. Inzelerius heißt der Mann, von dem zum ersten Mal in Urkunden als Weihbischof von Bamberg die Rede ist. Doch er wirkte auch in anderen Diözesen, war tätig u.a. in Würzburg, Mainz, Konstanz oder Straßburg. "Er ist ein schönes Beispiel dafür, dass man damals sicher noch nicht von einem Weihbischof von Bamberg im heute üblichen exklusiven Sinn sprechen kann", erläutert Mitherausgeber und Domkapitular Norbert Jung, der die Amtsinhaber des Mittelalters - also vom 13. bis zum 15. Jahrhundert - deshalb auch als "Wanderbischöfe" bezeichnet. Die meisten seien Ordenspriester gewesen.

Es war viel zu tun in diesen Tagen: Die in den Hussitenkriegen zerstörten Gotteshäuser wurden aufgebaut und mussten wieder geweiht werden, ebenso die zahlreichen Kirchen, die in der sich ausbreitenden Stadt Nürnberg neu errichtet wurden. Residenzpflicht in der Domstadt hatten die Weihbischöfe damals übrigens nicht: Sie wohnten in Nürnberg, Kulmbach oder gar in Coburg, das zum Bistum Würzburg gehörte. Erst 1497 wurde das Amt mit der Bamberger Pfarrei St. Martin verbunden: "Das sicherte die wirtschaftliche Versorgung der Weihbischöfe, so dass nun auch Kandidaten aus bürgerlichen Familien berufen werden konnten. Eine neue Epoche brach an", so Norbert Jung.

In der Zeit der Reformation kam gerade den Weihbischöfen die Aufgabe zu, die religiösen Vorgaben bei der breiten Bevölkerung umzusetzen, nachdem die Fürstbischöfe und Domkapitulare aus Adelskreisen zumeist unzureichend theologisch ausgebildet waren. Als in Bamberg keine geeigneten Kandidaten mehr zur Verfügung standen, wurden auch Priester aus anderen Diözesen rekrutiert. Nach dem Tod von Weihbischof Friedrich Förner, der ein gefürchteter Hexenverfolger gewesen war und der 1630 starb, blieb das Amt bis zum Jahr 1705 unbesetzt.

In der Folgezeit führten die absolutistischen Fürstbischöfe das Hochstift durch den Bau prachtvoller Wallfahrtskirchen und Residenzen zu neuer Blüte; die geistliche Führung oblag den Weihbischöfen. Mit Friedrich Karl von Schönborn kam ein Regent an die Macht, dem auch die Ausbildung der Priester am Herzen lag. Er ließ in der Innenstadt ein Priesterseminar mit angeschlossenem Weihbischofhof errichten, in den als erster Franz Joseph Hahn 1738 einzog. Nach der Säkularisation 1803 wurde das Gebäude Wohn- und Geschäftshaus, seit 1928 nutzt es die Stadt als Rathaus.

Im 1818 neu formierten Erzbistum wurde 1823 Johann Friedrich Oesterreicher, der ehemalige Hofkaplan des letzten Bamberger Fürstbischofs, zum Weihbischof berufen, musste seine Geburtsstadt aber bereits nach zwei Jahren verlassen, da man ihn zum Bischof von Eichstätt ernannte. Erst 1853 wurde in Bamberg wieder ein neuer Weihbischof eingesetzt, um den 81-jährigen Erzbischof von Urban zu entlasten. Die Wahl fiel auf Generalvikar Michael Deinlein, einem Bauernsohn aus Hetzles im Landkreis Forchheim, der sein Amt antrat, wie es seinem Naturell entsprach: bescheiden, friedliebend und voller Arbeitseifer. "Der gute Hirte", wie er beim Volk hieß, spendete zwischen 1853 bis 1856 über 15000 Mal das Sakrament der Firmung. Doch auch Deinlein musste die Reise antreten und wurde 1856 Bischof von Augsburg. Zweieinhalb Jahre später kehrte er als neuer Erzbischof nach Bamberg zurück. Ohne einen Helfer an seiner Seite, denn zwischen 1856 und 1912 gab es in Bamberg erneut keinen Weihbischof.

Erst danach wurde der aus Döringstadt im Dekanat Lichtenfels stammende Adam Senger eingesetzt, der 1912 auch Wunschkandidat der Kirche für das Amt des Erzbischofs gewesen war, aber gegenüber Jakobus von Hauck auf Intervention der bayerischen Regierung das Nachsehen hatte. Senger oblag die Konzeption für den religiösen Wiederaufbau der Kirche nach dem Ersten Weltkrieg: "Sein Einfluss auf die Geschicke des Erzbistums kann nicht hoch genug eingeschätzt werden", notiert sein Biograf Andreas Hölscher, der Direktor des Diözesanarchivs. Senger ist der erste Weihbischof, der 1935 im Dom bestattet wurde. Sein Nachfolger wurde der aus Seßlach stammende Joseph Kolb, ein leutseliger Volksbischof, der engen Kontakt zu den Gläubigen suchte. Er amtierte bis 1943 und stieg dann zum Erzbischof von Bamberg auf. Ihm stand als neuer Weihbischof Artur Michael Landgraf bei, ein hoch gebildeter Schriftenkenner, der in Rom studiert und in Washington gelehrt hatte. Er verfasste mehrere, stark biografisch geprägte Romane und starb 1958.

"Allen alles werden" hieß der Wahlspruch seines Nachfolgers Johannes Lenhardt, einem engen Vertrauten von Erzbischof Josef Schneider, der ihn außerdem zum Generalvikar, zum Direktor des Allgemeinen Geistlichen Rates und zum Domdekan ernannte. Lenhardts Tod im April 1966, kurz nach der Rückkehr vom Zweiten Vatikanischen Konzil aus Rom, kam plötzlich und unerwartet. Zu seinem Nachfolger wurde 1967 Martin Wiesend ernannt - "völlig überraschend", wie er selbst häufiger betonte. In den 18 Jahren seiner Amtszeit suchte er stets die Nähe zu den Gläubigen: "Er konnte gut zuhören und tat sich leicht mit Menschen aller Schichten", notiert sein Biograf Domkapitular Hans Schieber. Martin Wiesend sei die zentrale Führungspersönlichkeit bei der Neugestaltung des Doms ab 1970 gewesen. Nach Vollendung seines 75. Lebensjahres reichte der Weihbischof sein Ruhestandsgesuch ein; er starb 2003 kurz vor seinem 93. Geburtstag.

27 Jahre lang - von 1986 bis 2013 - war Werner Radspieler Weihbischof und gehört damit zu den Amtsinhabern mit den längsten Dienstzeiten. "Rund 30 Firmungen jährlich, Kapellen- und Altarweihen, Jubiläen, Einkehrtage und Exerzitien führten ihn durch die ganze Erzdiözese", würdigt sein Biograf Klaus-Stefan Krieger. Den behinderten Menschen galt Radspielers besondere Fürsorge. Auch er bat mit 75 Jahren um die Versetzung in den Ruhestand. Am heutigen Samstag wird Radspieler seinen Nachfolger Herwig Gössl, zusammen mit Erzbischof Ludwig Schick und dem emeritierten Erzbischof Karl Braun, zum Bischof weihen.

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