Buttenheim
Kunstprojekt

Herman Reichold zu Gast in Grundschulen

Am 18. Januar wird im Levi Strauss-Museum die Pop-Art-Ausstellung von Herman Reichold eröffnet. Im Vorfeld besuchte der Künstler die Grundschule Buttenheim und die Hainschule Bamberg, um mit den Schülern zu malen.
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Zusammen mit Künstler Herman überlegen Julia (links) und Eva, was sie auf ihre T-Shirts malen wollen. Foto: Barbara Herbst
Zusammen mit Künstler Herman überlegen Julia (links) und Eva, was sie auf ihre T-Shirts malen wollen. Foto: Barbara Herbst
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"Hast du nicht gehört, was der Herman gesagt hat? Du darfst malen wie du magst!", erklärt Sebastian seiner Sitznachbarin Sina - die hatte sich nämlich gerade beklagt, dass sie gar keine schönen Hunde malen kann. Und siehe da: Wenige Minuten nach Sebastians aufmunternden Worten ist auch schon ein Hund auf Sinas Blatt zu sehen. Währenddessen widmet Sebastian sich weiter seinem eigenen Blatt, auf dem die Berge zunehmend Gestalt annehmen. "Der Papa wohnt halt in den Bergen und daher mag ich die", erklärt er achselzuckend, was ihm an diesem Motiv so wichtig ist.

Besonderer Gast

Der Anlass für die hohe Konzentration der beiden Viertklässler beim Malen war ein ganz besonderer: Künstler Herman Reichold stattete ihnen und 28 ihrer Mitschüler aus Ganztagesschule und Kunst-AG einen Besuch ab.
Bevor die Kinder allerdings selbst zu den Stiften griffen, gab ihnen der kreative Gast noch einen Vortrag zur Einführung - nämlich zu dem Thema, wann etwas zu Kunst wird.

"Gemalt ist schön. Kunst ist ergreifend", erklärte er direkt zum Einstieg. Gemeinsam mit den Kindern sammelte er dann verschiedene Künste (schließlich gibt es nicht nur Maler, sondern auch Sänger, Schauspieler und einige andere). "Wenn es eine Geschichte erzählt, wenn es mich zum Lachen oder Weinen bringt, wenn ich es nicht mehr aus den Augen verliere - dann ist es ein Kunstwerk", fasste Künstler Herman abschließend zusammen.

Persönliches Motiv

Nach der kurzen Einführung malten die Kinder gemeinsam mit dem bekannten Pop-Art Künstler. Genauere Vorgaben machte Künstler Herman ihnen dabei nicht. Sie sollten seinem Stil keineswegs nacheifern sondern ihren eigenen finden. "Es geht mehr um die Inhalte als um die Form", erklärte er dazu noch.

Auch in der Wahl des Inhaltes beziehungsweise in der Wahl ihrer Motive waren die Nachwuchs-Maler ziemlich frei. Sie sollten sich etwas überlegen, das sie der Welt sagen wollen. "Etwas das ihr persönlich in euch tragt", verdeutlichte Herman Reichold dies. Schließlich bekommt jedes Kind am Ende ein T-Shirt, auf das sein persönliches Werk gedruckt wird.

Obwohl der "künstlerische Berater", wie Reichold sich selbst bezeichnete, gleich zu Anfang betonte, dass die Kinder im Vergleich zu ihm "ja noch über 40 Jahre Zeit zum Üben" haben, ertönten im Klassenzimmer immer wieder "Künstler Herman"-Hilferufe. Denen kam der profilierte Pop-Maler natürlich auch nach.

Eigentlich ist er momentan wegen seiner Ausstellung im Buttenheimer Levi Strauss-Museum in der Gegend, im Zuge dieser Ausstellung bot Herman Reichold allerdings an, auch Schulen zu besuchen und gemeinsam mit den Kindern zu malen. "Bestimmt schon seit 15 Jahren", arbeitet Künstler Herman mit Kindern. Die Altersgruppen sind dabei ganz verschieden - mal sind es wie in Buttenheim und Bamberg Grundschüler, häufig aber auch 17- oder 18-Jährige.

Am Anfang stand die Levi's 501

Der Kontakt zwischen Herman Reichold und dem Levi Strauss- Museum entstand, als er den Buttenheimern vor ein paar Jahren eine Jeans überließ. "Eine Levi‘s Jeans 501, der Klassiker. Er hat etwas drauf gemalt und sie signiert", erzählt Museumsleiterin Tanja Roppelt. Die Bilder und Grafiken von Reicholds Ausstellung im Levi Strauss Museum, die ein weiteres Highlight der Kunstreihe "Art in B - Kunst in Buttenheim" darstellt, wurden natürlich auch nicht wie sonst auf Leinwand sondern auf Jeansstoff angefertigt.

Reicholds Werke sind besonders durch die für ihn typischen Ecken und Kanten unverwechselbar. "Man sagt mir heute ich bin durch das Eckige unverkennbar", erzählte er auch den Kindern, die von ihm einen kurzen Einblick in seine künstlerische Entwicklung bekamen. Meist nehmen die Bilder des Pop-Art Künstlers das alltägliche Leben aufs Korn. Bei Herman Reichold wird auf jeden Fall nur Schönes gemalt, wie er den Kindern in Buttenheim selbst verkündete.

Kunst auf der Tüte

Ortswechsel: In der Bamberger Hainschule kommt heute Kunst nicht in, sondern auf die Tüte. "Damit könnt ihr das, was ihr der Welt schon immer einmal sagen wolltet, in die Welt tragen", sagt Herman Reichold den gespannten Erstklässern.

Auf Annas Exemplar prangt nach kurzer Zeit in blauer Schrift der Slogan "Schützt die Wale!". Darunter hat die bald Siebenjährige ein blaues Meer gemalt, ein großer Wal schwimmt darin. Anna betrachtet ihr Werk. Sie überlegt. Dann greift sie zu einem rosafarbenen Filzstift und schreibt dazu: "Und schützt die Katzen." Fertig. Jetzt ist sie mit ihrem Werk zufrieden. Jetzt kann sie ihre Tüte zeigen - und sogar signieren lassen.

So ein Autogramm von einem echten und bekannten Künstler bekommt man ja nicht alle Tage. Und wie Anna denken wohl auch ihre Klassenkameraden aus der 1 a und 1b der Bamberger Hainschule. Vor dem Lehrertisch hat sich schon eine lange Schlange gebildet. Alle Kinder wollen, dass der Mann aus Paderborn seinen Namen auf das eigene Kunstwerk schreibt.

Am Ende steht eine kunterbunte Tüten-Parade im Klassenzimmer. Die Botschaften darauf sind so unterschiedlich wie die Gemälde - und ihre Künstler: Stella will, dass man Tiere aus dem Tierheim holt. Thilo findet, dass Autos doof sind, weil sie so viele Abgase produzieren. Fahrradfahren sei viel umweltfreundlicher! Und Magdalena meint, man sollte einfach friedlicher miteinander umgehen. Dann wäre die Welt viel schöner. Das durchgestrichene Gewehr auf ihrer Tüte spricht eine ziemlich eindeutige Sprache...

Der Gong zur Pause ertönt. "Meine Tüte nehme ich mit nach Hause", sagt Jule und lacht. "Dann gehe ich damit gleich einkaufen."

Bis es soweit ist, muss sich die junge Malerin aber noch etwas gedulden. Denn erst einmal werden die kleinen Kunstwerke mit ihren großen Botschaften in der Hainschule ausgestellt. Ganz wie die Werke des Künstlers Herman!

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