Bamberg
Auftritt

Herbert Blomstedt schenkt Bamberg einen magischen Abend

Wie der Ehrendirigent der Bamberger Symphoniker Orchester und Zuhörer mit Werken von Berwald und Berlioz in Bann zieht.
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Umjubelter Ehrendirigent: Herbert BlomstedtFoto: Jochen Berger
Umjubelter Ehrendirigent: Herbert BlomstedtFoto: Jochen Berger
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Heftiger Applaus brandet auf, bevor die ersten Töne erklungen sind. Doch mit dieser Art von herzlich gemeinten Vorschuss-Lorbeeren hält sich Herbert Blomstedt nicht lange auf. Eine kurze, beinahe eilig wirkende Verbeugung - dann widmet sich der Ehrendirigent der Bamberger Symphoniker mit hellwacher Akribie einem seiner Lieblingskomponisten: Franz Berwald.

Konzerte mit Herbert Blomstedt, das wird gleich zu Beginn deutlich, sind Feiertage für das Orchester und das Publikum in der Domstadt. Wenn der inzwischen 91-jährige Ehrendirigent am Pult der Bamberger Symphoniker steht, sind in der Konzerthalle an der Regnitz magische Momente fast schon garantiert. Und dies nicht etwa, weil der schwedische Maestro seine Auftritte zelebrieren würde, sondern weil er auf eine schwer zu beschreibende Art und Weise gleichsam hinter den Werken, die er dirigiert, zurücktritt und nur die Musik sprechen lässt.

Bravo-Rufe

Das beginnt bei diesem Gastspiel an der Regnitz schon bei der Programmauswahl, die auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt, bei genauerer Betrachtung aber viele interessante Perspektiven eröffnet. Franz Berwald und Hector Berlioz - diese beiden Komponisten scheint zunächst wenig zu verbinden außer den sehr ähnlichen Lebensdaten. Und doch lassen sich zwischen dem in Deutschland noch immer wenig bekannten schwedischen Romantiker und dem französischen Orchesterklang-Revolutionär manche Zusammenhänge entdecken. Schließlich rangen beide Komponisten zu Lebzeiten lange vergeblich um die verdiente Anerkennung.

Vor allem aber entwickelten beide bei genauer Betrachtung einen ganz unverwechselbaren eigenen Stil. Das wird zum Auftakt bei Berwalds Symphonie singulière deutlich. Ganz selbstverständlich gelingt es Blomstedt, hinter den durchaus spürbaren Mendelssohn-Anklängen Berwalds kompositorische Handschrift hörbar werden zu lassen. Prägnanz der melodischen Linien verbindet sich in seiner Deutung ganz natürlich mit fein abgemischten Klangfarben.

Klarheit in den Strukturen und einfühlsam differenzierter Ausdruck ergänzen sich im Spiel der Bamberger Symphoniker.

Die 15 Jahre vor der Symphonie singulière von 1845 entstandene Symphonie fantastique von Berlioz tönt unter Blomstedts Leitung mit außergewöhnlicher Intensität und unbeirrbarer Präzision.

Dabei muss Blomstedt mit knappen, prägnanten Gesten diesen komponierten Fiebertraum von Hector Berlioz keineswegs äußerlich anheizen, um Orchester wie Zuhörer vom ersten bis zum letzten Takt gleichermaßen in Bann zu schlagen.

Stehende Ovationen und ausdauernde Bravo-Rufe am Ende eines großen Abends in der Konzerthalle an der Regnitz.

Radio-Tipp

Mitschnitt Der Bayerische Rundfunk sendet den Mitschnitt des Konzerts am 17. April um 20.05 Uhr auf BR-Klassik.red

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