Bamberg
Sicherheit

Helfer von "Freund und Helfer"

In Bamberg befindet sich das Präsidium der Bayerischen Bereitschaftspolizei. Dort laufen nicht nur die Fäden für Einsätze zusammen.
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Polizeihauptkommissar Benedikt Reinwald mit zwei Kopfbedeckungen aus Auslandseinsätzen. Fotos: Niklas Schmitt
Polizeihauptkommissar Benedikt Reinwald mit zwei Kopfbedeckungen aus Auslandseinsätzen. Fotos: Niklas Schmitt
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Man kommt an ihr nicht vorbei. Jeder hatte schon einmal - mal mehr, mal weniger erfreulich - Kontakt mit Polizeibeamten gehabt. Und die bayerische Polizei selbst kommt nicht an der Bereitschaftspolizei vorbei. Deren Bedeutung für sämtliche Beamte ist groß, denn sie ist nicht nur zur Unterstützung auf Bereitschaft bei Bundesligaspielen oder Demonstrationen abgestellt. Die Bereitschaftspolizei ist zuständig für Werbung neuer Beamten und deren Aus- wie Fortbildung der älteren, aber auch für die Ausstattung aller, denen man im Alltag begegnet.

So lag die Entscheidung, dass die bayerische Polizei seit August diesen Jahres Blau und ab Anfang nächsten Jahres eine neue Waffe trägt bei der Bereitschaftspolizei. Das Präsidium, der Kopf der insgesamt 16 Standorte, befindet sich, was auch viele Einheimische nicht wissen, seit 20 Jahren in Bamberg, gleitet wird es momentan von Polizeipräsident Wolfgang Sommer.

Die Aufgaben sind vielseitig, die Herausforderungen groß und die Verantwortung immens. Denn die Bereitschaftspolizei hat sich zu einer wichtigen Säule für die Sicherheit Bayerns entwickelt. Von den insgesamt etwa 33 000 Polizisten Bayerns gehören rund 8000 der Bereitschaftspolizei an. Mit steigender Tendenz: In den letzten 20 Jahren hat sich die Zahl der jährlich vereidigten Bereitschaftspolizisten von 750 auf 1750 mehr als verdoppelt. Die neue Werbestrategie mit viel Hip-Hop und Zeitlupe in Videos und frechen Sprüchen auf sympathisch schwitzenden Gesichtern scheint zu wirken. "Mit Sicherheit anders", so auch der Name der eigenen Werbe- und Karriere-Homepage, will sich die Polizei präsentieren.

Die Bereitschaftspolizei ist, um in ganz Bayern präsent zu sein, auf verschiedene Standorte verteilt. Die neun Einsatzhundertschaften, zwei Unterstützungskommandos und derzeit 27 Ausbildungsseminare sind an sieben Stellen untergebracht. Hinzu kommen ein Fortbildungsinstitut in Ainring, die Diensthundeschule in Herzogau, sowie weitere Standorte für die Hubschrauberstaffel und spezielle alpine oder marine Ausbildungen. Darunter fallen seit 2012 auch zwei Standorte zur intensiven Förderung von Spitzensportlern in der Polizei. Diese Standorte unterstehen der Koordination aus Bamberg.

Der Anklang des Militärischen darf aber nicht über die Ausrichtung der Bereitschaftspolizei hinwegtäuschen. "Professioneller Service ist einer unserer Grundgedanken", sagt Pressesprecher Herbert Gröschel und lässt die Bepo, wie er sie nennt, fast wie ein Dienstleistungsunternehmen klingen - die Bepo: der Sicherheitsfacharbeiter von nebenan. Das ist durchaus gewollt, denn die erste und wichtigste Aufgabe für sämtliche Beamten ist Deeskalation durch Kommunikation.

"Die Grundeinstellung des Bewerbers muss sein: Ich will den Menschen helfen." Das Ziel der Bepo ist Bürgernähe, auch wenn die Beamten Repräsentanten des Staates sind. Diesem Ziel sollen sämtliche Aufgabenfelder dienen. Die Bereitschaftspolizei übernimmt die Einstellung und Ausbildung neuer Anwärter für die gesamte Polizei Bayern, bildet sie persönlich und sportlich aus und weiter. Sie unterstützt bei Großeinsätzen sowie bei personalen Engpässen mancher Dienststellen. So betont Gröschel auch, dass sie eigentlich keine Bereitschaftspolizei seien, sondern eine Ausbildungs- und Einsatzpolizei, die immer im Dienst ist.

Härte hat zugenommen

Leicht wird das den Beamten oft nicht gemacht: Nicht die Angriffe auf Polizeibeamte habe zugenommen, sagt Gröschel, aber die Härte. Hooligans weichen auf untere Ligen aus, so dass dort eine größere Präsenz als in den letzten Jahren gezeigt werden muss. Aus dem Ruder laufende Proteste wie regelmäßig am 1. Mai in Berlin, beim G-20-Gipfel oder aktuell im Hambacher Forst, wozu auch die bayerische Bereitschaftspolizei zur Unterstützung hinzugezogen wurde, fordern die Beamten besonders heraus. Dazu gehören auch Auslandseinsätze wie etwa in Afghanistan oder auf dem Kosovo.

Daran erkennt man die Bandbreite, die die Polizei erfüllen muss. Sie soll nah am Bürger sein, deeskalierend wirken, aber wenn es einmal brenzlig wird, muss sie konsequent durchgreifen. Bei Großeinsätzen bekommt sie dabei auch Unterstützung aus Bamberg. Aus dem Lageraum, in den Hubschrauberbilder direkt übertragen werden, können Einsätze mitkoordiniert werden. Aber dennoch: "Das Gefährlichste sind nicht die Großeinsätze, besonders gefährlich bleiben die Einsätze im Streifendienst zu zweit."

Zwar ist laut Polizeipräsident Wolfgang Sommer das Wort die stärkste Waffe der Polizei - aber nicht die einzige. Hilft das nicht mehr, kommen zuerst Pfefferspray und dann Schlagstock zum Einsatz. Erst dann, erst, wenn kein Mittel mehr hilft, tritt ein, was jeder Beamte vermeiden will: der Schusswaffengebrauch. Dass die Beamten nach fast 40 Jahren statt der alten P7, die nicht mehr hergestellt wird und für die langsam die Ersatzteile ausgehen, eine Heckler & Koch SFP9 zur Verfügung haben, liegt an der aus Bamberg geleiteten "Projektgruppe Neue Dienstwaffe".

Neue Dienstwaffen

Gestartet wurde diese 2016 und dass die Dienstwaffen Anfang 2020 komplett ausgetauscht sein sollen, war ein straffer Plan, der aber aufging. Die Kriterien für die Auswahl aus letztlich vier Angeboten setzten sich ebenso aus rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Bedingungen zusammen, die ein Budget von knapp 30 Millionen Euro vorsahen, wie aus technischen Anforderungen sowie den Wünschen und Erfahrungen der Beamten. Über 1000 Polizisten haben die Waffe im Vorfeld getestet. Am Ende mussten die Leistung, die Technik und der Preis passen, wie Florian Koch, Leiter der Projektstelle, sagt.

Zudem hat jeder Beamte die Möglichkeit, durch eigens eingerichtete Kommunikationskanäle Lob und Kritik loszuwerden. Diese Transparenz ist wichtig, wenn man nicht über Köpfe hinweg entscheiden will. "Die Realität hat uns Recht gegeben", fasst Koch den bisherigen Erfolg zusammen. Und bald wird die neue Pistole Realität auf den Straßen Bayerns sein. Die im September losgegangene Ausbildung findet bereits auf dem neuen Modell statt und Ende kommenden Jahres, sollen alle Beamten mit ihr ausgestattet sein.

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