Bamberg
Bürgerversammlung

Heißer Herbst in Bamberg

In Bug brannten den Bürgern viele Themen auf den Nägeln. Verwaltung und Stadtrat bekommen noch ordentlich Futter für die folgende Monate.
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Bei den Bürgern herrscht in vielen Belangen Einigkeit. Fotos: Julian Megerle
Bei den Bürgern herrscht in vielen Belangen Einigkeit. Fotos: Julian Megerle
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So hatten sich einige den Abend wohl nicht vorgestellt: Zwischenrufe, kräftiger Applaus, klare Mehrheitsverhältnisse. Die Rede ist von der diesjährigen Bürgerversammlung der Stadt Bamberg, welche im "Buger Hof" stattfand. Gut 20 Anträge kamen von den mehr als 100 interessierten Bürgern, welche den Gastraum bis auf den letzten Platz füllten.

Nachdem Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) seine Redezeit nicht auf eine Viertelstunde begrenzen lassen wollte - den Antrag stellte Christian Hader, Bürgervereinsvorsitzender in Süd-West - ging's für knapp eine Stunde querbeet durch die Stadtpolitik. Bamberg wächst: 8000 frischgebackene Einwohner und 5000 neue sozialversicherungspflichtige Arbeitsstellen kamen in den vergangenen zehn Jahren hinzu. Dafür brauche es bezahlbaren Wohnraum aber auch höherpreisige Wohnungen, erklärt Starke. Das bedeutet auch, dass die Infrastruktur mitwachsen muss.

Mit dem Ochsenanger ist die erste städtische Kindertagesstätte im Anmarsch. Und der neue Bettenturm habe die Lage am Klinikum spürbar verbessert. "Wir haben Welterbe und Kultur erfolgreich miteinander verbunden", hält der OB fest. Und er ist stolz auf eine breites Kulturangebot, welches sich mit Symphonikern, Theaterbühnen und Großveranstaltungen wie dem Kontaktfestival oder dem Blues und Jazz-Festival, mit dem Angebot einer Großstadt Schritt halten könne.

Was die Haushaltskasse betrifft, stehe Bamberg gut da. Die Schulden wurden auf 25 Millionen Euro abgeschmolzen, schildert das Stadtoberhaupt. Es sei also durchaus Spielraum in den kommenden Haushaltsberatungen für neue Projekte da. Dennoch: "Wir haben dunkle Wolken am Horizont", mahnt Starke. Die Gewerbesteuer falle 20 Millionen Euro niedriger aus als im Vorjahr. Mit dem Wandel der Automobilbranche weg vom Verbrenner seien 20 000 Arbeitsplätze rund um Bamberg betroffen und der Oberbürgermeister verweist auf die kürzliche Ankündigung der Reifenherstellers Michelin das Werk in Hallstadt schließen zu müssen.

Verkehr als großes Thema

Als der OB E-Scooter als nur "einen kleinen Teil" einer modernisierten Verkehrspolitik in der Stadt aufgreift, müssen einige Menschen im Saal lachen. Die Stadt müsse bei Gebäudedämmung und Verkehr ihren Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Apropos Verkehr: Nach knapp einer Stunde Redezeit legten die Bürger ihre Anträge und Anfragen vor. Viele davon hatten einen Schwerpunkt, wie man in Zukunft von A nach B in Bamberg kommen will. Bei der Verengung in der Buger Hauptstraße unweit der Schule forderten die einen Metallbügel als Barrieren, damit Radler nicht über den breiten Gehweg abkürzen. Ein anderer Bürger meinte: "Die Verengung ist für die Katz, wenn man dazu motiviert vorher noch mal zu beschleunigen, um durch zu kommen." Sie soll also weg. Das Ordnungsamt schaut sich die Situation noch mal vor Ort an.

Ein anderes Thema, dass den Bugern auf den Nägeln brennt, ist die Bustaktung in die Stadt: "Ich verstehe ihre Zählmethode nicht!", kritisiert Manfred Drescher, Vorsitzender des Buger Bürgervereins, die Stadtwerke Bamberg. Momentan geht es nur jede Stunde ins Zentrum. Dabei sei laut Drescher der Bus regelmäßig voll. Dass der Bürgerverein aus der Zeitung erfahren musste, wie es mit der Stadtbuslinie nach Pettstadt weitergeht, hält er für eine gewisse Arroganz. "Wir haben keinen halbstündigen Takt angeboten", verteidigt sich Michael Fideldey. Der Geschäftsführer der Stadtwerke bietet Drescher die Einsichtnahme in die Fahrgastzählungen an. Auch bei der Umsetzung Buger Brücke bleibt der Bürgervereinsvorsitzende skeptisch, ob es 2020 wirklich dazu kommt.

Auch außerhalb Bugs ist die Straßennutzung ein heißes Thema. Vera Mamerow will, dass Sutte und Matern in einen sogenannten Shared Space, also den ebenen Ausbau der Straße für alle Verkehrsteilnehmer, umgebaut wird. Die Kunsthistorikerin sieht nicht nur einen historisch "hochsensiblen Bereich", den man schützen müsse. "Ich bin Mutter und schiebe einen Kinderwagen", hält sie fest, was bei engen Gehwegen und größer werdenden Autos schwierig sei. Ihr Antrag wird mit großer Mehrheit angenommen. Ebenso wie ein Antrag eines anderen Bürgers, das Knöcklein verkehrsberuhigt zu machen.

Es folgen weitere Anträge zur Einrichtung von Fahrradstraßen an Weide, Markusplatz und Markustraße und die Begrünung von Bushaltehäuschen, die laut Stadtverwaltung nicht im Besitz der Stadt sind. Beide Anträge wurden mit großer Mehrheit an den Stadtrat verwiesen, welcher sich in spätestens drei Monaten damit befassen muss.

Wunsch nach autofreier Innenstadt

Christian Irmisch vom VCD in Bamberg ging noch einen Schritt weiter: "Ich beantrage, dass der Stadtrat eine Arbeitsgruppe einsetzt, die ein Konzept zur Umsetzung einer autofreien Innenstadt bis ins Jahr 2023 entwickelt." Als der Moderator und Zweite Bürgermeister Christian Lange die 45 Stimmen für den Antrag und 38 Stimmen gegen den Antrag ausgezählt hatte, gab's Jubel im Saal. Vereinzelt war da auch Gegenwind: Mancher überlegte sich gar zu gehen.

Bei einem weiteren Antrag, den Parkstreifen entlang der Straße "Am Regnitzufer" zu Gunsten eines Fahrradweges aufzulösen, kochten die Gemüter hoch: "Was ist das für ein Kindergarten!" Eine Erwiderung folgte, die man aufgrund des Unmuts im Saal nicht verstand. "Dann baut halt eine Tiefgarage hin!", ruft ein anderer Bürger. Der Antrag wird mit 37 zu 45 Stimmen abgelehnt und die Mehrheit klopft euphorisch auf die Tische.

Klar ist: Verwaltung und Stadtrat bekommen noch ordentlich Futter für die folgende Monate. Ein Prüfauftrag, ob sich ein Kindergarten in Bug lohnen würde, ein sogenanntes "Parklet" mit Bänken und Pflanzen, dass am Gehwegrand zum Verweilen einladen soll, sowie ein zweistufiger Prozess zur Vermeidung von achtlos weggeschmissenen Zigarettenstummeln stehen auf der Wunschliste der Bürgerschaft. Der Wasserspeicher am Rothofhügel soll an einen anderen Ort. Und die Muna soll dauerhaft Landschaftsschutzgebiet und Wald bleiben. Und für Bug wäre ein Gemeindehaus schön. Das nach drei Stunden Veranstaltung der Antrag angenommen wurde, jedes halbe Jahr Bürgerversammlungen zu machen, wundert nicht.

"Ich fand's nicht toll. Es war recht grün. Aber sie haben eben gut mobilisiert", meint ein Mitglied des Bürgervereins Bug. Es hätten Leute entschieden, die nicht vor Ort betroffen seien. "Es war eine interessante Veranstaltung und eine tolle Möglichkeit sich als Bürgerin einzubringen", findet dagegen Leonie Pfadenhauer, die zum ersten Mal bei einer Bürgerversammlung dabei war.

Wenn dieser Abend der erste realistische Stimmungstest in Sachen Kommunalwahl war, dann könnte die Stadt noch ihr grünes Wunder erleben.

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