Handthal

Hauen und Stechen im Steigerwald-Streit

Der jüngst von mehreren Seiten gestartete Versuch, die Diskussion um einen möglichen Nationalpark im Steigerwald zu versachlichen, ist gescheitert. Sowohl die Gegner als auch die Befürworter eines Schutzgebietes geben sich unversöhnlicher als je zuvor.
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An sich eigentlich ganz friedlich: der Steigerwald. Foto: Ronald Rinklef
An sich eigentlich ganz friedlich: der Steigerwald. Foto: Ronald Rinklef
Heftig angegangen wird im Steigerwald-Streit jetzt das Landratsamt in Bamberg. Noch unter der Regie des damaligen Landrats Günther Denzler (CSU), der die Nationalpark-Idee forciert hat, wurde bei Ebrach ein 760 Hektar großes Waldschutzgebiet ausgewiesen.

Das, so Denzlers Idee, könnte die Keimzelle eines Nationalparks sein, jedenfalls aber die Grundlage für die Bewerbung um den Titel "Weltnaturerbe" für diesen Teil des Steigerwaldes mit vielen alten Buchen. Dieses Waldschutzgebiet wird aber wohl schon bald gefällt. Am Mittwoch hatte der Verein "Unser Steigerwald", der nach eigenen Angaben 15.000 bis 20.000 Bürger der Region vertritt, die keinen Nationalpark wollen, zu einer Informationsveranstaltung nach Handthal eingeladen.

Haus der Nachhaltigkeit
Dort wird am 12.
September das "Steigerwaldzentrum" eröffnet, ein "Haus der Nachhaltigkeit", in dem die Bayerischen Staatsforsten zeigen wollen, dass sich Forstwirtschaft und Naturschutz unter einen Hut bringen lassen, ohne ein Großschutzgebiet auszuweisen. Die Information geriet zu einer verbalen Konfrontation mit den Nationalpark-Befürwortern.

Der Vorsitzende des Vereins "Unser Steigerwald", Innenstaatssekretär Gerhard Eck (CSU) aus Donnersdorf, hatte den Vorsitzenden der CSU-Fraktion im Landtag, Thomas Kreuzer, um klare Worte zur jüngsten Entwicklung im Steigerwald gebeten. Kreuzer lieferte: Er bezeichnete das Vorgehen des Bamberger Ex-Landrats in Sachen Schutzgebiet als "rechtswidrig" und kündigte an, dass die CSU-Mehrheit im Landtag die Aufhebung des Ebracher Schutzgebietes durchsetzen wird. Mehr noch: Man werde Vorkehrungen treffen, dass "so etwas", sprich der "Alleingang eines Verwaltungsbeamten" in Sachen Naturschutz, "nie wieder vorkommt".

Viele Trittsteine
Die CSU will, dass die Staatsforsten als Hausherr im Steigerwald ihr Naturschutzkonzept ausbauen: Es sieht statt eines Bewirtschaftungsstopps viele ökologische "Trittsteine" vor, um die herum wie bisher Holz eingeschlagen werden darf.

Mit diesem Modell, so hat Eck verlauten lassen, könnte sich der Steigerwald als Weltnaturerbe bewerben. Solche Aussagen sind für die Nationalpark-Befürworter eine Finte. Der neue Verein "Nationalpark Nordsteigerwald" mutmaßt, dass Eck und Co. bewusst eine aussichtslose Bewerbung lancieren wollen, um das Thema Weltnaturerbe im Steigerwald für alle Zeiten zu begraben. Der Streit geht weiter.

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