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Bamberg
Licht-Objekte

Hauchdünn und leuchtend

Christiane Toewes Kunst sind filigrane kegel-, flaschen- oder becherförmige Porzellanwerke. In der Bamberger Hainstraße hat sie eine neue Werkstatt mit Brennofen und Schauraum bauen lassen.
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Auch die deutsche Porzellankönigin Marina Schraml aus Selb war Gast bei der Atelier-Eröffnung.  Fotos: Gerd Müller/privat
Auch die deutsche Porzellankönigin Marina Schraml aus Selb war Gast bei der Atelier-Eröffnung. Fotos: Gerd Müller/privat
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Der Hain ist um eine künstlerische Attraktion reicher: Die Porzellankünstlerin Christiane Toewe, hat hier am Samstag ihr neues Atelier eröffnet. Aus dem alten Werkstattgebäude in der Pfeuferstraße musste sie nach 18 Jahren ausziehen, weil die Stadt auf dem Grundstück Baurechte für vier Mehrfamilienhäuser ausgewiesen hat.
"Ach wäre ich doch Goldschmiedin", klagte Christiane Toewe noch kurz vor ihrem Umzug angesichts der vielen zerbrechlichen Kunstwerke, die von einem zum anderen Ort gebracht werden mussten.

Zum Glück ist sie das nicht. "Denn dann hätte Bamberg auf eine hervorragende Porzellankünstlerin verzichten müssen", betonte Bürgermeister Werner Hipelius bei der Eröffnung. Schließlich sei Toewes Kunst gar das zeitgenössische Pendant zur barocken Sammlung Ludwig mit Straßburger Fayencen und Meißener Porzellan im Alten Rathaus.


Viele Freunde und auch die Nachbarschaft, die den Baulärm in den vergangenen Monaten geduldig ertrug, feierten zu Geigen-Klängen von Béla Bartók von Valerie Rubin und Martin Thimpus mit der Künstlerin die Eröffnung des Anbaus hinter dem Wohnhaus der Familie Toewe. Und sogar die deutsche Porzellankönigin Marina Schraml aus Selb alias "Marina I" gratulierte in weißem Kleid und mit Porzellan-Diadem.

Als Toewe erfuhr, dass sie ihr altes Atelier verlassen muss, stellte sich sie Suche nach einem neuen als kein leichtes Unterfangen heraus. Sie suchte vergeblich in der Stadt nach einem Raum, der allen Vorgaben gerecht wurde, die eine Porzellan-Werkstatt erfüllen muss.

Brennofen wiegt 1,5 Tonnen

Ein "Klotz am Bein" von Christiane Toewe, wie Hipelius es nennt, war ihr 1,5 Tonnen schwerer Brennofen. Man brauchte also einen Raum, der das Gewicht aushält und zu den Nachbarn einen bestimmten Abstand hat. Dazu kommt ein riesiger Gastank, der im Garten vergraben ist.

Nachdem sich ein solches Gebäude nicht finden ließ, beschloss sie, auf dem Privatgrund in der Hainstraße 57 eine neue Werkstatt bauen zu lassen, die alle Notwendigkeiten erfüllt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Auf 160 Quadratmetern auf zwei Ebenen kann sie nun ihrer Kreativität freien Lauf lassen. Der weiße Kubus, der direkt an das Privathaus angebaut wurde - die Form und genaue Lage wurde durch die Stadt vorgegeben -,wirkt durch die offenen Fensterfronten, die den Blick in den Garten freigeben, hell und leicht.

Oben die Werkstatt mit dem großen Ofen und einem massiven Arbeitstisch aus Holz. In Regalen werden Arbeitsgeräte, Rohformen und neueste Entwürfe gelagert. Hier steht auch eine Drehscheibe. "Diese benutze ich allerdings kaum, denn ich gieße meine Kunst", erklärt Toewe.

Ihre Kunst, das sind filigrane kegel-, flaschen- oder becherförmige Porzellanwerke, in hauchdünnem Porzellan, die, von innen durch Lämpchen erstrahlt, Licht- und Schattenmuster an Wände malen oder als geriffelte Vasen und Schalen für sich wirken. Durch das Licht werden die vielen Nuancen des Weiß erst sichtbar, ob im Schachbrettmuster oder in Kreisen.

Brenntemperatur: 1340 Grad

Gebrannt werden die Kunstobjekte bei 1340 Grad. Um die richtige Rezeptur für das extrem feine Porzellan zu finden, experimentierte Toewe ein Jahr lang mit unzähligen Brennvorgängen. Angeregt wurde sie dazu durch das dünnwandige Eierschalen-Porzellan. "Das war Liebe auf den ersten Blick. Dann stellte sie sich die Frage, wie solches Porzellan mit Licht reagiert und wie sie etwas Lichtdurchlässiges herstellen kann", erinnert sich ihr langjähriger Freund Richard Wientzek, der selbst Maler ist. Vorstellen könne man sich das wie bei einer Kathedrale, die durch möglichst viele Fenster Licht herein lassen soll - immer mit dem Risiko, dass alles in sich zusammenfällt.

Im unteren Geschoss des Neubaus, dem Showroom, sind die Licht-Objekte platziert. Wie von innen beleuchtete, ausgehöhlte Stalagmiten wirken die türmchenförmigen Kostbarkeiten, durch die das Licht glitzert. Eines neben dem anderen erleuchten sie den ganzen Raum mit einem wunderbar warmen Licht.

60 Mal umgezogen

Christiane Toewe, die auch erste Vorsitzende des Berufsverbandes Bildender Künstler Oberfrankens ist, ist in ihrem Leben viel herumgekommen: von Heidelberg, wo sie 1985 als 16-Jährige ihre Lehre begann, über Studienreisen nach Hongkong und China, dem Studienaustausch in England bis hin zur Biennale in Kairo.

Sechzig Mal sei Christiane Toewe in ihrem Leben bereits umgezogen, erzählt Richard Wientzek. Mit ihren neuen Atelierräumen hat Toewe sich nun hoffentlich eine Bleibe geschaffen, die ihr und ihrer Kunst ein dauerhaftes Zuhause bietet. Ein weiterer Umzug wäre kaum vorstellbar, schließlich ist sie keine Goldschmiedin. Und das ist auch gut so.

Ein Besuch im Atelier ist im Rahmen der Ateliertage Artur 16 am Wochenende möglich: Am Freitag ab 18 Uhr, am Samstag von 14 bis 18 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Regulär ist das Atelier von Dienstag bis Freitag, jeweils von 15 bis 18 Uhr, geöffnet. Um 17 Uhr steht immer frischer Tee bereit.

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