Zapfendorf
Vandalismus

Hat die Polizei nun den Richtigen im Visier?

Ende Oktober ist der Polizei jemand ins Visier geraten, der im Zusammenhang mit den "Aktionen" gebracht wird. Ist das der Volltreffer?
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Das gehörte zu den jüngsten "Aktionen" in Zapfendorf: Schmierereien an der Infotafel beim Waldkindergarten. Foto: Johannes Michel
Das gehörte zu den jüngsten "Aktionen" in Zapfendorf: Schmierereien an der Infotafel beim Waldkindergarten. Foto: Johannes Michel

"Da ist jemand halt a weng gestört im Geist", kommentiert ein Zapfendorfer die Vorkommnisse in der Marktgemeinde. Vorkommnisse sind die Dinge, die seit eineinhalb Jahren den Ort in Atem halten und von der Verschmutzung öffentlicher Einrichtungen mit Tierexkrementen über abgesägte Bäume bis hin zu Bombenattrappen unter der Autobahn und am Bahngelände reichen.

"Es ist für mich völlig unverständlich, dass man so einen Unsinn machen kann", erbost sich Zapfendorfs Altbürgermeister Josef Martin. Er selbst passe schon auf, wenn er unterwegs ist, ob er nicht irgendetwas Verdächtiges oder Auffälliges wahrnehme. Ein "normaler Mensch" könne solche Dinge nicht machen, findet Martin. Es werde allerhöchste Zeit, dass der Verantwortliche außer Gefecht gesetzt werde. "Damit wieder Ruhe einkehrt", schließlich leide der ganze Ort darunter.

"Man fühlt sich nicht mehr sicher," meint eine 58-Jährige. Neben der Verunsicherung verspürt sie aber auch eine deutliche Verärgerung und fragt: "Wer zahlt denn die Rieseneinsätze?" Zusammen mit einer Bekannten erbost sie sich über die Zerstörungen und Beschmutzungen am neuen Bahnhof. Im Übrigen habe es Derartiges in Zapfendorf noch nicht gegeben. Gehört haben die Beiden, dass im Zusammenhang mit den Vorkommnissen ein Einheimischer von der Polizei mitgenommen worden sein soll.

Das bestätigt auch eine Dame aus dem örtlichen Einzelhandel. Erzählt werde viel, meint sie, auch "dass einer eingesperrt wurde". Freilich wisse sie nicht, ob das stimme. Sie selbst mache sich auch so ihre Gedanken, aber im Geschäftsbereich müsse man vorsichtig sein. Eines sagt sie dann aber schon: "Viele haben Angst."

Ein bisschen anders wird die Lage in einer der örtlichen Bäckereiverkaufsstellen geschildert: Im Moment werde "nicht mehr großartig darüber geredet". Aber nach jedem Vorfall hingegen schon.

Hautnah bekommt das als Erster freilich immer Zapfendorfs Bürgermeister Volker Dittrich (AfZ) mit. Er ist genervt und wütend. Den Volkstrauertag, so hebt er hervor, habe er für einen eindringlichen Appell am Kriegerdenkmal genutzt. "Ich habe versucht, ins Gewissen zu reden."

Und Dittrich hat die Sinnlosigkeit des Tuns in den Vordergrund gestellt. Wenn der oder die Täter gefasst würden, müssten sie sich vor allen (Zapfendorfern) verantworten. "Die Leute haben völliges Unverständnis für die Taten" und mittlerweile auch einen Zorn entwickelt. Wohl auch, weil selbst vor Einrichtungen wie dem Waldkindergarten nicht zurückgeschreckt wird. Die wurde zuletzt mit Schriftzeichen heimgesucht: ein umgedrehtes Hakenkreuz und der Schriftzug "I will destroy you!"

Nicht gerade erbaulich für einen Gemeindechef. Die Vorkommnisse binden Einsatzkräfte von Polizei aber auch örtlicher Wehr und Verwaltung. Der Marktgemeinderat habe sich schon mehrfach damit befassen müssen.

In der jüngsten Sitzung habe die CSU, so lässt Dittrich weiter wissen, die von der Gemeinde für sachdienliche Hinweise ausgesetzte Belohnung von 1000 Euro um zusätzliche 500 Euro aufgestockt.

Auf FT-Nachfrage, was es mit der genannten Verhaftung auf sich hat, antwortet Volker Dittrich, dass seit Ende Oktober "jemand weg von der Straße" ist. Er bittet um Verständnis dafür, dass er aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mehr sagen könne. Nur so viel: "Die Ermittlungsbehörden befassen sich mit dem Thema."

Weitere Vorfälle

Allerdings erwähnt Dittrich auch, dass es bereits im November wieder Vorfälle und zwar am Bahnhof und die genannten am Waldkindergarten gegeben hat. Er selbst sei "wütend, traurig und enttäuscht" in Bezug auf die Geschehnisse in Zapfendorf, die er als Tyrannisierung bezeichnet, und dass es "Menschen gibt, die so was machen."

Dittrich hoffe dennoch, dass seine Botschaft vom Volkstrauertag verstanden wurde und es zu keinen weiteren Ereignissen mehr kommt. Die Bevölkerung bittet er dennoch weiter um Aufmerksamkeit und dass sie die Polizei verständigt, wenn man "Eindeutiges" wahrnimmt.

Was sagt die Polizei zu der Sache mit der "Verhaftung"? Der FT hat bei der Pressestelle des Präsidiums in Bayreuth nachgefragt. Pressesprecher Jürgen Stadter dazu: "Im Zuge der Ermittlungen der Kriminalpolizei Bamberg geriet Ende Oktober ein Tatverdächtiger ins Visier der Ermittler. In diesem Zusammenhang stehen aktuell noch kriminalpolizeiliche Untersuchungsergebnisses aus." Weitere Angaben könnten aus ermittlungstaktischen Gründen nicht gemacht werden.

Kommentar:

Den Bogen überspannt

Sie können einem schon leid tun, die Zapfendorfer und die ermittelnden Beamten. Da ist jemand, der den Ort seit Monaten tyrannisiert. Eine Einzelperson? Eine Gruppe? Eine Kombination aus beidem? Trittbrettfahrer? Man darf vermuten, dass die Ermittlungen in alle Richtungen gehen.

Leider leben wir in Zeiten, in denen Terrorismus und Anschläge zusammen mit Drohungen nicht mehr nur aus den Nachrichten bekannte Phänomene sind, sondern mittlerweile die Angst davor auch in der Bevölkerung hierzulande angekommen ist.

Von daher sind Bomberattrappen, sollten diese als solche deponiert worden sein, beileibe nicht mehr in die Kategorie schlechter Scherz einzuordnen, sondern werden absolut ernst genommen. Dass der Staat hier keinerlei "Spaß" mehr versteht, liegt auf der Hand. Gleiches gilt für dezidiert geäußerte Drohungen. Damit bleibt letztlich nur eine Folgerung: Entweder handelt es sich um Aktionen kranker und damit hilfsbedürftiger Personen, oder um solche von gefährlichen und damit potenziell oder bereits kriminellen. Sollte jedoch weder das eine noch das andere zutreffen, müsste ein vernunftbegabtes Wesen verstehen, dass der Bogen nun überspannt ist.



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