Hallstadt
Sanierung

Hallstadts Problemlösung nun preisgekrönt

Den Bayerischen Denkmalpflegepreis hat Hallstadt für das Entlüftungskonzept bekommen, mit dessen Hilfe das sanierte Rathaus wieder genutzt werden kann.
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Die Sanierung des bereits sanierten, aber schadstoffbelasteten  und denkmalgeschützten  Hallstadter Rathauses bot jede Menge Herausforderungen.  Dank herausragender Ingenieurleistung kann es nun wieder genutzt werden. Dafür gab es einen Denkmalpflegepreis. Foto:  Schreiber
Die Sanierung des bereits sanierten, aber schadstoffbelasteten und denkmalgeschützten Hallstadter Rathauses bot jede Menge Herausforderungen. Dank herausragender Ingenieurleistung kann es nun wieder genutzt werden. Dafür gab es einen Denkmalpflegepreis. Foto: Schreiber
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Chlornaphtalin. Ein Begriff, den im Hallstadter Rathaus jeder kennt, jetzt zwar nicht mehr die Nase rümpft, zumindest aber unangenehme Erinnerungen hat. Chlorpnaphtalin , das sind die Spätfolgen der Rathaussanierung in den 50ern. Denn das historische, im 16. Jahrhundert erbaute und unter Denkmalschutz stehende Gebäude ist von einer aufwändigen Balkenkonstruktion geprägt. Diese sollte durch die in den 50ern aufgebrachten Holzschutzmittel weiter geschützt werden. Heute weiß man jedoch um die schädlichen Auswirkungen, sprich Ausdünstungen, eben Chlornaphtaline. Trotz der Belastung kann das Rathaus heute ohne Probleme für die hier gut 30 Beschäftigten genutzt werden, dank eines ausgeklügelten Entlüftungs- und Belüftungssystems. Dafür gibt es heuer den Bayerischen Denkmalpflegepreis.

Diesen Preis vergab die Bayerische Ingenieurekammer-Bau, zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege und nun zum sechsten Mal. Diesen Preis gibt es alle zwei Jahre. Heuer konkurrierten insgesamt 62 Bauwerke um jeweils Gold, Silber und Bronze bei öffentlichen Bauten und bei privaten. Der Bayerischen Ingenieurekammer-Bau gehören insgesamt 7000 Mitglieder an.

Das besondere Merkmal bei der Preisvergabe gilt herausragenden Ingenieurleistungen, die maßgeblich zum Erfolg von Sanierungen beigetragen haben, lässt die Kammer wissen. Diese Arbeit sei besonders wichtig, aber meistens weniger sichtbar als etwa Fassaden.

Wie der Erste Vizepräsident der Kammer, Dipl.-Ing. Michael Kordon, zitiert wird, sei die Sanierung denkmalgeschützter Gebäude die Königsdisziplin im Bereich Bauen im Bestand.

In Hallstadt, so Erster Bürgermeister Thomas Söder (CSU) war es besonders schwierig, denn das Gebäude war bis zum Jahr 2001 (für vier Millionen Euro) bereits generalsaniert, aber das Holzschutzproblem dabei nicht berücksichtigt worden. Das wurde erst nach einem Wasserschaden latent, das die Ausdünstungen der Schadstoffe erhöhte und neben Geruchsproblemen auch gesundheitliche nach sich zog.

Versicherungsfragen mussten geklärt, neue Konzepte erarbeitet, neue Brandschutzauflagen berücksichtigt werden. 2010 zog die Verwaltung aus, 2015 wurde mit der (1,6 Millionen teueren) erneuten Sanierung begonnen. Während die aufwändige Planungsphase gut zwei Jahre gedauert hatte, wurde die Bauphase in eineinhalb Jahren realisiert.

Fürs Bamberger Ingenieurbüro Ecoplan hatte Diplom-Ingenieur Ludwig Baumer zusammen mit den Mitarbeitern ein aufwändiges Konzept entwickelt: Man nutzt die Räume zwischen Balken und Fußböden, um hier mit Hilfe von Unterdruck Ausdünstungen abzusaugen und nach oben übers Dach abzuleiten. Gleichzeitig wird übers Dach in einem separaten Bereich Frischluft angesaugt und übers Treppenhaus dem Gebäude zugeführt, von hier strömt sie in alle Räume. Über die Wärmerückgewinnungsanlage wiederum wird der Abluft Wärme entzogen und der eingesogenen frischen Außenluft zugeleitet.

Dem Rathausbesucher feilich fallen bestenfalls Lüftungsschächte und ganz oben im Dach ein Luftauslass auf. Durch den wird die Frischluft ins Rathaus gebracht. Sollte Rauchauslösung erfolgen, schaltet die Abluft aus und Zuluft auf die höchste Stufe.

Dank des Systems bleibt das historische Gebäude nutzbar, an etlichen Stellen ist das alte Gebälk auch erlebbar.

So fühlt sich auch die Belegschaft wieder wohl. Kämmerer Markus Pflaum arbeitet seit 21 Jahr bei der Stadt und erinnert sich noch an Probleme: "Da war immer dieser Geruch, der ist jetzt weg und das Raumklima prima." Die gesundheitlichen Probleme der damals betroffenen Kollegen seien auch weg.

Das freut natürlich Bürgermeister Söder, ebenso wie der Preis. Es wird noch eine entsprechende Tafel angebracht. Künftig werden wohl Ingenieure sich die Lösungen anschauen. "Wir sind sehr stolz, dass die harte Arbeit nun so gewürdigt wird, auch die vielen Herausforderungen, die gemeistert wurden."



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