Bamberg

Haftstrafe für Drogenlieferanten

Ein 49-Jähriger aus dem Raum Frankfurt verkaufte kiloweise Marihuana an einen Psychologen und dessen Sohn in Bamberg weiter. Größere Mengen in besserer Qualität soll sich die dealende Familienbande dann in Spanien besorgt haben.
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Vor dem Landgericht geht es derzeit in mehreren Verfahren um größere Drogengeschäfte.Foto: S. Fößel
Vor dem Landgericht geht es derzeit in mehreren Verfahren um größere Drogengeschäfte.Foto: S. Fößel

Zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von fünf Jahren und acht Monaten hat das Landgericht Bamberg Aarian G. (Namen geändert) verurteilt. Er räumte ein, in fünf Fällen Marihuana und Haschisch in größeren Mengen weiterverkauft zu haben - sein Hauptabnehmer sei der Sohn des damals in Bamberg tätigen Therapeuten Erwin X. gewesen.

Diesen habe der 49-Jährige aus dem Raum Frankfurt 2012 während einer U-Haft in der JVA Bamberg kennengelernt - X. sei damals der Vergewaltigung verdächtigt, aber freigesprochen worden. Im Gefängnis habe sich eine Freundschaft entwickelt, in der der Psychologe bereits lebhaftes Interesse an Erwerb und Anbau von Marihuana gezeigt habe. In den Monaten nach der Entlassung habe X. immer vehementer gedrängt, dass ihm der Mann aus dem Raum Frankfurt Rauschgift in größerer Menge "für seinen Sohn" beschaffe. "Ich wollte mich nicht mehr mit solchen Dingen beschäftigen, aber irgendwann habe ich mich doch für ihn umgehört", sagt der damals unter Bewährung stehende Angeklagte. Als er aufgrund familiärer Probleme selbst wieder zum Cannabis-Konsumenten wird, lässt er sich von X. schließlich zur Drogenbeschaffung überreden. "Er wollte gleich ein, besser noch zwei Kilo Marihuana."

Zur ersten Übergabe (zwei Kilogramm) im Herbst 2016 in einer Raststätte nahe Frankfurt seien Erwin X. und sein Sohn Mike noch gemeinsam erschienen, zu den weiteren Deals ließ sich dann der Sohn meist von Freunden chauffieren. Aus der ersten Übergabe stammen auch 1,8 Kilogramm Marihuana, die 2016 in den Bamberger Praxisräumen des Psychologen gefunden wurden. Eine polizeiliche Durchsuchung fand damals wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs statt. Trotz des pikanten Fundes ging das illegale Familienunternehmen aber munter weiter. Aarian G. erhielt als Entlohnung für seine Dienste immer zehn Prozent der Marihuana-Menge für den Eigenbedarf. Er habe sich auch häufiger mit den beiden getroffen, ohne dass es um Drogen ging. So wollte Mike X. unter anderem, dass ihm der Frankfurter einen Führerschein aus dem EU-Ausland besorgt - unter Umgehung der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung. Zwischen Januar 2017 und Sommer 2018 sei es dann zu weiteren Übergaben von jeweils bis zu zwei Kilo Rauschgift gekommen. Allerdings beklagte sich der Sohn des Therapeuten über die schlechte Qualität des "Grases", wegen der er Schwierigkeiten mit seinen Kunden bekommen habe.

So habe sich Mike X. neue Quellen in Spanien gesucht und sei nahe Alicante fündig geworden. Seinen Frankfurter Vermittler lädt er zum Gespräch mit den Spaniern ein und als es zur ersten Lieferung von elf Kilo Marihuana (zum Preis von 40 000 Euro) kommt, werden diese für einige Tage bei dem 49-Jährigen gebunkert. Der ist danach raus aus den Drogengeschäften mit Familie X., denn der andere Zulieferer habe "größere Mengen in wesentlich größerer Qualität" geboten.

Mutter verwaltete Geld

Wie die Ermittlungen zum aktuellen Prozess gegen den Therapeuten in Gang kamen, konnte ein Kripo-Beamter erklären: Bei einem Patienten von X. waren knapp 70 Gramm Haschisch gefunden worden, er führte die Polizei zu dem in Bamberg und Sonneberg tätigen Psychologen. Die anschließende Telefonüberwachung brachte weitere Erkenntnisse, ab April 2019 kam es dann zu Festnahmen und Durchsuchungen. Der Ermittler beschrieb auch die Rolle von Mikes Mutter Vera X.: Sie habe das Geld verwaltet und sich um eine eigene Marihuana-Aufzucht im Landkreis Bamberg gekümmert. Bei ihr im Keller habe laut Kripo ein Koffer gestanden, in dem ein Teil des Rauschgifts deponiert wurde.

Bei Aarian G. fand die Polizei neben Marihuana, Haschisch und Extasy auch eines der mehrfach verschlüsselten Handys, mit dem die Drogengeschäfte abgewickelt wurden. Die dortigen Chats bedienten sich einer besonderen Sprache: "Ein Handy, mit dem man gute Fotos schießen kann, für Bayern" stand für die Kripo als Bestellung von einem Kilo Rauschgift.

In Fußschellen wurde ein Ex- Patient des Psychologen, der sich vom Cannabis-Konsumenten zum Lieferanten für Mike X. entwickelt hatte, in den Zeugenstand geführt. Er wurde in einem anderen Verfahren ebenso zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wie ein weiterer Drogenkurier aus Hessen.

Für G. brachte das von Verteidiger Jens Olof Breidert verlesene Geständnis Straferleichterung, fürs Gericht auch neue Erkenntnisse. So sei der Übergabeort meist Frankfurt und nicht Bamberg gewesen, die Einzelmengen kleiner als in der Anklage beschrieben. Der 49-Jährige bestritt einige Punkte, brachte aber ohne Not auch neue Vorwürfe ans Licht.

Das honorierte die Strafkammer mit einer Gesamtstrafe von "nur" fünf Jahren und acht Monaten. Zudem soll der Hesse in einer Entziehungsanstalt von der Sucht kuriert werden, die auch ihn wieder zum Drogenlieferanten werden ließ.

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