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Wohnen

Häuser im "Lagardecampus": Stadt Bamberg forciert den Wohnungsbau

In Bamberg-Ost werden ehemalige Stallungen zu Wohnungen umgebaut. Auch wenn 60 Sozialwohnungen entstehe, läutet das Projekt eine neue Preisrunde ein.
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Ehemalige Stallungen werden zu dreigeschossigen Wohnhäusern umfunktioniert. Bei den Stadthäusern sollen Durchgänge zur Zollnerstraße und vorspringende Gebäude-Kuben für Abwechslung und Privatheit sorgen.   Visualsierung: P&P
Ehemalige Stallungen werden zu dreigeschossigen Wohnhäusern umfunktioniert. Bei den Stadthäusern sollen Durchgänge zur Zollnerstraße und vorspringende Gebäude-Kuben für Abwechslung und Privatheit sorgen. Visualsierung: P&P
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Es war eine Zahl, die aufhorchen ließ. Im nach Wohnungen dürstenden Bamberg versprach Architekt Mathias Löhr von der P&P Gruppe Wohnraum im großen Stil. Exakt sind es 305 neue Appartements im nordwestlichen Teil der ehemaligen Lagardekaserne. Die ersten sollen im Oktober 2020 fertig sein. Was die Mehrheit im Konversionssenat gut fand: Die 305 Wohnungen vom Studentenappartement bis zur Fünf-Zimmereinheit, vom schicken Stadthaus bis zur geförderten Sozialwohnung passen die gründerzeitlichen Ziegelgebäude an heutige Bedürfnisse an, ohne ihre Geschichte zu verleugnen. Sie wecken Erwartungen auf ein bunt gemischtes urbanes Quartier. Auch einen klingenden Namen gibt es dafür bereits: Lagardecampus. Nur die Grünen stimmten an diesem Tag dagegen. Sie hätten sich mehr gestalterische Auswahl gewünscht.

Die vielen Menschen, die in Bamberg eine Wohnung suchen, werden zwei Mal hinschauen.Es gibt in ganz Bamberg derzeit kein Projekt mit noch mehr Einheiten. Und kaum ein schnelleres: Der Investor, der sich durch eine Aufzahlung über den von der Stadt geforderten Preis hinaus empfohlen hat, will im Frühling 2020 loslegen. Sympathien hat er sich im Konversionssenat auch dadurch erworben, dass er die ursprünglich genannte Zahl von 240 Wohnungen mit 305 noch einmal übertroffen hat. Zudem hält er sich an die Vorgaben von 21 Prozent an Sozialwohnungen, die gestaffelt nach Einkommen vergeben werden.

"Hier bleibt der Charakter erhalten, und es ist trotzdem modern. Ich finde, dass man sich auch in Bamberg-Ost mal was trauen sollte", sagte Anna Niedermaier (CSU). Gerade auch der markante Eckbau in der Weißenburgstraße, wo eine Bäckerei hinter weiten Glasfronten geplant ist, fand ihr Gefallen. Sie glaubt, dass der hohe Anteil von Wohnungen mit mehr Zimmern das Projekt vor allem bei jungen Familien interessant macht.

Ein Stockwerk mehr

Der Trick dabei: Um die Zahl der Wohnungen zu erhöhen und gleichzeitig den Erlös der Stadt aufzubessern, haben sich Stadtrat und Projektentwickler darauf geeinigt, die zweigeschossigen Bestandsbauten aufzustocken. Das zusätzliche Geschoss bringt es freilich mit sich, dass die Ziegelbauten teilweise neu aufgemauert und auch der Dachstuhl neu aufgerichtet werden müssen. Heinz Kuntke (SPD) sieht sich durch das Ergebnis bestätigt: "Bamberg-Ost wird aufgewertet. Es entsteht viel neuer Wohnraum und eine spannende Mischung zwischen Alt und Neu."

Freilich gab es nicht nur Zuspruch. Ursula Sowa von den Bamberger Grünen wollte sich mit den Ergebnissen nicht zufrieden geben: "Sie bauen hier nicht irgendwo, sondern in der Welterbestadt Bamberg. Wir sehen hier einen Entwurf, obwohl es tausend Möglichkeiten gäbe."

Doch ihrem Vorschlag, einen nachträglichen kleinen Wettbewerb unter einer Handvoll Architekturbüros auszuloben, widersprach OB Andreas Starke (SPD). Er hielt Sowa vor, dass das Ergebnis eines mehrstufigen Auswahlverfahrens mit ihrer eigenen Stimme zustande gekommen sei.

Rund 70 Prozent der entstehenden Einheiten will der Investor verkaufen, 30 Prozent sollen vermietet werden. Neben dem Ausbau der Stallungen verwandelt sich auch der alte US-Supermarkt, die so genannte PX-Halle, zum geschichtsträchtigen Wohngebäude. Ein auffälliger, etwas höherer Neubau am Eingang zum Kulturquartier soll mit viel Glas und Beton einen "markanten Eckstein" bilden, sagte P&P-Architekt Löhr.

Was kosten die neuen Wohnungen? Bei den Mieten wollte sich P&-P-Geschäftsführer Alexander Faust nicht in die Karten schauen lassen. Vergleichbar geförderte neue Mietwohnungen in der Gereuth sollen abbhängig vom Einkommen zwischen 5,50 und 7,50 Euro pro qm zu haben sein. Bei den Eigentumswohnungen ist die Marschrichtung klar: "Sie sollen zum Marktpreis verkauft werden. Die Wohnungen werden zwischen 4000 und 4600 Euro pro qm Wohnfläche kosten." Im Rathaus nennt man freilich selbst das sportlich angesichts der Qualitätsanforderungen.

4000 Euro pro Quadratmeter und mehr? Im Insel- und Berggebiet sind solche Größenordnungen bereits bekannt, im Osten läuten sie eine neue Preisrunde ein. Noch vor 20 Jahren waren sanierte Altbauwohnungen dort für unter 1800 Euro pro Quadratmeter zu haben. Klar ist, dass der hohe Anteil der Sozialwohnungen auch auf dem Teil der Wohnungen lastet, die frei verkauft werden. Heinz Kuntke (SPD) hält diese Art von Quersubventionierung jedoch für hinnehmbar. So würden sich auch gut betuchte Wohnungskäufer am Ziel bezahlbarer Mietwohnungen beteiligen.

Mit dem Projekt im Nordteil der ehemaligen Lagardekaserne forciert die Stadt den großflächigen Wohnungsbau im Bamberger Osten. Doch das ist erst der Anfang: Nahezu zeitgleich will die Volksbau GmbH im Süden des Campus 360 Wohnungen schaffen. Hier soll der Anteil an geförderten Wohnungen mit 70 Prozent deutlich höher liegen.

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