Hirschaid
Faschingsumzug

Häschaad nach dem tiefen Fall

Nur die Viehtreiber von der Kerwa haben nichts zu lachen. Winterlicher Almabtrieb führt zum Schwoof in die Jahnhalle.
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Hoch her, im wahrsten Sinn des Wortes, ging es beim Faschingszug in Hirschaid. Foto: Werner Baier
Hoch her, im wahrsten Sinn des Wortes, ging es beim Faschingszug in Hirschaid. Foto: Werner Baier
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Süßes und Saures oder Nieten in Form vom Konfetti: Es regnet zentnerweise auf das nach Tausenden zählende Publikum, das bei schönstem Winterwetter am Faschingssonntag den Weg des Gaudiwurms von der Schultheißenbrandstraße zur Jahnturnhalle säumt. Ganze Rollen von Luftschlangen fliegen herum, Hochprozentiges wird in Klopfer-Dosen verteilt und dazu schallt es unermüdlich "Häschaad Helau"!

Die meisten lassen sich von dem Frohsinn anstecken und schon bald brandet eine Stimmungswoge durch den ausnahmsweise verkehrsberuhigten Marktflecken. Grad so, dass die Kanalbrücke nicht ins Schwanken gerät!

Prinz Alexander I. und Ihre Lieblichkeit, Prinzessin Elena I., lassen sich huldigen. Sie werden gewissermaßen von einem Bagger durch den Markt geschaufelt, während Marktgraf Andreas der Schlundige an der Seite der liebreizenden Zeremonienmeisterin Romy Granata sowie des Zirkusdirektors Erwin der Krämige auf Schusters Rappen das närrische Spalier abschreiten.

Derweil macht der Gmaa Rood das, was er am besten kann: In trauter Runde hoch auf dem noch flotten, aber spartanischen Schuldenkarren das Sitzungsgeld unters Volk bringen. Oder wenigstens so tun als ob. Wir nähern uns der nächsten Kommunalwahl, der Gmaa Rood ist entsprechend stark präsent.

Schlumpfige, zipfelmützige Fußballmädchen, Frauen auf Pump, oder die aus Russland importierten Tonkosaken des Obst- und Gartenbauvereins Regnitzau, süße Früchtchen aus Altendorf, die Sieger der Herzen aus Seigendorf, zuckersüße Tanzmäuse als Räuber und Gendarmen, Zwerge beim Aufstand, mehr oder weniger grazile Tanz- und Ballettformationen, Blaskapellen-Maskerade - mit großem Einfallsreichtum beweisen die kunterbunt kostümierten Teilnehmer am Häschaadä Faschingsumzug, dass der Franke an sich kein Kind von Traurigkeit ist.

Am meisten amüsiert sich Hirschaid über das Unvermögen einer sonst wehrhaften Elite tüchtiger Löschkräfte, auf den Kerwäsbaam richtig aufzupassen. Dass zur schönen Kirchweihzeit das weithin sichtbare Symbol seine Nadelspitze verlor, das zieht unweigerlich Hohn und Spott nach sich. Zum Beispiel bräst der IGN-Stammtisch: "Unser Häschaad is a Traum - auch ganz ohne Kerwäsbaum!"

Viel tiefer als die Baumspitze stürzte im letzten Jahr ein Österreicher - im Überschallflug aus dem Himmel. Der ASV Sassanfahrt dreht den Spieß um: "Geht der Ball am Tor vorbei - fliegt er in die Sunna nei!" Die E + D-Fußballmädchen kündigen für den Fall beengter Platzverhältnisse an: "Selbst im All spieln wir mit dem Ball"! Eine ganze Armada von gelben Engeln könnte dabei behilflich sein. Selten sind so viele dienstbare Geister auf den Beinen wie in der Abordnung des MSC.

Vielleicht braucht man sie heuer als Friedensengel bei der Kerwa. Denn die Kirchweih 2012 steckt dem Partyvolk noch in den Knochen. Dass die Festbesucher von einer übereifrigen Security ("Austreiber!") wie Kühe vom Festplatz getrieben worden sind, das können die Kerwäsborschn und ihra Maadla den Veranstaltern so schnell nicht vergessen. So feiert denn auch der "Häschaadä Almabtrieb" fröhliche Urständ: "A jed's Viech muss naus!" Genau: Eine ganze Kuhherde mit Ochs und Esel und einem kugelrunden Schwan in der Mitte lässt sich nach dem Umzug draußen, in der Jahnhalle, vergattern. Zum Schwoof. Und die Sektjuriti bleibt gelassen.
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