Bamberg
Strafprozess

Haarscharf an Katastrophe vorbei

Ein 28-jähriger Bamberger lieferte sich eine halsbrecherische Verfolgungsjagd mit der Polizei, weil er in seinem Kofferraum Drogen transportierte.
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Ohne Rücksicht auf Verluste bahnte sich der Angeklagte seinen Weg durch die Straßen. Foto: Symbolbild: Frank Rumpenhorst/dpa
Ohne Rücksicht auf Verluste bahnte sich der Angeklagte seinen Weg durch die Straßen. Foto: Symbolbild: Frank Rumpenhorst/dpa

Es war eine wilde Verfolgungsjagd durch halb Unterfranken. Knapp 50 Kilometer lang hielt ein 28-jähriger Bamberger am 24. Mai die Polizei in Atem. Erst in Schwebheim im Landkreis Schweinfurt war die Raserei zu Ende. Ein falsches Fahrmanöver brachte den Mann zur Strecke. Er landete auf einer Verkehrsinsel und danach auf der Anklagebank des Amtsgerichtes Bamberg. Hier dauerte es nicht sehr lange, bis er für drei Jahre und acht Monate Freiheitsstrafe einfuhr.

Es ist Freitagabend kurz nach 19 Uhr. Auf der Autobahn A 3 in Richtung Nürnberg bei Wertheim fällt einer Zivilstreife ein Kleinwagen auf. Sie ruft ihre Kollegen im Dienstfahrzeug, die eine Kontrolle durchführen sollen. Man versucht, den Kleinwagen auf den Parkplatz Sandgraben zu lotsen. Doch der Fahrer spielt nicht mit. Schließlich hat er gerade vier Kilogramm Rauschgift im Kofferraum. Wenn die Verkehrspolizisten aus Aschaffenburg seinen Reservereifen sehen möchten, würden ihnen Haschisch-Platten und Marihuana-Blüten ins Auge fallen. Also gibt er Gas.

Mit 180 bis 220 Stundenkilometern versucht er zu entkommen. Dabei überholt er mehrere Lkws rechts, indem er den Standstreifen nutzt. Er wechselt ständig die Spur und zwingt dadurch seine Verfolger zur Vollbremsung. Das Blaulicht und das Martinshorn interessieren ihn nicht. Er habe eine Kräutermischung geraucht, so der Angeklagte später vor Gericht, der im Übrigen alles gesteht, woran er sich noch erinnern kann.

Dann gelingt es ihm, bei der Ausfahrt Kitzingen/Schwarzach auf die Bundesstraße B 22 in Richtung Volkach die Kurve zu kriegen. Mit 140 bis 190 Stundenkilometern ist er nur unwesentlich langsamer unterwegs als zuvor. Er nötigt entgegenkommende Verkehrsteilnehmer in den Straßengraben, überholt ohne sich umzusehen und lässt sich auch von roten Ampeln oder einsamen Radfahrern nicht aufhalten.

Hätte böse enden können

Einen Kreisverkehr in Volkach durchquert er mit 80 Sachen, dass selbst seine Verfolger staunen. Auf Fußgänger nimmt er auch in Gaibach, Stammheim, Hirschfeld und Heidenfeld keine Rücksicht. Kann er bei weit über 100 Stundenkilometern auch gar nicht. "Ich habe selten jemanden so rücksichtslos, ja brutal fahren sehen", so einer der Zeugen.

Als zwei Polizeistreifen inmitten der Ortschaft Heidenfeld eine Straßensperre errichten, kann er über einen Grünstreifen durchbrechen. "Was haben Sie sich denn dabei gedacht. Das hätte böse enden können", ärgerte sich der Vorsitzende Richter des Schöffengerichts Michael Herbst.

Die Streife der Polizei Schweinfurt aber bleibt ihm auf den Fersen. Die Beamten erleben dann in Röthlein eine Schrecksekunde, als eine Gruppe Teenager, zurück vom Einkauf in einem Discounter, versucht, die Straße zu überqueren. Nur ihre Geistesgegenwart bewahrt die Jugendlichen davor, vom Flüchtigen überrollt zu werden. "Es war haarscharf", so einer der Polizisten. "Er hatte nie vor, einen Menschen zu töten," erklärte sein Verteidiger Jochen Kaller aus Bamberg.

Das Ende kommt in Schwebheim, als der Angeklagte versucht, auf die Bundesstraße B 286 zu wechseln. Dabei ist er dann doch zu schnell und kommt ins Schleudern. Bei der anschließenden Kollision mit dem Polizeifahrzeug entstehen gerade einmal 742 Euro Schaden. Die beiden Beamten wurden leicht verletzt. Der Angeklagte musste mit einer schwerer Gehirnerschütterung ins Krankenhaus. Zuvor hatte es wie durch ein Wunder weder Menschen noch Material getroffen.

Neben der halsbrecherischen Raserei wurden dem Industriemechaniker noch seine Drogengeschäfte zum Verhängnis. Er hatte dem derzeit am Landgericht Bamberg angeklagten Therapeuten mit Haschisch und Marihuana in acht Fällen kiloweise Cannabisprodukte aus Duisburg geliefert. Der soll den Stoff dann an seine Patienten "verschrieben" und in zwei Praxen verteilt haben.

Da der Angeklagte selbst drogenabhängig ist, schlug der psychiatrische Sachverständige Christoph Mattern aus Bayreuth die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt vor. In dieser geschlossenen Einrichtung sind zwei Jahre Therapie vorgesehen. Damit sich eine solche Verfolgungsjagd nie mehr wiederholt. Denn dann könnte man weniger Glück haben, so dass Schwerverletzte und Tote die Folge wären.

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