Hallstadt

Gutachter prüft in Hallstadt alle Wasseranschlüsse

In Hallstadt gab es zuletzt immer wieder Probleme mit dem Trinkwasser. Nun wird das Leitungsnetz bis hinein in die Haushalte unter die Lupe genommen.
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Schon in einem einzelnen Haus gibt es zahlreiche Leitungen und Anschlüsse, die überprüft werden müssen (Symbolbild).privat
Schon in einem einzelnen Haus gibt es zahlreiche Leitungen und Anschlüsse, die überprüft werden müssen (Symbolbild).privat
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Drei Mal bereits mussten die Hallstadter in den vergangenen zweieinhalb Jahren ihr Trinkwasser abkochen. Bei Proben waren gesundheitsgefährdende Keime entdeckt worden. Nach dem letzten Befund im August galt das Abkochgebot einen Monat lang. Seither wird das Wasser immer noch leicht gechlort, denn die Ursache ist noch nicht gefunden und dem Gesundheitsamt ist das Risiko einer erneuten Verunreinigung zu groß. Als Aufsichtsbehörde hat es von der Stadt auch ein umfassendes Gefährdungsgutachten von der Stadt gefordert. Darum ist seit einigen Wochen in Hallstadt ein externer Gutachter unterwegs, der die Aufgabe hat, auch sämtliche Hausanschlüsse auf mögliche Gefahrenquellen zu überprüfen.

Denn klar ist bislang nur so viel: Das Fernwasser von der FWO kommt sauber in der Stadt an. Der Fehler muss also irgendwo im insgesamt rund 60 Kilometer langen Leitungsnetz Hallstadts liegen. Es könnte ein Leck sein, durch das verunreinigtes Oberflächenwasser ins Netz gelangt, es könnte aber eben auch Wasser sein, das aus maroden Hausanschlüssen mit Keimen belastet ins städtische Netz zurückfließt. "Wir haben ein sehr schwieriges Schadensbild", stellt Bürgermeister Thomas Söder (CSU) fest. Entsprechen kompliziert sei die Ursachenforschung.

Unklarheit über Hausbesuche

Etwa 2200 Abnahmestellen, die insgesamt rund 4000 Haushalte versorgen, zählt die Hallstadter Wasserversorgung. Eingrenzen lässt sich die Suche darin kaum, denn die bislang drei auffälligen Proben in den letzten Jahren seien an verschiedenen Messstellen im Stadtgebiet genommen worden. Einige Bewohner und Hausbesitzer sind nun dennoch überrascht, wenn sich der Gutachter bei ihnen anmeldet und dann nicht nur den Hauptanschluss, sondern sämtliche sanitären Anlagen anschaut und fotografiert. Und sie sind teils verunsichert, wenn ihnen danach Mängel aufgelistet werden.

"Darf der überhaupt in meiner Küche und meinem Bad rumschauen und fotografieren? Muss ich jetzt alles sofort erneuern lassen, was angeblich nicht in Ordnung ist?" Das sind Fragen, mit denen sich unter anderem Leser an den FT gewandt haben. Bürgermeister Söder gibt auf Nachfrage Entwarnung: "Wenn irgendwo ein gravierender Fehler gefunden wird, dann muss das selbstverständlich sofort in Ordnung gebracht werden. Das bekommen die Betroffen dann aber auch von der Stadt mitgeteilt." Für alle anderen gelte, dass die Befunde des Gutachters gesammelt und bewertet werden. Je nachdem, ob das Gefährdungspotenzial als hoch, mittel oder niedrig eingestuft würde, bekämen die Besitzer dann entsprechende Mitteilungen oder Aufforderungen, so Söder. Das könne zum Beispiel der schlichte Hinweis sein, bei einer geplanten Badsanierung oder der Erneuerung von Armaturen den aktuellen technischen Standard zu beachten.

Im Zweifel rückfragen

"Wenn etwas gemacht werden muss, dann kommt es schriftlich von der Stadt", stellt Söder klar und beruhigt davor, dass möglicherweise unseriöse Firmen oder Betrüger als Trittbrettfahrer aufspringen könnten. Deshalb habe man die Maßnahme im Vorfeld auch nicht forciert publik gemacht und nur im Mitteilungsblatt, nicht aber im Internet oder anderen Medien angekündigt.

Auch was den Zutritt betrifft, versichert der Bürgermeister, dass alles in Ordnung gehe. Das Betretungsrecht sei in der Wassersatzung geregelt. Außerdem würde der Gutachter durch die Stadt vorab einen Termin vereinbaren, der auf Wunsch natürlich auch geändert werden könne. Zudem könne der Gutachter sich ausweisen, werde meistens von einem Mitarbeiter der Verwaltung begleitet und habe ein vom Bürgermeister unterzeichnetes Schreiben dabei, betont Söder. Wichtig sei, dass man in Zweifelsfällen bei der Stadtverwaltung rückfragen könne.

Dass alles getan werden muss, um sauberes Trinkwasser zu bekommen, darin sind sich auch die verunsicherten Bürger, die sich bei ihrer Zeitung gemeldet haben, mit dem Bürgermeister einig. Die Stadt mache ihre Hausaufgaben, sagt Söder. So sei etwa der in die Jahre gekommene Hochbehälter vom Netz genommen worden und werde noch saniert. Zudem würden bei Bedarf auch Hydranten und Schieber ausgetauscht - oder, so wie jetzt im Zuge des Umbaus von Marktplatz und Lichtenfelser Straße, gleich die gesamte Rohrleitung.

Risiko minimieren

"Wir können aber nur versuchen, das Risiko zu minimieren. Eine 100-prozentige Garantie kann es aber nie und nirgendwo geben", schränkt Söder ein. Die Begutachtung der privaten Anschlüsse trage dazu bei, potenzielle Gefahrenquellen herauszufinden.

Erst wenn diese flächendeckend beseitigt seien, werde man auf die Chlorung wieder verzichten können und schauen, ob man auch wirklich die Wurzel des Übels erwischt hat. Letztlich sei dies eine Entscheidung des Gesundheitsamtes, das gerade beim Trinkwasser aufgrund strenger gesetzlicher Vorgaben kein Auge zudrücken könne.

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