Bamberg
ICE-Trasse

Güterzüge sollen Bamberg umfahren

Die Initiative Bahnsinn lässt mit einer neuen Forderung aufhorchen: Die Bahn soll eine komplette Güterzugumfahrung der Stadt prüfen. Der Charme dabei: Alle Güterzüge könnten dank Westverbindung draußen fahren.
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Infos rund um "Mauerbau" und Bahnlärm gibt die Bürgerinitiative "Bahnsinn"  am Samstag im DG.
Infos rund um "Mauerbau" und Bahnlärm gibt die Bürgerinitiative "Bahnsinn" am Samstag im DG.
Der Streit um die neue Bahntrasse durch Bamberg ist vor allem ein Streit um das kleinere Übel. Auf der einen Seite fordern Bürger, den ICE-Halt in Bamberg zu sichern. Doch den Preis für neue Güterzugkapazitäten in der Stadt, endlose Mauerfluchten wollen viele nicht bezahlen.

Auch die Ostumfahrung als kombiniertes Güter- und Personenzuggleis löst das Problem nicht ganz: Durch Bamberg werden auch dann Güterzug schlangen rumpeln, wenn es ein neues Gleis im Hauptsmoorwald neben dem Frankenschnellweg gibt. Es werden nur weniger. Denn die Strecke nach Würzburg muss ja weiter durch Bamberg angefahren werden.


Initiative Bahnsinn hat Lösungsvorschlag


In dieser buchstäblich festgefahrenen Situation sorgt die Initiative Bahnsinn für neue Bewegung, denn sie macht sich eine Idee zu eigen, die vor kurzem beim so genannten Lärmhearing der Stadt erstmals formuliert worden war: Wie wäre es, nur den Güterzugverkehr, unumstritten die Hauptlärmquelle für Bahnanrainer, aus der Stadt zu verbannen?

Voraussetzung für eine solche Lösung, wie sie auch bereits der Stadt Freiburg zu Gute kam, wäre neben der Güterstrecke im Osten eine Anbindung etwa entlang der Autobahn A 70, gewissermaßen die Westspange.
Ist eine solche Variante technisch und finanziell machbar? Eine Gruppe von Fachplanern innerhalb von "Bahnsinn", darunter Bahnexperte Armin Moritz, sagt ja.

Nachdem sich die Fachleute der Initiative in den letzten Tagen intensiv mit dieser Trasse beschäftigt haben, kommen sie zu dem Ergebnis, dass die Komplettumfahrung für Güterzüge Bamberg nicht nur das Lärmgespenst ersparen könnte, ohne den ICE-Halt und den Welterbetitel zu gefährden. Sie würde außerdem ein Verbindungsgleis zum Hafen ermöglichen, erhebliche Abstellflächen im Bahnhof frei geben, die jetzt noch von Güterzügen belegt werden, und wäre nach ihren Erkenntnissen deutlich billiger als die ursprüngliche Trassenvariante durch Bamberg.


Anforderungen sind niedriger


Die Argumente von "Bahnsinn" klingen vielversprechend. Im Unterschied zu einer gemeinsamen Neubaustrecke für Personen- und Güterzüge, sind die technischen Anforderungen an reine Güterzugstrecken erheblich geringer. Ohne Güterzüge in Bamberg könnte die Bahn auch die gestaffelten Mauerfluchten deutlich verkleinern. Moderner Lärmschutz würde möglicherweise genügen.

Doch müssten die Anwohner in Lichteneiche und Kramers feld dann nicht deutlich mehr Lärm fürchten? Bahnsinn macht Hoffnung, dass dem nicht so wäre. An den neuralgischen Punkten könnte eine tiefer gelegte oder gedeckte Trasse ausreichen, um den gesetzlich vorgeschriebenen Lärmschutz herzustellen, sagt Armin Moritz.
Abgeschlossen ist der Erkenntnisprozess über eine komplette Güterzugumfahrung natürlich noch nicht. Gleichwohl scheinen die möglichen Vorteile so interessant, dass "Bahnsinn" die Bahn beim ersten Treffen zum Projektbeirat am 15. November in jedem Fall in die Pflicht nehmen will. "Diese Variante muss geprüft werden", fordert Sprecher Robert Bartsch.

Eine Stellungnahme der Bahn zur Idee einer Herausnahme des Güterverkehrs aus Bamberg war am Dienstag nicht zu erhalten. "Jede Trassenvariante muss genau geprüft werden. Ziel der Bahn ist es, eine für beide Seiten einvernehmliche Lösung zu finden", sagte Bahnsprecher Frank Kniestedt.


Juristische Beratung


Wer mehr über die Details einer Güterzugumfahrung wissen will, zum Beispiel die mögliche Streckenführung, der kann am kommenden Samstag im Dientzenhofer-Gymnasium Informationen direkt aus Expertenmund erhalten. Die Trassenführung ist nur einer von vielen Programmpunkten, mit denen die Initiative Informationen rund um das Thema Bahnausbau anbietet. Auch juristische Hilfestellung für Anlieger und Bewohner soll es geben.

Interessant dürfte es sein, den Erfahrungen von Gästen aus dem Rheintal zu lauschen. Dort wurde vieles, was zur Zeit in Bamberg passiert, bereits durchlitten. Erstmals veröffentlicht werden auch die Ergebnisse einer Umfrage, an der 1600 Bürger mitgemacht haben. Die repräsentative Befragung zeigt, was den Bambergern am wichtigsten ist: moderner Lärmschutz, Bürgerbeteiligung und Weltkulturerbe-Status.

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