Bamberg
Literatur

Gruselige Geschichten am Schillerplatz in Bamberg

Mit gruseligen Geschichten von E.T.A. Hoffmann und Hans Christian Andersen setzt Andreas Ulich seine Lesereihe am Bamberger Schillerplatz fort. Im Mai gibt "Kater Murr" im E.T.A.-Hoffmann-Haus den Ton an.
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Hans Christian Andersen 1869. Bild: Thora Hallager/Andreas Ulich
Hans Christian Andersen 1869. Bild: Thora Hallager/Andreas Ulich
Da überlässt ein Mann sein Spiegelbild einer diabolischen Geliebten und gerät in Teufels Küche. Einen anderen bedroht der eigene Schatten, der immer größer und mächtiger wird, um zuletzt alles Gute zu verschlingen: Ja, das ist der Stoff, aus dem die Träume vieler Bamberger sind, die im E.T.A.-Hoffmann-Haus seit 2011 schaurig-schönen Geschichten des Komponisten, Zeichners, Kapellmeisters und Karikaturisten lauschen, den das Schicksal 1808 nach Franken verschlug.

Und etliche andere Literaten kommen am Schillerplatz 26 wieder zu Wort, wenn Andreas Ulichs Lesereihe am 7. März nach langer Winterpause neu startet: Auch Hans Christian Andersens düsteres Märchen um besagten Schatten, bei dem's garantiert kein "Happy End" gibt, präsentiert der Rezitator.

Groß ist nach wie vor das Interesse an Hoffmanns Werken, wie Ulich berichtet. "Gerade junge Leute kommen zu den Lesungen, wenn man die Schwellenangst niedrig hält - also auch die Leichtigkeit zeigt, mit denen der Autor ernste Themen umsetzte." Die beste Resonanz fänden natürlich Geschichten, die das Publikum amüsieren.

So würden sich viele auch vom schrägen Motto einer Veranstaltung verführen lassen. Eine Erfahrung, die Ulich erst im November beim Programm "Die Romantische Fliege - oder: Der Bräutigam auf dem Misthaufen" machte. Poesie und Prosa um den geflügelten Störenfried servierte der Schauspieler dem Publikum - mit Werken von Literaten wie Joseph von Eichendorff, Eduard Mörike, Heinrich Heine oder eben E.T.A. Hoffmann.

Aber zurück zum Frühjahrsprogramm, das am 7. März mit Hoffmanns Erzählung "Die Automate" startet. Um übers Geheimnis des "künstlichen Türken", der mit leiser Stimme orakelt, "Glaubensfragen" aufzuwerfen. Inwiefern lässt sich der moderne Mensch auf Scharlatane ein, die ihm in allen gesellschaftlichen Bereichen begegnen und das Blaue vom Himmel versprechen? Jeder kann aus Hoffmanns Anregungen eigene Schlüsse ziehen.

Übrigens schrieb das Multitalent seine "Automate" vor exakt zwei Jahrhunderten. "Immer wieder stößt man in den Geschichten des Romantikers auf die Frage, inwieweit der Mensch die Maschine und inwieweit die Maschine den Menschen beherrscht", meint Andreas Ulich. Das Streben nach Perfektion wird thematisiert. Dafür steht "Olimpia" als Protagonistin des "Sandmanns", der wohl bekanntesten Erzählung Hoffmanns. Eine automatisierte Puppe verbirgt sich hinter der Frau, die die Träume der Männerwelt spiegelt und zum Albtraum wird: "Olimpia hat keine Seele, ebensowenig wie Kunst oder Musik, die heute aus vorgefertigten Versatzstücken ohne den belebenden Funken entsteht und Menschen nicht wirklich berühren kann."


"Irritierende Geschichten"

Aus der Dunkelheit schält sich der "Schatten" Hans Christian Andersens am 12. April, um Bambergern Schauer über den Rücken zu jagen. Im Blickpunkt steht bei Ulichs zweiter Lesung aber auch "Das alte Haus" des wohl bekanntesten Literaten Dänemarks. Abgerissen wird das Gemäuer, das eine Seele hatte, die keiner sah oder erkennen wollte. "Beide Geschichten lassen eine Welt jenseits der altbekannten Realität erahnen." So würden Werke von Künstlern, Musikern oder eben Autoren zuweilen Türen in phantastische Welten öffnen, die Menschen normalerweise verschlossen blieben.


Selbstgefällige Samtpfote

Ab 3. Mai rückt endlich auch "Kater Murr" als "dichtender und philosophierender Philister aus dem Volk der Katzen" ins Rampenlicht. Die "Lebensansichten" der selbstgefälligen Samtpfote präsentiert Ulich pa-rallel zu einer Ausstellung, die sich mit dem satirischen Roman E.T.A. Hoffmanns befasst, der 1819 und 1821 erschien.

Themen der Lesereihe:

7. März: E.T.A. Hoffmann: "Die Automate" - Welches Geheimnis umweht den "künstlichen Türken", der jede Frage beantworten kann?

12. April: Hans Christian Andersen: "Der Schatten", "Das alte Haus" - Zwei irritierende Geschichten des großen dänischen Erzählers.

3. Mai: E.T.A. Hoffmanns "Lebensansichten des Katers Murr": Gefühle des Daseins - Die Monate der Jugend (ein aufgeweckter Kater entdeckt in dieser Zeit Wissenschaft und Literatur)

17. Mai: Kater Murr (Teil II): Lebenserfahrungen des Jünglings - Auch ich war in Arkadien - Der wohl berühmteste Kater der Weltliteratur kommt in die Pubertät.

24. Mai: Kater Murr (Teil III): Die Lehrmonate - Launisches Spiel des Zufalls - Murr mausert sich vom trägen Philister-Kater zum Katz-Burschen
31. Mai: Kater Murr (Teil IV): Erspriessliche Folgen höherer Kultur - Die reiferen Monate des Mannes - Murr gerät als galanter Kater in eine Hunde-Soiree und verliebt sich dort in ein Windspiel

Lesungsbeginn Alle Veranstaltungen im E.T.A.-Hoffmann-Haus, Schillerplatz 26, beginnen um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Im Netz gibt's das gesamte Programm bis Mitte August unter www.ulich-wortkunst.de
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