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Bamberg
Historische Führung

Gruselführungen um den Domberg in Bamberg

Wussten Sie von den Gräbern unter dem Pflaster des Dombergs? Kennen sie all die guten und bösen Geister, die die Geschichte der Domstadt begleiten? Christian Erik Berkenkamp öffnet eine Tür in Bambergs gruselige Vergangenheit.
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Christian Erik Berkenkamp führte Interessenten durchs nächtliche Bamberg. Foto: Barbara Herbst
Christian Erik Berkenkamp führte Interessenten durchs nächtliche Bamberg. Foto: Barbara Herbst
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Fahl-grünes Licht umgibt den Dom. Sprühregen setzt ein, taucht den dunklen Abendhimmel in Nebel. Die Turmglocke schlägt den Zeittakt. Die Geisterstunde beginnt.

"Unter dem Pflaster liegt das Grab, über dem Pflaster schwebt die Weiße Frau, auf dem Pflaster laufen wir", stimmt Christian Erik Berkenkamp die Schar an der Adamspforte ein. "Nachtgeister" lautet die Gruselführung des Geschichtenerzählers rund um den Domberg.


Verstorbenem Vater begegnet

"Ich habe mir extra ein Kreuz umgehängt, um mich zu schützen", raunt Ursula Block aus Erlangen, die ihrer Freundin Birgit Herrmann diese Führung zum Geburtstag geschenkt hat. Die beiden Frauen rücken etwas näher zusammen: Berkenkamp spricht von knorrigen Händen, die aus Gräbern ragen und die Lebenden zu sich hinunterziehen. Da läuft es einem eiskalt den Rücken herunter.
Bevor es zu schaurig wird, beschwört der Erzähler rasch einen guten Geist.

Nämlich den der Kaiserin Kunigunde, die "aus dem Grab heraus geholfen hat", indem sie zum Schutz Bambergs ihren Hochzeitsschleier über die Stadt geworfen hat: "Die schwarzen Vögel blieben fern", lässt Berkenkamp die Legende ganz real anklingen. Um dann gleich wieder ins Totenreich hinabzusteigen. Einem trink- und spielfreudigen Fürstbischof erschien sein verstorbener Vater mit bleichem Gesicht. Zu Tode erschrocken "wurde der Bischof fortan ganz fromm, was für Bamberg ja nicht schlecht war".


Gerippe aufgetaucht

Weiter geht's zum Vorderen Bach. Die Zuhörer lauschen gebannt der Geschichte von einem verzauberten Schlüsselloch und einem Bürgermeister, dem Gevatter Tod auf dem Nachhauseweg vom Weingelage die Hand auf die Schulter legte. Dann zeigt Berkenkamp auf eine verschlossene Tür in der Mauer: Dahinter sei vor wenigen Jahren ein hockendes Gerippe mit Lederschuhen und einem Comicheft von 1954 gefunden worden. "Der ist beim Versteckelesspiel übrig geblieben." Ungläubiges Kopfschütteln der Truppe. "Seemannsgarn", murmelt einer, nachdem Berkenkamp seine Herkunft aus der norddeutschen Hansestadt Bremen erwähnt.

Unbeirrt führt der Geschichtenerzähler zu einem leer stehenden Haus am Hinteren Bach, "in das nie jemand einziehen wird". Hier sei vor langer Zeit ein Mord an zwei Kindern geschehen. Ihre Mutter selbst habe die beiden mit einem Kissen erstickt. Nun schwebe sie bis zum heutigen Tag als Weiße Frau über dem Pflaster an dem Haus: "Spüren Sie den Luftzug?" fragt Berkenkamp eindringlich und blickt in die Runde.


Wieder zum Leben erwacht

Im Domgrund hat er die Erklärung für die "Seelspitzen" parat, die ein Bäckergeselle erfunden hat. Eine Drud', eine Hexe also, spielt darin eine Rolle. Und ein totes Mädchen, dessen langer Zopf aus dem Sarg herausragte, dem das geflochtene Gebäck nachempfunden ist. Zumindest diese Geschichte geht gut aus: Das Mädchen erwacht wieder zum Leben. Doch Berkenkamp lässt keine Zeit zum Aufatmen. Mit ernster Miene berichtet er von einer Geistermesse in der Oberen Pfarre, die eine alte Frau erleben musste.

An der Maternkapelle ist von einer anderen Frau die Rede, die nicht sterben konnte, ohne ihren erwarteten Enkel in den Armen halten zu können. Sie starb dennoch zuvor. Und plagte ihren Sohn in wiederkehrenden Träumen mit ihrem sehnlichen Wunsch, den Enkel endlich wiegen zu dürfen. Der genervte Sohn verfluchte seine Mutter. Ihr Enkel starb und wurde der Alten dann doch noch im Grab in die Arme gelegt.


Blutige Augen


Es geht die Maternstraße hinauf zum Torschuster. Die Geschichte vom Sandmann, der durch die verschlossenen Fenster zu bösen Kindern kommt, zieht in den Bann. Blutige Äugelein: meine Güte, was für eine grauenhafte Vorstellung! An der Jakobskirche gibt Berkenkamp noch ein Histörchen um einen Bamberger Gärtner zum Besten, der mit Frau und Sohn nach Santiago de Compostella pilgerte.

Natürlich darf sich auch hier gegruselt werden: Der Sohn kam an den Galgen. Er wollte für seinen Vater, der zu Unrecht eines Diebstahls bezichtigt worden war, in den Tod gehen. Zu guter Letzt erhellte Berkenkamp die Stimmung seiner Zuhörer mit einer wundersamen Wendung der Geschichte: Während die Eltern ihr Pilgerziel erreichten, dort beteten und dann ihren Buben beerdigen wollten, überlebte dieser den Galgen. Denn vierzehn Tage lang hatte sich der heilige Jakobus darunter gestellt und den jungen Mann auf seinen Schultern getragen.

Die Spannung löst sich, Geschichtenerzähler Berkenkamp erntet Beifall. "Ist das alles wahr, was wir gehört haben?" fragt er mehr rhetorisch. Gänsehaut ist auch eine Antwort...
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