Bamberg
Schöpfung

Grüner Gockel krönt Bamberger Erlöserkirche

Die evangelische Gemeinde hat sich ein in Stadt und Landkreis Bamberg einmaliges Umweltzertifikat verdient. Dahinter stecken viele praktische Maßnahmen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Das Umweltteam, vertreten durch (v. l.) Hubert Bayer-Münch, Rolf Lang, Roland Fuchs und Jörg Stahlmann, sowie Pfarrerin Anette Simojoki im Lastenfahrrad sind stolz auf den "Grünen Gockel". Foto: Marion Krüger-Hundrup
Das Umweltteam, vertreten durch (v. l.) Hubert Bayer-Münch, Rolf Lang, Roland Fuchs und Jörg Stahlmann, sowie Pfarrerin Anette Simojoki im Lastenfahrrad sind stolz auf den "Grünen Gockel". Foto: Marion Krüger-Hundrup
+1 Bild

Üblicherweise thront auf Kirchtürmen ein Hahn. Nicht so auf dem Turm der Erlöserkirche am Kunigundendamm: Auf dem sogenannten Campanile wacht ein Engel über die evangelisch-lutherische Gemeinde mit ihren mehr als 5400 Mitgliedern. Doch nun bekommt auch sie einen Hahn. Und zwar den "Grünen Gockel" als erste Gemeinde in Stadt und Landkreis Bamberg. Für Pfarrerin Anette Simojoki ist diese Auszeichnung "ein bleibender Auftrag", wie sie sagt. Ein Auftrag auch, "eine staunende und dankbare Haltung für den Reichtum der Schöpfung einzunehmen, die bewahrt werden muss, anstatt sie auszubeuten und zu knechten".

Der "Grüne Gockel" ist ein Umweltzertifikat nach den Standards der europäischen EMAS-Verordnung. Es wird von der bayerischen Landeskirche verliehen, wenn Bewerber ein anspruchsvolles Prüfungsverfahren positiv durchlaufen haben. Die Erlöserkirchengemeinde hat als letzte Hürde auch das externe Audit mit Bravour bestanden, Der sichtbare Lohn ist ein Schild mit dem "Grünen Gockel" und eine Urkunde, mit der der Gemeinde "kontinuierliche Verbesserung ihrer Umweltleistungen" bescheinigt wird. Das Zertifikat trägt eine Registrierungsnummer und ist vier Jahre gültig. Danach ist eine Rezertifizierung erforderlich, die nach dem Willen der Kirchengemeinde auf jeden Fall angestrebt wird.

Ehrenamtliches Team

"Die größte Herausforderung war, die Gemeinde in dem Prozess mitzunehmen", blickt Pfarrerin Simojoki auf den Beginn des Weges zum "Grünen Gockel" im Jahr 2016 zurück. Der Kirchenvorstand habe vorbehaltlos zugestimmt. Und dann fand sich ein ehrenamtliches Team von zehn Männern und Frauen, die in 30 mehrstündigen Sitzungen für eine klima- und umweltschützende Kirchengemeinde arbeiteten. "Als Christen handeln wir aus dem Evangelium für die nachfolgenden Generationen, das ist eine Frage der Gerechtigkeit", begründet der Schriftführer des Umweltteams, Hubert Bayer-Münch, diesen Einsatz. Auch Rolf Lang, der gemeinsam mit Roland Fuchs als Umweltbeauftragter der Erlöserkirchengemeinde fungiert, sagt klar: "Verkündigung von der Kanzel ist das eine, aber die Umsetzung von Umweltschutz im eigenen Leben ist das Wichtigste."

Dieses Diktum lernten die Jugendlichen im Konfirmandenunterricht und die zahlreichen Gruppen, die das Gemeindezentrum intensiv nutzen: "Fast jeden Tag vom Vormittag bis in die Nacht ist es ausgelastet", so Pfarrerin Simojoki. Da beginne die Bewusstseinsbildung bei der Vermeidung und der Trennung von Müll über den sparsamen Strom- und Papierverbrauch oder den Einkauf regionaler und fair gehandelter Produkte für die Verköstigung hin zur Vermeidung unnötiger Autofahrten und die Nutzung des eigens angeschafften Lastenfahrrades.

Kinderbibelwochen, Gemeindefreizeiten, "Grüne Gockel"-Gottesdienste, Filmabende und mehr verankerten das Thema "Schöpfung" kontinuierlich. Auch eine Umweltseite im vierteljährlich erscheinenden Gemeindebrief mit Tipps für einen ökologischen Lebensstil wurde etabliert. Die beiden Umweltbeauftragten eruierten akribisch die Kennzahlen des Wasser- und Energieverbrauchs der Erlöserkirchengemeinde. Für das Gebäudeensemble aus Kirche, Gemeindezentrum, Pfarrhaus und Seniorencafé Rotundo wird die Wärme mit einem Brennwertkessel, der mit Gas betrieben wird, und einem Blockheizkraftwerk, das CO2-neutral mit Rapsöl läuft, erzeugt. Der produzierte Strom wird ins Netz eingespeist.

Die ausführliche Bestandsaufnahme und das verantwortungsbewusste Handeln für die Umwelt haben die unabhängigen Gutachter überzeugt: Der "Grüne Gockel" darf am Kunigundendamm munter krähen. Zumal auch Schöpfungsleitlinien und ein Umweltprogramm erarbeitet wurde. Die mehrseitige, inhaltsschwere Broschüre mit dem Titel "Umwelterklärung der Evangelisch-Lutherischen Erlöserkirchengemeinde Bamberg" wurde pünktlich zum Gemeindefest am vergangenen Wochenende fertig. Bei der Feier wurde das Umweltzertifikat offiziell überreicht von Wolfgang Schürger, Beauftragter der Landeskirche für Klima- und Umweltverantwortung.

Maskottchen darf nicht fehlen

Bei dem Fest mischte natürlich auch das liebgewonnene Maskottchen mit: der "Grüne Gockel" aus Stoff, den eine Frau aus der Gemeinde genäht hatte. Während des Umweltprozesses begleitete dieses fröhlich-bunte Federvieh die vielen Aktivitäten zum Thema.

Übrigens: Der echte "Grüne Gockel" wird nicht nur an evangelisch-lutherische Kirchengemeinden verliehen. Dieser Hahn kräht auch für die Ökumene!

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren