Bamberg

Bald geht es los: Großbaustelle trifft den Süden Bambergs

Autofahrern drohen schon bald massive Behinderungen auf der südlichen Stadteinfahrt. Der Freistaat baut die Einmündung des Münchner in den Berliner Ring um.
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60 000 Fahrzeuge sind hier am Tag unterwegs: 2020 soll die Kreuzung Berliner Ring/Münchner Ring ausgebaut werden. Foto: Ronald Rinklef/Grafik: Micho Haller
60 000 Fahrzeuge sind hier am Tag unterwegs: 2020 soll die Kreuzung Berliner Ring/Münchner Ring ausgebaut werden. Foto: Ronald Rinklef/Grafik: Micho Haller
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Peter Süß, Inhaber eines Glaser- und Schreinerbetriebs beim Aeroclub war auf dem Weg zum Babenberger Viertel, als es auf der Abbiegespur vom Berliner Ring auf den Münchner Ring geknallt hat. Ein Radfahrer hatte beim Überqueren des Münchner Rings den Vordermann unsanft ausgebremst, Süß kam mit seinem Transporter gerade noch rechtzeitig zum Stehen. Doch das hinter ihm fahrende Auto konnte den Aufprall nicht mehr verhindern.

Ines Schellmann, die Verkehrsexpertin der Bamberger Polizei, wundert das unsanfte Ereignis nicht. Nach ihren Angaben ist der Straßenabschnitt zwischen der Geisfelder Straße und der Abzweigung des Münchner Rings ein Unfallschwerpunkt. Immer wieder kommt es hier zu Auffahrunfällen, weil die Rechtsabbiegespur kurz und die Vorfahrtsregelung auf den ersten Blick zweifelhaft ist. Zudem sind viele Autofahrer schnell unterwegs. Sogar Schwerverletzte hat es an dieser Stelle bereits gegeben. Für die Polizei ist es laut Schellmann "ein Herzensanliegen", dass der Umbau der Kreuzung erfolgt.

Bamberg: Einmündung des Münchner in den Berliner Ring wird umgebaut

Für das Staatliche Bauamt geht es um zwei Dinge, wenn zum Beginn der Pfingstferien im Mai 2020 auf der Muna-Seite die Bauarbeiten beginnen. Der Umbau soll den Unfallschwerpunkt beseitigen und die Straßenkreuzung an die gestiegenen Fahrzeugfrequenzen und -gewichte anpassen. Die Spuren werden um 20 Zentimeter verbreitert, die Asphaltdecke von 17 auf 26 Zentimeter verstärkt. Beide Straßen seien rund 50 Jahren nach dem Bau am Ende ihrer Lebenszeit angekommen.

"Der nächste Winter wird ihnen den Rest geben", ist sich Harald Thiele vom Bauamt sicher. Für die Rechtsabbieger in den Münchner Ring wird eine verlängerte Abbiegespur geschaffen. Radfahrer und Fußgänger bekommen eine Drückampel. Das soll Konflikte minimieren, ohne die Leistungsfähigkeit zu stark herabzusetzen.

Täglich nutzen etwa 30 000 Kraftfahrzeuge den Berliner Ring. Ähnliche Zahlen gelten für den Münchner Ring. Man kann sich vorstellen, dass der Umbau einer so stark befahrenen Kreuzung nicht ohne Behinderungen abgeht. Um den Verkehrsfluss dennoch möglichst wenig zu beeinträchtigen, soll der Ausbau in bis zu acht Bauphasen erfolgen und sich über die verkehrsärmeren Pfingst- und Sommerferien erstrecken.

Wichtig: Bis auf eine Zeitspanne von wenigen Wochen bleibt immer eine Spur frei. Wenn für kurze Zeit der Münchner Ring vollständig gesperrt wird, sollen die Autofahrer großräumig über die Forchheimer Straße umgeleitet werden. Das Bauamt hofft, dass das Großprojekt ähnlich glatt geht wie der Ausbau der Kreuzung Berliner Ring/Forchheimer Straße vor fünf Jahren. Allerdings ist allen Beteiligten klar, wie sensibel die Kreuzung ist.

Ein "Supergau" wäre es, wenn der Verkehr auf der Autobahn während der Bauphase auf den Berliner Ring umgeleitet würde. Harald Thiele vom Staatlichen Bauamt rechnet mit Kosten von knapp drei Millionen Euro, die sich Staat und Stadt entsprechend der Unterhaltslasten teilen müssen. Den Löwenanteil von 1,5 bis zwei Millionen trägt dabei der Freistaat, während die Stadt mit 750 000 Euro etwas günstiger davon kommt. Für das Geld sollen auch die Übergänge barrierefrei gestaltet werden. Die Stadträte haben die Pläne bereits im September billigend zur Kenntnis genommen. Kritik kommt von Grünes Bamberg. Christian Hader, der auch Vorsitzender des ADFC in Bamberg ist, bemängelt eine einseitige Prioritätensetzung für Straßenbau in Bamberg. "Nächstes Jahr fließen fünf Millionen Euro in den Bau der Buger Brücke und drei Millionen in die Stadtautobahnen im Süden", klagt Hader. Für die Verbesserung des Fahrradverkehrs werde dagegen nur 400 000 Euro ausgegeben. Hader sieht auch die neue Rechtsabbiegespur am Berliner Ring skeptisch: "Das mag die Sicherheit erhöhen, bremst aber den Radverkehr aus. Wer den Münchner Ring überqueren will, muss mehrfach stoppen."

 

Als Handwerker und Firmenchef ist Peter Süß auf schnelle und sichere Straßenverbindungen angewiesen. Die Verbreiterung des Berliner Rings um eine längere Abbiegespur mit Ampel nach rechts hält er für eine sinnvolle Verbesserung. Süß ist sich sicher: "Ein Auffahrunfall wie ich ihn erlebt habe, wäre mit dieser Spur wahrscheinlich nicht passiert." Auch aus dem Bürgerverein Gereuth kommt Zustimmung: "Der Ring ist eine Lebensader", sagt Norbert Tscherner. Dass er so voll ist, hält Tscherner auch für eine Folge der falschen Verkehrspolitik in Bamberg: "Es fehlt der Ringschluss im Westen."

Anfang Februar hat ein Autofahrer auf dem Berliner Ring beim Linksabbiegen eine 16-jährige Fahrradfahrerin übersehen. Die Jugendliche wurde bei dem Unfall schwer verletzt und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Der Wagen hätte vermutlich gar nicht abbiegen dürfen.

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