Bamberg
Ruhestätte

Grausiger Fund am Familiengrab

Als Anne K. das Grab ihrer Eltern neu anpflanzen wollte, stieß sie in nur wenigen Zentimetern Tiefe auf große Knochen.
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Einer der Knochen, auf die Anne K. am Familiengrab stieß. Das untere Bild zeigt das frisch angepflanzte Grab. So soll es wieder aussehen, wenn die Knochen in die richtige Tiefe versetzt worden sind. Fotos: p
Einer der Knochen, auf die Anne K. am Familiengrab stieß. Das untere Bild zeigt das frisch angepflanzte Grab. So soll es wieder aussehen, wenn die Knochen in die richtige Tiefe versetzt worden sind. Fotos: p
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Das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, hatte Anne K. (Name geändert) bereits im Juni 2018, einen Tag nach der Beerdigung ihrer Mutter. "Die Buchsbäumchen und Pflanzen waren neben's Grab gelegt, die ganze gute Erde weg, dafür lag viel Erde von ganz unten herum."

Bereits da fand sie den ersten kleinen Knochen am Grab, in dem seit 2006 K.s Vater liegt. "Ich hab überlegt, ob ich mich beschweren soll. Aber so kurz nach dem Trauerfall hab ich das für mich beiseite geschoben", sagt K. Nachdem sich das Grab dann eine Weile gesetzt hatte, wollte die 47-Jährige in der vergangenen Woche das Grab neu anlegen. "Mein Sohn und ich haben frische Erde hergefahren und wollten die oberste Schicht schlechter Erde abtragen", berichtet K.

Doch plötzlich habe ihr Sohn "Da ist was" gerufen. Es war ein großer Knochen, den die beiden schaudernd wieder eingruben. "Danach wollten wir nicht mehr graben und haben das Grab nur noch abgerecht, um nicht auch noch auf den Kopf zu stoßen." Doch dann folgte bereits der nächste grausige Fund: der Oberarmknochen, wie sie vermutet vom verstorbenen Vater. "Ab da haben wir dann nur noch alles mit Erde bedeckt und vorne nur die kleinen Pflanzen eingesetzt." Seither geht Anne K. nicht mehr gern auf den Friedhof, sie könne wegen dieser Sache auch seit Tagen nicht gut schlafen.

"Erst einmal müssen wir uns selbstverständlich in aller Form entschuldigen", sagt Robert Neuberth, der Leiter des städtischen Garten- und Friedhofsamtes. "Dass so etwas passiert, ist die absolute Ausnahme." Denn eigentlich ist für den städtischen Friedhof genau dokumentiert, wo, wann und in welcher Höhe jemand beerdigt worden ist. In vielleicht einem von 100 Fällen würden einzelne Knochen gefunden. Dass es sich um so große Knochen wie den von K. gefundenen handelt, habe Neuberth in 30 Jahren noch nicht erlebt.

Er hält es für wahrscheinlich, dass beim Setzen des Grabsteins und dem anschließenden Verdichten zu sehr in die Tiefe gegangen worden sei. Aber "zu zehn Prozent Wahrscheinlichkeit" könne auch ein Versäumnis der städtischen Arbeiter vorliegen. Es komme vor, dass sich im feuchten Boden ein Erdmantel um die Knochen von Verstorbenen lege, die dann nicht als solche zu erkennen seien. Wenn es dann später trocken sei, falle die Erde herunter und gebe die Knochen frei. "Das ist dann natürlich fatal", sagt Neuberth. Sein Amt biete der Tochter des Verstorbenen nun an, dessen sterbliche Überreste wieder in die Tiefenlage zu versetzen, in die sie eigentlich gehören und das Grab dann wieder herzurichten.

Kein gemeinsamer Ortstermin

"Dass die Knochen beim Grabsteinsetzen nach oben befördert wurden, kann im Prinzip nicht sein", sagt der Geschäftsführer eines Bildhauerbetriebs auf unsere Nachfrage. "Das Fundament für den Grabstein sitzt nur zehn bis 20 Zentimeter tief. Und außerdem wurde laut Frau K. ja schon vor den Arbeiten am Grabstein etwas gefunden." Er hält es für möglich, dass die Knochen viel älter sind und nicht der Familie K. zuzuordnen sind, denn "den Friedhof gibt es ja schon viel länger".

Das würde auch der erfahrene Bestatter Dieter Neuner nicht ausschließen, dessen Institut nicht an dem vorliegenden Fall beteiligt ist. "Die Stadt Bamberg ist als Friedhofsträger verantwortlich. Wenn an dem Grab gearbeitet wurde, muss man das auch kontrollieren. Ein Gebein hat an der Oberfläche nichts verloren." In 40 Jahren, die er als Bestatter tätig ist, sei ihm kein ähnlich gelagerter Fall untergekommen. Mit Knochenfunden müsse aber grundsätzlich immer gerechnet werden. "Der Friedhof ist kein OP-Saal, die Arbeiter machen das Grab maschinell und müssen dabei auch auf die benachbarten Gräber schauen.Was eigentlich tief unten ist, kann der Bagger nach oben befördern. Letztendlich ist jeder Fehler menschlich - aber so etwas darf natürlich nicht passieren."

Dass es sich bei den Knochenfunden um Überreste aus dem 18. Jahrhundert oder früher handelt, kann sich Anne K. nicht vorstellen. Dafür seien sie zu groß und gut erhalten gewesen, außerdem hätten sie und ihr Sohn sogar noch Teile von Sarggriffen gefunden. "Die Entschuldigung war für mich das Mindeste", sagt K. "Und zumindest gibt es nun eine Lösung." Den Vorschlag eines gemeinsamen Ortstermins mit dem Friedhofsamt hat die 47-Jährige aber abgelehnt. "Ich habe ihnen gesagt, wo die Knochen zu finden sind. Die machen das und wenn es gerichtet ist, schaue ich mir das Grab wieder an." Aber auch dann werde wohl noch ein mulmiges Gefühl bleiben. Immer dann, wenn sie das Grab ihrer Eltern pflege.

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