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Profitipp 7

GPS, Apps &Co.: Wandern im 21. Jahrhundert

Bei der Planung von Wanderungen, zur Orientierung in der Natur und bei Notfällen sind Online-Tourenplaner und Smartphone-Apps sehr hilfreich. Wandertrainer Svens Technik-Tipps.
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Mit der Wander-App "Locus" kann Sven Hähle seine Position an der Regnitz genau bestimmen.  Foto: Barbara Herbst
Mit der Wander-App "Locus" kann Sven Hähle seine Position an der Regnitz genau bestimmen. Foto: Barbara Herbst

Mit einer schwungvollen Handbewegung wischt Sven Hähle sein Handy vom Tisch. Es knallt auf den Boden - und der Leiter der Akademie des Bayerischen Wanderverbands grinst. "Ich bin schon mal mit dem Auto drüber gefahren, und es ist nichts passiert." Heute spricht er darüber, worauf es bei einem robusten Outdoor-Handy und der zugehörigen Technik ankommt. GPS-Technik

Schon bevor er Wanderführer wurde, war Sven Hähle Diplom-Ingenieur für Medientechnik; GPS ist eines seiner Steckenpferde. Er erklärt, dass es einen Teil der Satelliten-Technologien bezeichnet (Global Positioning System, USA), eigentlich gehören noch weitere dazu: beispielsweise GLONASS (Global Navigation Satellite System, Russland). Im Alltag wird hierzulande aber meist einfach GPS als Oberbegriff für jegliche Satellitennavigation verwendet. "Sie ist die Grundlage für digitale Anwendungen beim Wandern und dient der Positionsbestimmung und der Navigation." Damit können Wegstrecken aufgezeichnet (Tracks) und nachgewandert werden. GPS-Daten sind Positionsangaben und können verschiedene Koordinatensysteme nutzen. GPS-Geräte werden aber immer weniger gekauft, stattdessen wird oft das Smartphone genutzt.

Outdoor-Smartphone

"Eigentlich kann man alles mit dem Smartphone machen." Für Gelegenheitswanderer tut's ihr normales Handy, Outdoor-Sportlern empfiehlt der Wandertrainer ein spezielles Outdoor-Gerät. "Die sind wasserdicht, staub-, stoß- und schlagfest. Die überstehen fast alles!" Tipp: Beim Kauf auf IP68-Zertifizierung achten, dieser Militärstandard gewährleistet Robustheit. Dank mobiler Ladegeräte (eine Powerbank gehört in den Rucksack!) sind auch die Akkulaufzeiten kein Problem mehr. Bei den Apps sind Android-Geräte Apples iOS überlegen.

Online-Tourenplaner

Sehr praktisch sind Internetportale, auf denen Wanderungen veröffentlicht werden. Nutzer können ihre aufgezeichnete Tour (Track) hochladen oder auf einer digitalen Karte ihre Route eintragen, mit Texten und Bildern ausschmücken und kategorisieren, etwa nach Region oder Anspruch. Andere Nutzer finden so für sich passende Strecken und können die auf ihr GPS-taugliches Smartphone laden. Kartenausschnitte können gespeichert werden, und sind dann offline verfügbar. In Deutschland sind Komoot.deund Outdooractive.com führend. Wandertrainer Sven arbeitet selbst damit. "Das sind gute Communitys; man kann sich einen Überblick über eine Region verschaffen. Aber: Kleinere Fehler sind recht häufig." Die Daten werden eben von Laien bereitgestellt. "Viele Wanderungen sind auch mehrmals Mal drin - von verschiedenen Nutzern." Sven Hähle weist auf den weniger bekannten Routenplaner GPSies.comhin: Hier steht nicht die Veröffentlichung eigener Strecken, sondern die Planung im Vordergrund. "Fortgeschrittene nutzen Gaia GPS und Locus. Diese Apps bieten ein breites Spektrum an GPS- und Kartenanwendungen von der Standortbestimmung über das Markieren von Wegpunkten bis zur Berechnung von Entfernungen zwischen Punkten." Die App "Locus" ist eine Art Google Maps fürs Wandern mit sehr großem Funktionsumfang, dazu gehört auch ein digitaler Kompass. Digitale Karten

Wandertrainer Sven ist Fan der "Geoportale" der Bundesländer. "Man kann die gedruckten Karten der Landesvermessungsämter dort digital aufrufen und bayernatlas.de ist sogar kostenlos." Das Ganze gibt's auch als App. Wer die Karte auch offline nutzen will, muss eine geringe Gebühr entrichten. Als sehr gute Alternative sieht Sven Hähle kostenlose Karten auf Basis von OpenStreetMap (OSM). "Die sind immer ziemlich aktuell." Außerdem sind sie auf verschiedene Bedürfnisse zugeschnitten; es gibt beispielsweise HikeBikeMap.de mit Wanderwege-Netz oder Alpenkarte.eu mit besonders ausgeprägten Höhenlinien für den Alpenraum. Wo Höhenlinien wichtig sind, empfehlen sich Vektorkarten. "Im fränkischen Flachland ist das nicht entscheidend, da kann man gut mit OSM-Modellen arbeiten." Digitale Karten unterscheiden auch Sommer und Winter: Dann zeigen sie beispielsweise Loipen.

Weitere Apps

Eine Kompass-App ersetzt zwar nicht in jedem Fall den analogen Kompass, ist aber oft hilfreich. "Smartphones mit echtem digitalen Kompass sind dabei deutlich genauer als solche, die den Kompass anhand des GPS-Signals simulieren." Nützlich sind auch Notfall-Apps wie "Hilfe im Wald" und die Notfall-App des Alpenvereins. Eine Taschenlampen-App ist eine gute Ergänzung zur LED-Lampe im Rucksack, bei Pflanzen- und Tierbestimmungs-Apps gibt es eine große Auswahl und unterwegs leisten auch Wetter-Apps gute Dienste. Sven Hähles Tipp ist "Windy".

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