Bamberg
Landwirtschaft

Glyphosat beschäftigt die Räte im Landkreis Bamberg

In einigen Stadt- und Gemeinderäten im Landkreis wurde mittlerweile über den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf kommunalen Flächen beraten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Sollten Gemeinden den Pächtern ihrer landwirtschaftlichen Flächen den Einsatz von Glyphosat verbieten? Diese Frage stellt sich derzeit in vielen Kommunen. Symbolfoto: Ronald Rinklef/Archiv
Sollten Gemeinden den Pächtern ihrer landwirtschaftlichen Flächen den Einsatz von Glyphosat verbieten? Diese Frage stellt sich derzeit in vielen Kommunen. Symbolfoto: Ronald Rinklef/Archiv

Wie gehen die Kommunen mit Glyphosat auf eigenen und verpachteten Flächen um? Eine Frage, die sich derzeit in vielen Gremien stellt und die für Reaktionen von Ratlosigkeit bis hin zu leidenschaftlicher Diskussion führt. Erst kürzlich endete eine Abstimmung im Scheßlitzer Stadtrat mit 8:8 Stimmen - damit gibt es kein Verbot von Pestiziden auf städtisch verpachteten Flächen geben. Einen solchen Antrag hatte der Grünen-Stadtrat Ralph Behr gestellt. "Das ist natürlich sehr schade", sagt Behr. Quer durch alle Parteien und Gruppierungen habe es Gegner und Befürworter eines solchen Verbotes gegeben.

Vielzahl an Pachtverträgen

Bürgermeister Roland Kauper sieht vor allem zwei Gründe, weshalb es in Scheßlitz nicht zu einem Glyphosat-Verbot gekommen ist. "Es ist schwer, in einen Berufsstand einzugreifen, wenn man nicht das nötige Fachwissen hat. Bei all den unterschiedlichen Gutachten kommt man irgendwann immer ins Zweifeln." Außerdem könne man bei 137 städtischen Pachtverträgen nicht jeden Einzelnen verpflichten. "Wie soll das gehen? Aber wir schauen uns schon die Landwirte an, an die wir verpachten", sagt Kauper. Allerdings habe man in der gleichen Sitzung auch beschlossen, im Bauhof auf den Einsatz von Pestiziden zu verzichten (außer zur Abwendung von gesundheitlichen Gefahren) und im Stadtgebiet Blumenwiesen anzulegen, um etwa Bienen zusätzlichen Lebensraum zu bieten. Daneben sollen Bürger über die Bedeutung von Biodiversität informiert werden. "Leider sind die wichtigsten Anträge nicht durchgegangen. Wir müssen nach dem Vorsorgeprinzip darauf verzichten, wenn wir es nicht genau wissen", sagt Behr, der in seinem Antrag bewusst von Pestiziden sprach, "denn was nutzt es, wenn wir auf Glyphosat verzichten und dann dafür etwas anderes bekommen?".

Das sieht BBV-Ortsobmann Fred Einwich aus Kremmeldorf (Gemeinde Memmelsdorf) anders: "Bei dieser Glyphosat-Diskussion sind wir auf den Sachverstand der Fachleute angewiesen." Man müsse sich auf die Wissenschaftler und Behörden verlassen, "dafür gibt es in Deutschland Zulassungsbehörden für Pflanzenschutzmittel, die die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse sehr zeitnah umsetzen, indem sie bei einer Gesundheitsgefährdung die Zulassung widerrufen". Eine dieser Zulassungsbehörden sei das Bundesamt für Risikobewertung, das Glyphosat nach intensiver Prüfung als unbedenklich eingestuft habe. "Vertrauen unser Gemeindevertreter den Fachbehörden nicht mehr, wollen Sie in Zukunft beurteilen, welches Pflanzenschutzmittel ausgebracht werden soll?", fragt Einwich. Als Ende April in Memmelsdorf das Thema Glyphosat-Verbot im Gemeinderat diskutiert wurde, hat er das Gespräch mit allen Räten gesucht. "Es ist das Recht der Gemeinde, zu entscheiden, was auf ihren Flächen geschieht. Aber ich bezweifle, dass das alles so zielführend ist."

Beim Antrag der Memmelsdorfer SPD-Fraktion ging es wie in vielen Gemeinden um den Glyphosat-Einsatz auf kommunalen Nutzflächen, um den Einsatz von Glyphosat durch private Dienstleister und um die Verpachtung kommunaler Flächen. Das sind derzeit nur 26 Hektar, also kaum zwei Prozent der gemeindlichen Acker- und Wiesenflächen. Manfred Schrauder, der für die SPD den Antrag in der Sitzung vorstellte, hatte erklärt: "Glyphosat gilt als krebserregend, und solange kein Gutachten vorliegt, dass dem nicht so ist, möchte ich, dass es verboten wird. Für mich zählt das Bürgerwohl und nicht die wirtschaftliche Sicht."

In der Diskussion des Gemeinderates überwog der Tenor, dass die Entscheidung über die Verwendung von Glyphosat eine zu große sei, um in einer so kleinen Gemeinde entschieden werden zu können. Die Argumentation der Antragsgegner zielte in die Richtung, dass darüber erst auf Bundesebene entschieden werden müsse und die kleinen Landkreisgemeinden bei solchen Themen nicht vorpreschen sollten. Es fielen Argumente wie

"Lasst die Behörden ihre Arbeit machen" oder "Wir sollten eine Entscheidung der Bundesregierung abwarten".

Stegaurach klar fürs Verbot

Die Befürworter setzten entgegen, dass man als Gemeinde die Verantwortung für die gemeindlichen Flächen habe und sehr wohl darüber entscheiden könne und müsse. Letztlich entschied sich der Gemeinderat mit 10:7 gegen ein Glyphosat-Verbot, obwohl sich auch Bürgermeister Gerd Schneiderl in einem engagierten Plädoyer für ein Verbot einsetzte.

"Es gibt kein vergleichbares Mittel", sagt ein Bauer aus dem nördlichen Landkreis. Glyphosat werde in der Regel eingesetzt, um ein abgeerntetes Feld von unerwünschtem Bewuchs zu befreien und für die nächste Aussaat vorzubereiten. "Mich regt das auf hier in Deutschland. Wieso muss man immer noch mehr verordnen und noch mehr verbieten?", fragt der Bauer. Man könne durch den Einsatz von Glyphosat auch mehrfaches Pflügen vermeiden, das verbessere die -Bilanz, die Böden verlören weniger Humus und der Landwirt brauche deutlich weniger Diesel.

In Breitengüßbach (13:0), Stegaurach (18:1) und Oberhaid (10:4) haben sich die Räte klar für ein Glyphosat- bzw. Pestizid-Verbot in künftigen Pachtverträgen ausgesprochen, da ein Gesundheitsrisiko aktuell nicht gänzlich ausgeschlossen werden könne. In Hirschaid dagegen wurde ein entsprechender Antrag im Marktgemeinderat mit 20:3 Stimmen abgelehnt, die Mehrheit folgte hier der Argumentation zweier Landwirte in den eigenen Reihen. Das Thema soll nun erst einmal im Arbeitskreis Grünflächenmanagement beraten werden, bevor es gegebenenfalls nochmals Thema im Marktgemeinderat sein kann. Und in Hallstadt und Litzendorf gibt es bereits entsprechende Anträge, in einer der nächsten Sitzungen über ein Glyphosatverbot zu beraten.

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren