Bamberg
Show

Glitzernde Eurovision am Kaulberg

Fans aus ganz Deutschland und Österreich kamen zum ESC-Fanabend in Bamberg. Der Erlös ging an den Hospizverein.
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Martin Claß (Uferlos-Vorsitzender, links) und Veranstalter Michael Behr eröffnen den ESC-Abend in Bamberg mit einer Tanzperformance zum Lied "Hallo Welt" von Gitti und Erika (im Hintergrund zu sehen), mit dem das deutsche Gesangsduo beim Grand Prix 1983 in Österreich antrat.  Foto: M. Klein
Martin Claß (Uferlos-Vorsitzender, links) und Veranstalter Michael Behr eröffnen den ESC-Abend in Bamberg mit einer Tanzperformance zum Lied "Hallo Welt" von Gitti und Erika (im Hintergrund zu sehen), mit dem das deutsche Gesangsduo beim Grand Prix 1983 in Österreich antrat. Foto: M. Klein
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Weicher 80er-Jahre-Bass wabert durch das Kellergewölbe im mit etwa 50 Zuschauern voll besetzten Club Kaulberg. Zur einsetzenden fröhlichen Synthesizer-Melodie kommen Michael Behr und Martin Claß in golden-glitzernden Zylindern und Handschuhen auf die Bühne und singen und tanzen zur Begrüßung mit Gitti und Erika "Hallo Welt". Mit dem Lied trat das vor allem durch die "Heidi"-Titelmelodie bekannte deutsche Gesangsduo im Semifinale des Eurovision Song Contests (ESC) 1983 in Österreich auf. Das Archiv-Video des Songs ist auf die Kellerwand hinter Behr und Claß projiziert. Das gemischte, bunte Publikum singt, tanzt und lacht. Ein kleiner Vorgeschmack auf den ESC 2019 in Tel Aviv, der am Samstag ins Finale geht.

Der 36 Jahre alte Bamberger Michael Behr verwaltet das Archiv eines deutschen ESC-Fanclubs mit über 3000 Aufnahmen, die bis ins erste ESC-Jahr 1956 zurückgehen - damals noch unter dem Namen "Grand Prix Eurovision de la Chanson". Den Benefiz-Abend im Bamberger Berggebiet, der bereits zum zweiten Mal stattfindet, nennt der Veranstalter entsprechend "Grand Prix de la Franconie". Behr ist Mitglied im Schwulen- und Lesbenverein "Uferlos", dessen Vorsitzenden Martin Claß er als "Oberschwulen von Bamberg" vorstellt, bevor es ernst wird: Einnahmen und Spenden des vom Verein veranstalteten Abends gehen an das geplante Kinderhospiz in Bamberg. Nach einem ernsten Informationsvideo über das Hospiz und die Aufgabe, Kindern einen möglichst schönen Lebensabend zu geben und die Familie zu unterstützen, geht die Show los. Und es wird wieder lustig.

Den 26 Teilnehmern wurde im Vorfeld ein Land zugelost. Jeder wählt aus dem Archiv seinen Lieblingssong des Landes aus, die nacheinander an die Kellerwand projiziert werden. Für die Beiträge der Anderen vergibt dann jeder Teilnehmer die Punkte nach den ESC-Regeln.

"Schlimme zwei Stunden"

Andreas Reichert hat Irland gezogen. Er sei überhaupt kein ESC-Fan, hasse Schlager, nehme aber aus Freundschaft zu Veranstalter Behr und wegen des guten Zwecks teil. Die langwierige Auswahl eines Songs aus dem großen Archiv bezeichnet er schmunzelnd als "wirklich schlimme zwei Stunden." Seine Wahl fiel dann auf "The Voice". Mit diesem folkigen Stück zu sehr hoher Gesangsstimme gewann Eimear Quinn den ESC 1996 in Oslo. Unter den Beiträgen aus sechs Jahrzehnten sind auch einige bekannte Klassiker. Etwa "Ne partez pas sans moi", mit dem Céline Dion 1988 für die Schweiz gewann, der Ursprung des Ruhmes der Titanic-Sängerin. "Thomas Gottschalk hat damals gesagt, ,die kennt in einem Jahr keiner mehr'", kommentiert Behr. "Der hat also auch nicht immer Recht." Auch Udo Jürgens gibt sich auf der Kellerwand die Ehre, mit seinem Gewinner-Beitrag beim ESC 1966: "Merci, Chérie". "Das kommt dabei raus, wenn die Platte hängt", kommentiert Reichert. Was den Dritten Bamberger Bürgermeister Wolfgang Metzner nicht davon abhält, lautstark mitzusingen. Er bezeichnet sich selbst als großen ESC-Fan. "So zu der Zeit von Abba hat es mich erwischt, da durfte ich zum ersten Mal länger aufbleiben", erinnert sich Metzner. "Das waren aber auch die schlimmsten Klamotten, die ich je gesehen habe."

Das scheußlichste Outfit

Außergewöhnliche Kleidung ist beim ESC nicht selten, weshalb auch der "Barbara-Dex-Award" für das scheußlichste Outfit verliehen wird - beim echten ESC wie in Bamberg. Er geht auf die belgische Sängerin gleichen Namens und ihren Auftritt beim ESC 1993 in einem gelblich bis hautfarbenen, durchsichtigen Kleid zurück. Am Ende des fränkischen Songcontests kann Simon Holl seinen Vorjahressieg des Barbara-Dex-Awards verteidigen - nicht mit seinem eigenen Outfit, sondern mit dem der albanischen Sängerin beim ESC 2012. Rona Nishliu trat als eine Art Prinzessin Leia mit Dreadlock-Dutt und Frankenstein-Anzug auf.

Stilvoller die vielen Besucher im Club Kaulberg, darunter etwa Paul aus Wien im Smoking, mit Fliege und blondem Oberlippenbart. Der ESC-Fan kam nur wegen dieses Abends nach Bamberg und war bereits zwei Mal bei einem Grand Prix dabei. In Wien durfte er 2015 der belgische Delegation die Stadt zeigen. "Und Kindermädchen spielen", erzählt er. Eine Darstellerin hatte ihr Kostüm vergessen, Paul musste sich spontan um ein Neues kümmern. Nun ist er auch in Tel Aviv dabei. "Das Schöne am Grand Prix ist, dass Europa sich gemeinsam freuen kann - und es ist auch einfach lustig", sagt Paul. Das sieht auch Brigitte aus Bonn so: "Locker und ungezwungen haben junge wie alte Menschen aus vielen Nationen zusammen Spaß. Das ist eine tolle Erfahrung", beschreibt sie.

Am Ende des Abends gewinnt Florian Sondermayer aus Oberhaching den selbstgebastelten Preis und einen Kasten Bier mit "A Monster like me" von Mørland & Debrah Scarlett (Norwegen). Für das Kinderhospiz kommen 2000 Euro zusammen. "Dafür mache ich mich gern zum Affen", sagt Veranstalter Behr, während ihm ein paar Glitzerfunken vom Zylinder bröseln.

Der deutsche Beitrag zum ESC 2019 in Tel Aviv

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