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Gräfenberg
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Gleichklang beim Ballett im Wasser

Disziplin und gute Laune sind beim Synchronschwimmen im Center für Aqua-Fitness und Physiotherapie Gräfenberg angesagt. Die "Aqua Girls" machen es fast schwerelos vor.
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Die "Aqua Girls" fühlen sich im nassen Element sichtlich wohl.  Fotos: Ronald Rinklef
Die "Aqua Girls" fühlen sich im nassen Element sichtlich wohl. Fotos: Ronald Rinklef
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Wer lesen und schwimmen konnte, galt schon bei den alten Ägyptern als äußerst gebildet und war hoch angesehen. Schwimmen können die sieben "Aqua Girls", die Mädchen, die am neuen Kurs Synchronschwimmen teilnehmen, allemal. Mindestens das Bronzeabzeichen sollte man haben, sich also mindestens 20 Minuten im Wasser halten können, denn beim Synchronschwimmen geht es auch unter Wasser. Nicht um angesehen zu sein, sondern um ein gut aussehendes Bild beim Auftauchen abzugeben.



Im Rhythmus zur Musik
Was genau Synchronschwimmen ist, wusste die neunjährige Sophie Brückner aus Mittelrüsselbach auch nicht. "Aber jetzt weiß ich es und es macht Spaß", strahlt Sophie, die mit den anderen Girls bereits im Wasser ist, leicht auf- und abhüpft, das Wasser fühlt. Aufmerksam beobachten die Mädchen ihre Kursleiterin am Beckenrand.
Marliese Lifka läuft, die Beine hochziehend am Beckenrand entlang, kreist dabei die Schultern. Eifrig ahmen die Wassernixen diese erste Aufwärmübung im Wasser nach. Jede hat in der Zwischenzeit ihren Platz, ihre Position gefunden.

Einige Minuten später nimmt Marliese Lifka ein längliches, biegsames Schaumstoffstück, klemmt es zwischen die Beine. Die Enden vieler farbiger Schaumstoffschlangen lugen aus dem Wasser, als die Mädchen mit dieser Übung die Beinmuskeln trainieren, immer lachend und im Rhythmus zur Musik. Es bereitet ihnen offensichtlich Spaß, mit diesen Übungen zur ersten Figur, dem "Zuber", überzugehen. "Das ist eine Streck-Beuge-Bewegung, die sie im Wasser liegend halten können und mit den Armen das Wasser streicheln. Früher badete man im Zuber. Es ist die gleiche Position, die man einnimmt, wenn man im Zuber badet", erklärt Marliese Lifka diese Figur. Doch was hier so leicht und mühelos und dennoch anmutig aussieht, ist im Grunde genommen Schwerstarbeit. Vor allem, da jede Bewegung für jede Figur synchron ausgeführt wird. Synchron zur Musik und zu den Mitschwimmerinnen.

Synchronschwimmen ist nicht nur Schwimmen und Tanzen, sondern auch Akrobatik - im Wasser und eng verwandt mit dem Reigenschwimmen. Allerdings beschränkt sich das Reigenschwimmen auf Bilderlegen im Wasser, mit Musik umrahmt. "Synchronschwimmen kommt aus dem Kunstschwimmen und hat in den 1920er Jahren angefangen, als die erste Dame im Badeanzug gefilmt werden durfte und Bilderreigen mit schönen Frauenkörpern gebildet wurden. Es entstanden dann auch Wettbewerbe.

In den 1950ern ging es ins klassische Kunstschwimmen. Es sah sehr ästhetisch aus und alle machten das Gleiche", weiß Heike Schütz, Betriebsleiterin von Aqua Work. Das CAP (Center für Aqua-Fitness und Physiotherapie) ist ein Geschäftsbereich davon, der begehrteste, und hier vor allem der neue Kurs Synchronschwimmen, der sich an die jungen Mädchen richtet. "Synchronschwimmen ist Bestandteil des Jahresschwimmens für das Schulschwimmen. Da es den Schülerinnen immer Spaß bereitet hat, nahm CAP es mit ins Programm auf. Es ist bewusst für Mädchen. Sie lieben die Musik und die Bewegung", so Heike Schütz, die an der Gräfenberger Schule Deutsch und Schwimmen unterrichtet.

Es steckt viel Arbeit drin
Diese Vorliebe ist einer der Gründe, den nahezu alle Mädchen des ersten Kurses angeben. Auch Svenja Stern, die vergangenes Jahr beim Saisonabschluss im Schwimmen Stadtmeisterin wurde, kannte das Synchronschwimmen aus dem Fernsehen. Es ist sogar eine olympische Disziplin für Frauen. Dass Svenja das Tanzen zur Musik im Wasser auch ausprobieren wollte, stand für sie daher schnell fest. Doch um die Bewegungen wie im Film so leicht und mühelos wirken zu lassen, steckt viel Arbeit dahinter. "Es ist schon anstrengend, die Körperspannung zu halten, aber es ist cool", schwärmt auch Sophia Obijou. Tatsächlich ist eine starke Körperspannung für die Koordinationsübungen, die Figuren beim Synchronschwimmen notwendig.

Sicher lässt Wasser vielfältige Bewegungen zu. "Wasser neutralisiert 90 Prozent bis 95 Prozent des eigenen Körpergewichts. Man ist im Wasser fast schwerelos", sagt Heike Schütz. Aber man muss auch gegen einen unheimlichen Wasserwiderstand ankämpfen. Wie stark der Wasserauftrieb wirkt, bemerken sie beispielsweise auch bei der Hechtposition. Oder die Nixen sind in der Rückenlage und heben ein Bein gestreckt. Es steckt sehr viel Übung, Liebe zum Wasser, Wassersicherheit und vor allem Teamwille dahinter, genau zu wissen, wie sie die Beine im Wasser stellen oder anheben müssen, dass es von "oben" ästhetisch, anmutig und mühelos wirkt.

Im Grunde genommen vereint Synchronschwimmen Kunstturnen, Tanzen und Schwimmen in einem - und das noch im Gleichklang, anmutig anzusehen. Zu den vielen möglichen Figuren kann auch mal eine Rolle vorwärts in Formation gehören, immer im Gleichklang zur Musik. Eben eine Art Wasserballett. Fitness und Körperbeherrschung sind ein positiver Nebeneffekt, den die Aqua Girls aufweisen können.

Freude am Wasser finden
Die Mädchen besuchten meist schon vorher Schwimmkurse bei CAP. Die dort angebotenen Kurse richten sich schon an Babys, um erste Freude am Wasser zu finden. Doch gerade der Kurs Erlebniswelt Wasser, bei dem Wassersicherheit, Wasserbewältigung und erste Techniken an Kinder zwischen ein und fünf Jahren vermittelt werden, zeigt deutlich, dass man die Schwimmkurse, wie die Aqua Girls, einfach leichter meistert. Und: "Das, was ich kann, ist für alle gut", beschreibt die Betriebsleiterin. So lernt man voneinander, das Beste für das Team, wie die Synchronschwimmerinnen zeigen. Ihre Premiere feiern die Aqua Girls übrigens beim Schwimmfest am 20. Juli.

Team Sophia Obijou, 11 Jahre (Gräfenberg); Svenja Stern, 10 Jahre (Gräfenberg); Clara Gumbmann, 10 Jahre (Gräfenberg); Tabes Möslein, 9 Jahre (Igensdorf); Hannah Wilhelm, 11 Jahre (Haidhof); Ronja Schell, 11 Jahre (Gräfenberg); Sophie Brückner, 9 Jahre (Mittelrüsselbach)