Burgwindheim
Prozesssion

Gläubige trotzen der Hitze

Das traditionelle Blutsfest in Burgwindheim war wieder ein Höhepunkt im kirchlichen Leben der Gemeinde.
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Die Prozession zieht durch die Straßen Burgwindheims.  Fotos: Joseph Beck
Die Prozession zieht durch die Straßen Burgwindheims. Fotos: Joseph Beck
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Von der Decke der Pfarrkirche St. Jakobus fielen einige Brocken Stuck herab. Doch das war nicht das Hauptproblem der Burgwindheimer, da sie wie schon vor zehn Jahren den Festgottesdienst in die Turnhalle verlegt hatten. Es ist wie immer das Wetter, sprich der mögliche Regen vom Himmel, der ihnen alle Jahre Sorgen bereitet. Das Ausfallen der Prozession würde nämlich laut Überlieferung schlimme Zeiten nach sich ziehen. Diese Befürchtung war dieses Jahr nicht angebracht, denn nach den brütend heißen Tagen zuvor herrschte auch am Donnerstag keine Gewitterstimmung, sondern Hochsommerwetter pur.

In der vollen Turnhalle und mit den zahlreichen Gläubigen davor feierte Erzbischof Ludwig Schick zusammen mit dem Ortspfarrer Albert Müller und weiteren fünfzehn Priestern und zwei Diakonen den Festgottesdienst. Der Erzbischof wurde von den Kommunionkindern Emma und Lukas begrüßt. Dekan Müller hieß neben Schick auch die Mitbrüder aus den anderen Pfarreien willkommen, erwähnte aber besonders die zwei Priester aus Thies und den evangelischen Pfarrer Johannes Kestler aus Aschbach. Er begrüßte auch die Vertreter aus Politik, Polizei, Behörden und Gesellschaft, namentlich Landrat Johann Kalb, MdL Holger Dremel und Bürgermeister Heinrich Thaler (alle CSU). Die Liedertafel Burgwindheim unter ihrem Dirigenten Frank Wilke umrahmte mit einigen Liedern den Gottesdienst musikalisch.

Beim Heiligen Blutsfest erinnere die Kirche immer wieder an den Geist und die Seele, die in allem seien, sagte der Erzbischof in seiner Predigt. Schick und forderte zum Schluss: "Halten wir treu zum Blutsfest und seiner Tradition und leben danach!"

So gestaltete sich die anschließende Prozession wieder zu einem großen Bekenntnis des Burgwindheimer Wunders vor 554 Jahren. An vier prächtig geschmückten Altären, an denen zum Teil von den Kommunionkindern und den Jugendlichen mit vielen Blumen, Gräsern, und Sand Bilder gelegt worden waren, wurde das Allerheiligste verehrt. Schon die Kleinsten trugen in der Prozession ihre Statue mit, gefolgt von den jungen Frauen und Männern mit den ihrigen.

Die Garde der zwölf Soldaten in ihren hellblauen napoleonischen Uniformen mit aufgepflanztem Bajonett auf den Gewehren und kommandiert von Bernhard Kessel begleitete das Allerheiligste, das der Erzbischof durch die Straßen des Marktes trug. Dazu spielte die Jugendblaskapelle unter ihrem Dirigenten Ralf Herbstsommer.

Mesnerin Elke Bätz führte sicher Regie und gab über Funk auch das Kommando zu den Salutschüssen der Kanone, deren Schüsse über das Dorf donnerten. Dekan Müller strahlte nach dem Schlusssegen über das ganze Gesicht und meinte: "Das Fest ist trotz der Hitze rundum gelungen."

4 Uhr früh in der Kapelle

Neben Katharina hatte auch Nicole extra einen Tag Urlaub genommen, um an diesem höchsten Fest teilnehmen zu können. Für Andreas Habersack aus Kappel war es heuer das 60. Mal, dass er um 4 Uhr früh in der heiligen Messe in der Blutskapelle war. Schon mit seiner Mutter sei er als Kind hierher gelaufen. So sei es für ihn geblieben. Später spielte er übrigens auch noch beim Weckruf, der Parade und der Prozession (der großen früh und der kleinen am Nachmittag) in der Blaskapelle mit. Die Messe mit Pfarrer Schmidt aus Frensdorf, die dieser auch schon 20 Mal zelebriert hat, sei gut besucht gewesen, meinte Habersack.

Oskar Noppenberger aus Obersteinach, früherer Zweiter Bürgermeister des Ortes, nach seinem Eindruck der Prozession befragt, meinte: "Es ist schon beeindruckend, diesen spirituellen Geist hier zu spüren und dass es noch so viele Leute gibt, die das so empfinden. Sie finden als Gläubige hier Halt und sind verankert, wo sonst in der Kirche Verbindungen verloren gehen."

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