Bamberg
Personal

Gibt es zu viele Häuptlinge im Bamberger Rathaus?

Der Ruf nach einem dritten hauptamtlichen Bürgermeister und die geplante Beförderung von vier Amtsleitern in die Spitzenkategorie werfen Fragen auf. Ist die Einkommenspyramide im Rathaus noch intakt? Der Vergleich zeigt: Es gibt in Bamberg schon jetzt viele Häuptlinge, doch auch mehr Verantwortung.
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Mehr Spitzenverdiener, mehr Bürgermeister? In Bamberg hat sich eine Debatte um die Personalkosten entwickelt.   Karikatur: Christiane Pfohlmann
Mehr Spitzenverdiener, mehr Bürgermeister? In Bamberg hat sich eine Debatte um die Personalkosten entwickelt. Karikatur: Christiane Pfohlmann
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Leser Hansjörg Luther ist einer von denen, die es ganz genau wissen wollen. "Was verdient der OB, was der Bürgermeister, was der dritte Bürgermeister, wenn er denn kommt? " Und Luther ist nicht allein: Die Nachricht von der wachsenden Zahl von Spitzenverdienern im Rathaus hat viele Bamberger aufgeschreckt. Auf der Straße spekuliert man bereits über Traumgehälter in Dunstkreis muffiger Amtsstuben. Die Frage, die sich stellt: Wird in der Bamberger Rathaus-Bürokratie mehr kassiert als anderswo?

Für Peter Lutz, Leiter des Personalamts der Stadt Bamberg, klingt das wie Hohn in den Ohren. Die letzten Jahre waren im Rathaus nicht von davon geprägt, dass goldene Löffel ausgegeben wurden, im Gegenteil. Die Strukturen wurden vergrößert, viele Ämter zusammengelegt. Das Schulverwaltungsamt? Das Hochbauamt? Das Amt für Gebäudewirtschaft? Sie alle verschwanden, wurden verschmolzen oder gingen in anderen Zuständigkeiten auf. Und es wurde nicht umstrukturiert, um die verbliebenen 28 von 42 Amtsleitern mit deutlich gewachsener Verantwortung in die höchste Gehaltsstufe zu befördern, sagt Lutz: "Unterm Strich sparen wir durch die Reorganisation viel Geld."

Kritik wegen exorbitanter Kosten

Dennoch: Im Personaletat der Stadt ist vom angeblichen Einsparkurs erst einmal wenig zu spüren. Die Ausgaben für die 1444 Mitarbeiter und 1150 Vollzeitstellen in der Stadtverwaltung stiegen in den letzten Jahren kräftig an. Auf 65 Millionen Euro im Jahr 2013. 2014 sollen es gar 67,5 Millionen Euro sein. Schon seit langem macht Heribert Trunk, der Präsident der Industrie- und Handelskammer für Oberfranken, der Stadtspitze den Vorwurf, sie schaue trotz kräftig steigender Personalkosten tatenlos zu.

Doch schaut man in die etwa gleich große Stadt Bayreuth, bestätigt sich die Diagnose einer grassierenden Bamberger Großmannssucht erst einmal nicht. Auch dort weist der Haushaltsplan mit 1168 Stellen eine ähnliche Personalstärke aus. Der Preis dafür, liegt etwas über dem in Bamberg: 69,3 Millionen im Jahr 2014.
Auch in der benachbarten Großstadt Erlangen zeichnet sich ein ähnliches Bild ab: Hier beziffert sich der Personaletat für 1839 Stellen auf auf 99 Millionen. Rückstellungen kommen da aber noch hinzu.

Freilich - es gibt Unterschiede. Vor allem an der Spitze sind sie sogar eklatant. Bamberg leistet sich neben OB und Bürgermeister vier berufsmäßige Stadträte mit Gehältern von 7000 Euro im Monat aufwärts. Und zu den Referenten Bertram Felix, Ralf Haupt, Christian Hinterstein und Thomas Beese kommen demnächst wohl auch vier neue Amtsleiter in der Spitzenkategorie von A 16 hinzu.

Mehr Geld für die "Indianer"

In der Stadt Bayreuth ist man da schon eine Spur bescheidener: Neben der Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe, die, wie Andreas Starke, ein Grundgehalt von 8960 Euro bezieht, leistet sich Bayreuth nach Auskunft der Pressestelle nur einen "Häuptling" in der Luxusklasse B. Zusätzlich gibt es allerdings drei Spitzenbeamte mit A 16.

Zurückhaltung auch bei den beiden gewählten Bayreuther Bürgermeistern. Dem Namen nach handelt es sich um ehrenamtliche Kräfte. Ihre Aufwandsentschädigung beläuft sich auf 27 Prozent des Grundgehalts der Oberbürgermeisterin beläuft, derzeit 2179 Euro. Dazu kommen Sitzungsgelder sowie die Aufwandsentschädigung für Stadtratsmitglieder. Letztere liegt in Bayreuth mit 643 Euro fast 200 Euro über dem, was in Bamberg gezahlt wird. Offenkundig kommt in Bayreuth bei den "Indianern" mehr an als in Bamberg.

Doch natürlich lassen sich die Personalkosten auch von Städten mit gleich großer Einwohnerzahl nur bedingt vergleichen, was an der historisch gewachsenen Struktur von Einrichtungen, dem Vermögen, aber auch den Verpflichtungen liegt. "Bamberg hat ein Theater, Bamberg hat Krankenanstalten. Bamberg hat Schulen. Mit Städten in Ostoberfranken sind wir überhaupt nicht vergleichbar", sagt Peter Lutz. Aber auch in Bayreuth ist man skeptisch ob der Aussagekraft interkommunaler Zahlenspiele: "Man muss sich das Leistungsspektrum und seine Vergleichbarkeit ganz genau anschauen ", meint Pressesprecher Oppold.
Gemessen an seiner Infrastruktur und der Schullandschaft ist trotz der Unterschiede bei der Einwohnerzahl der Vergleich mit Erlangen möglicherweise treffender. Und tatsächlich: Hier zeigt sich beim Spitzenpersonal ein überraschend ähnliches Bild. Der Erlanger OB, der bei der Zahl von 107 000 Einwohnern, immerhin 9419 Euro bekommt, wird von vier berufsmäßigen Stadträten mit B-Besoldung und fünf Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der A-16-Gruppe unterstützt - exakt das gleiche Verhältnis, wie es sehr wahrscheinlich demnächst in Bamberg vorliegt.

Nur ehrenamtliche Bürgermeister

Spannend ist der Blick nach Erlangen auch wegen der aktuellen Diskussion um einen zweiten und einen dritten, wohlgemerkt ebenfalls hauptamtlichen Bürgermeister. Denn die Vorzüge einer hauptamtlichen Bürgermeisterposition mit ihrer vollen beamtenrechtlichen Absicherung genießt in Erlangen nur OB Siegfried Balleis. Die beiden Bürgermeisterinnen Birgitt Aßmus und Elisabeth Preuß sind nach der offiziellen Lesart dagegen nur ehrenamtlich unterwegs, wenn auch mit stattlicher Aufwandsentschädigung, die sich an B 5, also derzeit 8068 Euro, orientiert.

Krass ist der Unterschied zwischen Bamberg und Erlangen beim einfachen Stadtratssalär. Das ist in Erlangen mit knapp 900 Euro doppelt so gut dotiert wie in Bamberg. Mal sehen, ob es hier nicht bald zu Ausgleichsbewegungen kommt.

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