Bamberg

Gibt es in Bamberg zu wenig Lebensmittelkontrollen?

Der Verein Foodwatch kritisiert die unzureichende Zahl der Lebensmittelkontrollen. Auch Stadt und Landkreis Bamberg hinken dem Soll hinterher. Woran liegt das? Ursachenforschung zwischen Herdplatten und Kühlräumen.
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Marco Bierlein kontrolliert im Auftrag des Landratsamtes im Gasthaus Höhn in Memmelsdorf die Frühstückseier.
Marco Bierlein kontrolliert im Auftrag des Landratsamtes im Gasthaus Höhn in Memmelsdorf die Frühstückseier.
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Der unverwechselbare Duft von Sauerbraten liegt in der Luft, Burger brutzeln, Soße blubbert im großen Kochtopf. Leckere Aromen überall. Doch Marco Bierlein ist nicht zum Schlemmen gekommen. Der Lebensmittelkontrolleur sucht nach dem sprichwörtlichen Haar in der Suppe. In der gepflegten Küche von Sebastian Höhn in Memmelsdorf wird er aber nicht fündig. Hier passt alles. Picobello.

Weil sich der FT für ein Foto ankündigte, hatte der Küchenchef diesmal 15 Minuten Vorlaufzeit. Normalerweise kommen die Lebensmittelkontrolleure immer unangekündigt, wie Bierlein versichert.

"Ich habe auch schon in Küchen gearbeitet, wo es hieß: Au weh, Kontrolle! Dann wurde schnell einiges verräumt", erzählt Höhn. Von seinen sechs Mitarbeitern verlange er mehr Sorgfalt. Die letzte Kontrolle sei etwa ein Dreivierteljahr her. "Probleme hatten wir nie." Bierlein nickt.

Wird genug kontrolliert? Die Anzahl der Lebensmittelüberwachungen hat die Verbraucherschutz-Organisation Foodwatch bundesweit beleuchtet. In einer groß angelegten Datenanalyse untersuchte der Verein Stadt für Stadt und Landkreis für Landkreis, wie oft die Besuche stattfinden. Die Ergebnisse geben Anlass zur Kritik. Auch im Raum Bamberg.

In der Stadt wie auch im Landkreis wurde die Vorgabe für die Kontrollfrequenz 2018 nicht eingehalten. Demnach schafften es die beiden Kontrolleure im Auftrag der Stadt nicht, die 1380 Lebensmittelbetriebe in der geforderten Regelmäßigkeit zu besuchen. "Die Soll-Erfüllung lag nur bei knapp über 50 Prozent", kritisiert Foodwatch. Der Verein verweist auf eine Ankündigung der Stadt, dass künftig wieder mehr Kontrollen geschafft werden sollen. Was das konkret bedeutet? Auf diese Frage konnte die Stadt Bamberg gestern auf die Schnelle keine Erklärung abliefern.

Risikobewertung

"Wie häufig die einzelnen Betriebe kontrolliert werden, richtet sich sowohl nach der Sensibilität der jeweiligen Lebensmittel, als auch nach den Ergebnissen vorangegangener Überprüfungen", informiert die Stadt auf ihrer Internetseite.

Im Landratsamt erklärt Pressesprecher Frank Förtsch ausführlich die Hintergründe: "Überwacht werden je nach Risikobewertung: Schlachthöfe (täglich, nicht im Landkreis), Metzgereien, Gaststätten, aber auch Kosmetiker (alle drei Jahre) oder Hersteller von Spielzeug (alles, was mit dem Menschen in Berührung kommen kann)." Die Frequenz könne sich verändern. Wird ein Betrieb beanstandet, dann verkürzt sich die Frequenz der Überwachung.

Die Recherche in Stadt und Landkreis zeigt: Die Kontrolleure können sich nicht zerteilen, machen ohnehin Überstunden. Rückrufe von Lebensmitteln, Dokumentationen und Anfragen von Verbraucherschützern nehmen zu und kosten Zeit. Mehr Überwachung wird es also wohl nur mit mehr Personal geben. Wie viele Kontrolleure sie anstellt, bestimmt die Stadt selbst. Das Landratsamt bekommt das Personal von der Bezirksregierung zugewiesen.

Für Norbert Liebig, den Innungsmeister der Metzger, braucht es nicht mehr Kontrollen: Größere Beanstandungen sind ihm aus Stadt und Landkreis nicht bekannt. "Ein Betrieb lebt von seinem Ruf. Wenn da etwas wäre, kannst du zusperren." Auch Kontrolleur Bierlein bewertet die Zustände bei den Betrieben im Landkreis als "gut bis sehr gut".

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