Bamberg
Gewerbepark

Gewerbepark bewegt die Bamberger

Während die Gegner ein Bürgerbegehren starten, will die Stadt am 14. Juni noch detaillierter informieren.
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Am geplanten Gewerbegebiet auf dem früheren Muna-Gelände scheiden sich noch immer die Geister - nun soll es eine große Informationsveranstaltung dazu geben. Foto: Ronald Rinklef
Am geplanten Gewerbegebiet auf dem früheren Muna-Gelände scheiden sich noch immer die Geister - nun soll es eine große Informationsveranstaltung dazu geben. Foto: Ronald Rinklef
Wenn es um den Gewerbepark Geisfelder Straße geht, scheint es auf den ersten Blick vor allem zwei Lager zu geben. Die einen sind ganz klar dafür, freuen sich über zusätzliche Gewerbeflächen und die damit verbundenen Steuereinnahmen für die Stadt Bamberg. Die anderen sind dagegen, haben eine Bürgerinitiative gegründet und machen mit öffentlichkeitswirksamen Aktionen auf sich aufmerksam. "Doch es gibt viele andere zwischen den Lagern, die wir umfassend informieren und für Fragen zur Verfügung stehen müssen, hier muss die Verwaltung, Konversionsamt und Bauverwaltung, tätig werden", sagt SPD-Stadtrat Heinz Kuntke. Seine Fraktion hatte gefordert, zeitnah eine Informationsveranstaltung zu den Planungen und einem möglichen Gewerbegebiet auf dem ehemaligen Muna-Gelände durchzuführen.
"Aktuell herrscht eine große Verunsicherung über die Planungen für das ehemalige Muna-Gelände, da viele Behauptungen vorgetragen werden, die bisher in den entsprechenden Gremien nicht an uns kommuniziert wurden. Wir befürchteten, dass durch eventuelle falsche Darstellungen die Menschen verunsichert werden", so Heinz Kuntke. Derzeit sei die Bürgerinitiative sehr aktiv, nun müsse auch die Stadt ihre Position offensiver vertreten, Ängste nehmen. "Hier sind die Spezialisten gefragt, wenn man nicht den Gegnern des Vorhabens das Feld überlassen will", sagt Kuntke.
Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) hat den Bürgerwunsch nach umfassender Information aufgenommen und versprochen, darauf einzugehen. Schon bei einer Veranstaltung der CSU in Bamberg-Ost wurde stundenlang vor allem über das geplante Gewerbegebiet diskutiert. "Das sehe ich auch als unsere Aufgabe: Wir müssen immer wieder mit den Bürgern reden und Lösungen finden. Die Stadt braucht Gewerbe, auch um Geld für Schulen oder Kitas zu haben. Ich kann aber auch manche Befürchtungen verstehen." Lange glaubt, dass durch den Austausch von Argumenten "ein vernünftiger Ausgleich von Ökonomie und Ökologie geschafft werden kann".


Städtische Informationsoffensive

Um zu informieren, über konkrete Auswirkungen der Gewerbepark-Pläne zu sprechen und gemeinsam Lösungen zu suchen, hat die Stadt Bamberg mittlerweile einen Termin festgelegt: Donnerstag, den 14. Juni. Wo die große Infoveranstaltung stattfinden soll, wann sie beginnt und ob es Fortsetzungen geben wird, steht noch nicht fest. Die städtische Informationsoffensive zum Muna-Gelände bestimmt auch das aktuelle Rathaus-Journal, wo es auf den ersten drei Seiten um das Vorhaben geht. "Unsere Stadt benötigt dauerhaft eine stabile wirtschaftliche Grundlage. Niemand will dabei einen Kahlschlag von Waldflächen in Kauf nehmen", heißt es im Geleitwort von Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Sensibel solle bei der Ausweisung neuer Gewerbegebiete vorgegangen werden.
Die Idee umfassender Information begrüßt Volker Braun von der Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald": "Das kommt uns sehr entgegen und ist ein Teilerfolg: Unsere Botschaft ist in Teilen der Politik angekommen." Auch er habe immer wieder erlebt, dass Bamberger kaum über die Pläne für den Gewerbepark und seine Dimensionen informiert gewesen seien. Dass seine Mitstreiter so noch umgestimmt werden, kann er sich jedoch nicht vorstellen: "Wir haben das Ziel, jegliche Bebauung noch zu rodender Flächen abzuwenden." Braun geht davon aus, dass bis zum heutigen Ende der Frist viele Einwendungen gegen den Bebauungsplan bei der Stadt eingegangen sein werden. Er hofft zudem auf eine Fristverlängerung. "Alle Unterlagen zu dem Vorhaben umfassen rund 1000 Seiten, das braucht Zeit, sich da einzulesen."
Den Vorwurf, dass die Gewerbepark-Gegner mit falschen Zahlen für Verunsicherung sorgten, weist Braun zurück: "Wenn wir Größenanordnungen angeben, dann zitieren wir immer aus der Begründung zum Bebauungsplan." Wie viele Einwendungen bislang gegen den Bebauungsplan eingegangen sind, kann Stephanie Schirken-Gerster von der städtischen Pressestelle noch nicht sagen, diese würden erst ab Freitag ausgewertet. Im ersten Durchgang der Bürgerbeteiligung hatten mehr als 130 Bürger Stellung zu den ursprünglichen Plänen bezogen. Die Planungen wurden danach noch stark verändert (unter anderem die Gewerbeflächen deutlich reduziert) und gegen die GAL-Stimmen auch vom Konversionssenat bestätigt.
Eine Fristverlängerung ist laut Schirken-Gerster aber nicht geplant: "Die Unterlagen lagen ohnehin schon 40 statt der 30 gesetzlich vorgesehenen Tage aus."

Bürgerbegehren startet

Das unter anderem vom Bund Naturschutz und der Bürgerinitiative "Für den Hauptsmoorwald" angekündigte Bürgerbegehren soll nun konkret werden: In der kommenden Woche will die Bürgerinitiative anfangen, Unterschriften zu sammeln. Darin war man laut Volker Braun auch schon in anderer Sache erfolgreich: Die Petition für die Suche nach einem alternativen Polizeistandort hätten bereits mehr als 4000 Bürger unterzeichnet, weshalb man sie nun vorzeitig beenden könnte. Die Unterschriften würden voraussichtlich im Rahmen des Nationalparktags am 9. Juni am Maxplatz übergeben.

KOMMENTAR von Stefan Fößel :

Ein bisschen spät

Es ist eine gute Idee, alle interessierten Bürger ausführlich über die Gewerbepark-Pläne zu informieren. Nur hätte es die großen Informationsveranstaltungen zu dieser komplexen Materie schon viel früher geben müssen, nicht erst vier Wochen, nachdem auch die zweite Öffentlichkeitsbeteiligung endet. So blieb das beachtliche Vorhaben für viele eine vage Vorstellung. Kein Wunder, dass die mittlerweile sehr aktiven Gegner starken Zulauf bekamen. Es ist zu hoffen, dass die Infoveranstaltung mehr sein wird als der interessengefärbte Austausch bekannter Positionen. Die Bürger sollen aufgrund sachlicher und verständlicher Darstellung verstehen, was sich im Bamberger Osten verändern soll. Und dann entscheiden, wie sie dazu stehen.
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