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Gesundheitszentrum statt Schellerer-Klinik

70 Jahre nach der Eröffnung der Schellerer-Klinik wird es keine Operationen mehr am Heinrichsdamm geben. Die 20 Betten, die es bisher in der Klinik am Heinrichsdamm gab, ziehen in den vierten Bettenturm an den Bruderwald.
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Dr. Klaus Schellerer (rechts) unterhält sich in seinem ehemaligen Kinderzimmer mit seiner Schwägerin Gabriele Schellerer und Xaver Frauenknecht, dem Geschäftsführer der Sozialstiftung Bamberg. Das alte Kinderzimmer ist heute ein Wartebereich mit Anmeldung im MVZ Dr. Schellerer. Die Klinik am Heinrichsdamm wird nun zu einem Gesundheitszentrum.  Foto: Friederike Stark
Dr. Klaus Schellerer (rechts) unterhält sich in seinem ehemaligen Kinderzimmer mit seiner Schwägerin Gabriele Schellerer und Xaver Frauenknecht, dem Geschäftsführer der Sozialstiftung Bamberg. Das alte Kinderzimmer ist heute ein Wartebereich mit Anmeldung im MVZ Dr. Schellerer. Die Klinik am Heinrichsdamm wird nun zu einem Gesundheitszentrum. Foto: Friederike Stark
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Wehmut ist zu spüren. Vermischt mit Stolz auf das, was war. Vor 70 Jahren, am 6. Februar 1950, öffneten sich die Türen zur Klinik Dr. Schellerer. "Eine von zehn Privatkliniken, die es damals in Bamberg gab", sagt Dr. Klaus Schellerer, Sohn der Klinikgründer Dr. Heinrich und Margarete Schellerer. Und die einzige, die sich gehalten hat. Heute, sieben Jahrzehnte später, zieht die Klinik mit ihren aktuell 20 Betten in den vierten Bettenturm des Klinikums Bamberg am Bruderwald.

Ganz zur Freude von Xaver Frauenknecht, dem Geschäftsführer der Sozialstiftung Bamberg. "Uns freut es, dass die Patienten, die bisher in der Klinik am Heinrichsdamm untergebracht waren, nun in einem Maximalversorger-Krankenhaus ihren Aufenthalt verbringen können."

Klinik zieht um

Die Klinik am Heinrichsdamm soll nun das Gesundheitszentrum am Heinrichsdamm werden. Dafür würden der Operationssaal stillgelegt und die Krankenzimmer an den Bruderwald verlegt. "Der Unterbringungsstandard wird sich aber nicht verändern. Es wird weiterhin nur Ein- und Zweibettzimmer geben", verspricht Frauenknecht und zieht dabei schwungvoll den Vorhang in einem der Patientenzimmer am Heinrichsdamm zur Seite. "Nur auf den schönen Ausblick werden die Patienten künftig verzichten müssen", sagt er und sein Blick schweift über die Dächerlandschaft Bambergs, den Main-Donau-Kanal und die Luitpoldbrücke.

Wohnortnahe Versorgung

Aus der Klinik selbst soll nun ein Gesundheitszentrum werden. Frauenknecht: "Das Schlagwort ist wohnortnahe Versorgung." Die psychiatrische Ambulanz, die bisher in der Klinik am Michelsberg untergebracht ist, wird in die Räume der Schellerer-Klinik ziehen. Zusätzlich soll ein Quartiersbüro eingerichtet werden, eine zentrale Anlaufstelle, in der Patienten ambulante Unterstützung und Hilfe finden. Eine Einrichtung, die der neuen Geschwindigkeit im Gesundheitsbereich entgegenkommen soll. "Früher lag ein Patient nach einer Gallenblasen-OP rund 17 Tage in der Klinik. Heute sind es nur noch zwei Tage", erklärt Frauenknecht. In Zukunft könne eine Gallenblasen-OP sogar ambulant erfolgen. "Mögliche Nachsorge-Termine können dann im nächst gelegenen Quartiersbüro wahrgenommen werden", beschreibt Frauenknecht die Zukunft.

"Außerdem soll ein Hygienetechnologie-Kompetenzzentrum entstehen", erklärt Frauenknecht. In diesem Kompetenzzentrum soll beispielsweise das Reinigungspersonal der Sozialstiftung geschult werden. "Wir wollen aber unsere Kompetenz auf diesem Feld auch anderen Firmen verkaufen."

Bereits vor 15 Jahren hatte die Sozialstiftung die Klinik Dr. Schellerer gepachtet und zur Klinik am Heinrichsdamm umbenannt. Zusätzlich wurde das MVZ (Medizinische Versorgungszentrum) Dr. Schellerer gegründet.

Sieben Jahrzehnte ist es her, dass Dr. Heinrich und Margarete Schellerer die Klinik mit zwölf Betten eröffneten. In den 60er Jahren erwarben die Schellerers das Nachbarhaus Heinrichsdamm 2 und vergrößerten ihre Klinik auf 24 Betten. 1974 starb Heinrich Schellerer und stellte seine Söhne Klaus und Wolf vor die Frage, ob sie die Klinik übernehmen. "Ich war gerade Anfang 30, als ich die Entscheidung traf, die Klinik zu leiten", erinnert sich Klaus Schellerer. Zehn Jahre später schloss sich sein Bruder Wolf, inzwischen mit dem Titel Professor in der Tasche, ihm an und stieg in die Klinik- und Praxisleitung mit ein.

Jahre der Innovation

Für die Brüder waren die nächsten Jahre aufregend: "Wir konnten alles selbst entscheiden. Wenn wir neue Geräte anschaffen wollten, mussten wir keinen Verwaltungsrat um Erlaubnis fragen", erinnert sich Klaus Schellerer. Ein Grund, warum die Schellerer-Klinik einige Operationen früher als manche Großkliniken anbieten konnte. "Dank guter persönlicher Beziehungen zu unserer Ausbildungsklinik Erlangen und anderen Kliniken bundesweit konnten wir immer wieder Spezialisten und namhafte Operateure in unsere Klinik holen, die uns beraten haben oder bei uns operiert haben", sagt Klaus Schellerer. Ende der 90er Jahre kamen ein neuer OP-Trakt hinzu mit großem Operationssaal, Aufwachstationen und Funktionsräumen.

Was aus dem OP-Saal nun werden soll, steht noch nicht fest. Doch für alles andere habe die Sozialstiftung schon genaue Pläne - auch für die Mitarbeiter, die zum Teil schon seit 20 Jahren in der Schellerer-Klinik arbeiten. "Alle Mitarbeiter werden im Klinikum am Bruderwald arbeiten können", sagt Frauenknecht. Zwar würden sie nicht mehr in einem Team arbeiten, aber für alle habe man eine gute Lösung finden können. "Für sie ist es natürlich schade, dass sie nicht mehr zusammenarbeiten werden", sagt Gabriele Schellerer, Wolf Schelerers Ehefrau.

Die Klinik nun, nach 70 Jahren, zu schließen, ist für Familie Schellerer "schon sehr traurig". Mit der Schließung der Klinik am Standort Heinrichsdamm endet auch die berufliche Laufbahn von Klaus Schellerer. Noch ein letztes Mal stand er im Januar im OP. Doch nun ist Schluss.

Manches bleibt

Klaus Schellerer aber bleibt. Er wohnt weiterhin in dem Gebäude, das auch sein Elternhaus war. Erlebt die Zukunft des Gebäudes mit. Das Haus befand sich immer im Wandel, sein Kinderzimmer ist heute ein Wartebereich für Patienten, das ehemalige Wohnzimmer ein Behandlungszimmer. Und noch etwas bleibt, wenn Klaus Schellerer es möchte. Das zumindest verspricht Xaver Frauenknecht: Die Bilder seiner Ehefrau Elke Schellerer. "In der ganzen Klinik hängen ihre Bilder und die können gerne bleiben", sagt der Geschäftsführer der Sozialstiftung.

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