Bamberg
Demonstration

Gesicht zeigen gegen Rechtsruck

Unter dem Motto "Herz statt Hass" gingen zahlreiche Menschen in Bamberg auf die Straße.
Artikel drucken Artikel einbetten
Herz statt Hass: Die Kundgebungsteilnehmer in der Luitpoldstraße auf dem Weg durch die Stadt Fotos: Julian Megere
Herz statt Hass: Die Kundgebungsteilnehmer in der Luitpoldstraße auf dem Weg durch die Stadt Fotos: Julian Megere
+10 Bilder

Beim derzeit traumhaften Sommerwetter könnte man auch locker in den Hain gehen und die Füße im Wasser baumeln lassen. Oder aber gemeinsam auf die Straße ziehen, um unter dem Motto "Herz statt Hass" zu demonstrieren.

Das "Junge Bündnis für Offenheit, Toleranz und Menschlichkeit" hat hat am Samstagnachmittag gut 150 Menschen zum Bahnhofsvorplatz gezogen. In Bezug auf 70 Jahre Grundgesetz findet der Organisator Moritz Angstwurm: "Die Würde des Menschen ist unantastbar. Gilt das heute noch überall?" Um den Menschen eine Stimme zu geben, die symbolisch für so viele engagierte Menschen stehen, zitierte er die kürzlich auf "ProSieben" gezeigte Aktion der Comedians Joko und Klaas. Eine Viertelstunde lang kamen die Kapitänin Pia Klemp, welche in der Seenotrettung im Mittelmeer aktiv ist, sowie ein Sozialarbeiter der Obdachlosenhilfe in Berlin und eine Frau, die sich gegen offene Angriffe durch Neonazis in ihrem Dorf stellt, zu Wort.

"Hass hat viele Gesichter", betont Heinrich Schwimmbeck von der "Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes". Egal ob es sich um Fremdenfeindlichkeit oder Ausgrenzung von Arbeitslosen, Menschen mit einer anderen sexuellen Orientierung oder geistige Beeinträchtigung handele, der Mechanismus bleibe immer derselbe: "Zuerst wertet man Menschen ab, in dem man sie als Kriminelle und Schmarotzer abstempelt. Dann werden sie umso leichter ausgeschlossen." Wenn in der Gesellschaft faschistisches Gedankengut durch die Verrohung der Sprache wieder salonfähig werde, werde Antifaschismus zu Pflicht, hebt Schwimmbeck hervor. Das Publikum spendet dafür kräftigen Applaus.

Unter Slogans wie "Herz statt Hass!" und "Es gibt - kein Recht - auf Nazi-Propaganda!" bahnt sich der Demozug seinen Weg in die Stadt hin zum Maxplatz. Vom Lautsprecherwagen schallen unter anderem Klassiker von "Die Ärzte" wie "Deine Schuld". Viele Teilnehmer haben weinrote Herzen als Pappschilder um den Hals.

Gegen pauschale Diffarmierung

Ein wichtiges Thema auf der Demo war auch die kürzliche Berichterstattung in der lokalen Presse in Sachen Gegenkundgebungen zu Aufmärschen rechtsextremer Parteien. Mehrfach wurde ein Mangel an Objektivität bei den Geschehnissen am vorangegangenen Wochenende zur Sprache gebracht: "Hier stellt sich ein breites Bündnis, das für Demokratie, Vernunft und Lebensfreude steht, gewaltbereiten Nazis in den Weg", stellt Matthias Werner klar. Eine pauschale Diffamierung der 200 Teilnehmer der Gegenkundgebung als Linksextreme lehne er ab. "Die Resolution des Stadtrates, sich gegen jede Form des Extremismus auszusprechen, relativiert rechte Gewalt!", macht Werner deutlich. Die Menschen stimmen ihm mit kräftigem Applaus zu.

"Wir brauchen ein beherztes Einmischen in der Gesellschaft: Zivilcourage ist das beste Gegengift bei Hass!", fordert Mitra Sharifi, welche für das Bamberger Bündnis gegen Rechtsextremismus sprach. Man dürfe nicht zulassen, "dass die Menschenhasser und Ewiggestrigen sich als Alternative für die Zukunft etablieren." Gleichzeitig sieht sie auch die Stadt Bamberg in der Pflicht: Jeder Mensch müsse die Möglichkeit haben, an Wahlen teilzunehmen und gehört zu werden. Es müsse mehr getan werden für Bildungsarbeit. "Opfer von Rassismus brauchen mehr Unterstützung von Seiten der Stadt", betont Sharifi, welche auch als stellvertretende Vorsitzende im Migrations- und Integrationsbeirat der Stadt sitzt.

"Wir müssen zusammenstehen, wenn rechtsextreme Tendenzen sichtbar werden", erklärt Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD). Menschen aus 130 Nationen leben in Bamberg. "Da machen wir keinen Unterschied, die Würde des Menschen ist unantastbar", betont Starke, welcher auch als Schirmherr der Veranstaltung dabei ist. Zur Verteidigung der Resolution des Stadtrates in puncto Extremismus führt er an "dass wir wollen, dass in der Stadt der Respekt obsiegt."

"Es ist wichtig, für Toleranz und Offenheit auf die Straße zu gehen. Und dass die Angst vor Menschen die anders sind, genommen wird", findet die Studentin Jana Borrmann. "Ich will, dass es nicht so viel Hass auf der Welt gibt", meint die neunjährige Romi Resatsch. Jetzt müssten nur noch die Schüler von "Fridays for future" mitmachen, "die wollen auch eine gute Welt für alle Menschen."

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren