Bamberg
Innenstadt

Geschäftsleute in Bamberg von Großbaustelle überrascht

Das Einzeldenkmal Lange Straße 22, Tor zu den Theatergassen, musste Hals über Kopf geräumt werden. Einsturzgefahr herrscht wohl nicht, aber akuter Handlungsbedarf. Geschäftsleute beklagen die Situation.
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In kürzester Zeit wurde die Lange Straße 22 geräumt und eingerüstet. Alle Fotos: Barbara Herbst
In kürzester Zeit wurde die Lange Straße 22 geräumt und eingerüstet. Alle Fotos: Barbara Herbst
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Auf einmal ging alles ganz schnell, in der Langen Straße 22. Immer wieder hätten er und andere Mieter den Hausbesitzer auf Schäden aufmerksam gemacht, sagt Peter Klecha, Geschäftsführer der bvd & reisen GmbH. Doch passiert sei so gut wie nichts.

Nun besteht angeblich Einsturzgefahr für das barocke Einzeldenkmal am Eingang zu den Theatergassen, weshalb der bvd-Kartenservice und das TUI-Reisebüro überstürzt ausziehen mussten.

Der Eigentümer brachte seine Laden-Mieter provisorisch nebenan unter: in den leer stehenden Räumen des ehemaligen "easy Living" im Haus Nummer 24, das ihm ebenfalls gehört.

Provisorium vor Härtetest

Der Notbetrieb läuft laut Klecha einigermaßen; auch die von Haus 22 nach 24 verlegten Datenverbindungen, auf die Kartenservice und Reisebüro angewiesen sind, würden zum Glück
funktionieren.
Morgen stehen das Notquartier und die Technik vor einem Härtetest: Es startet der Einzelverkauf für die Symphoniker-Abonnements, der stets mit großem Besucherandrang verbunden ist: "Da stehen manche Leute ab 8 Uhr an."

Nicht nur Klecha hofft, dass potenzielle Kunden sich in die eingerüstete und verschmutzte Passage wagen. Auch andere Geschäftsleute in den "Theatergassen" beklagen die fatale Außenwirkung. Nach übereinstimmender Auskunft wurden alle von der Großbaustelle überrascht; niemand konnte seine Kunden "vorwarnen".

Lokal musste schließen

Zu den Hauptleidtragenden zählt Joseph Birkner, der sein Lokal schon vor Wochen schließen musste, weil davor ein riesiges Loch klafft.

Seit der Hof hinter der Langen Straße 22 aufgegraben wurde, um an einen Keller mit Wasserschaden zu kommen, fehlt auch dem Schuhsalon Wegner der Zugang zu seinem Schaufenster. Inhaberin Margarete Dornhöfer erwägt schon die Schließung - für immer. Sie fragt: "Wie soll ich das ein Jahr oder länger durchhalten?"

Die Lange Straße 22 wird länger eine Baustelle sein. "Das Haus hat gravierende Schäden", weiß Bambergs Baureferent Thomas Beese. Über die Ursachen mag er nicht spekulieren.

Tatsache ist: Arbeiter haben in kürzester Zeit viele massive Balken eingebracht, um das Haus zu stützen. Einige stehen auch in dem Raum, in dem die Bamberger noch kürzlich ein- und ausgegangen sind, um Theater- und Konzertkarten zu kaufen.

Eine akute Einsturzgefahr besteht laut Beese nicht; er beruft sich auf zwei Ingenieurs-Gutachten. Sonst, so gibt er zu bedenken, wären Gehsteig und Passage schon gesperrt.

Die unverzügliche Räumung soll trotzdem nötig gewesen sein, weil Böden und Decken für weitere Untersuchungen geöffnet werden müssen.
Der Baureferent bestätigt, dass auch die Familie von Gastwirt Birkner aufgefordert ist, binnen weniger Tage auszuziehen. Ihr Pech: Sie wohnt zwar in der Langen Straße 24, die Erschließung erfolgt aber über Haus Nummer 22, den Sanierungsfall.

Während die Familie nach einer Ersatzwohnung sucht, braucht Klecha schnell eine neue Bleibe für seine Firma. Man kann nur kurz im Notquartier bleiben: Der Hausbesitzer hat angeblich ab September neu vermietet - nach vierjährigem Leerstand.

Die gewöhnlich gut unterrichteten Bamberger Kreise haben keine näheren Informationen und der Eigentümer beider Anwesen hüllt sich in Schweigen. Seine in Berlin ansässige Verwaltung durfte der Lokalredaktion nicht einmal bestätigen, dass es sich um einen Investmentfond aus Luxemburg handelt . . .

Kündigung nach über 30 Jahren

Dass ein neuer Mieter unter diesen Vorzeichen einzieht, kann sich Klecha nicht vorstellen. Davon unabhängig: Ihm wurde nach über 30 Jahren im Haus gekündigt.
Mit juristischer Hilfe kämpft er nun um ein Bleiberecht, bis seine Suche nach neuen Geschäftsräumen in der Innenstadt erfolgreich ist. Er ist zuversichtlich, dass ihm dies noch im Herbst gelingt.
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