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Gefängnis

JVA Bamberg: Überfüllung und Drogenhandel - wie schlimm sind die Zustände im Gefängnis wirklich?

Wie schlimm sind die Zustände hinter den Gefängnismauern der JVA Bamberg wirklich? Bei der Verhandlung eines Falles kamen nun erschreckende Details zum Vorschein.
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Eine Zelle in der JVA Bamberg. Foto: Sebastian Schanz
Eine Zelle in der JVA Bamberg. Foto: Sebastian Schanz

Bei der Verhandlung des Falles von Dominik E. (Name geändert) in der JVA Bamberg kamen auch die Zustände hinter den Mauern ans Tageslicht. Demnach wurde Dominik E. im Gefängnis drogenabhängig. Kräutermischungen gelangten ins Innere der Anstalt. Wie das geschah, konnte nur gemutmaßt werden. Von Überwürfen kleinerer Päckchen über die Außenmauer, von Einwürfen von der Straße aus direkt in die Zellen oder von Übergaben im nicht videoüberwachten Besucherraum berichteten Zeugen.

Aufsichtspersonal bemerkte nichts

Drinnen gab es wohl auch Mobiltelefone, um mit der Außenwelt Kontakt aufzunehmen, wie kürzlich der Fall dreier Crystal-Meth-Schmuggler gezeigt hatte. Dort hatte der Hauptangeklagte seelenruhig mit seiner Familie und Bekannten gechattet. Dominik E. gab zu, drei bis fünf Mal in der Woche Drogen geraucht zu haben, ohne dass ihm das Aufsichtspersonal auf die Schliche gekommen war. Bei nur monatlichen, unangekündigten Zellendurchsuchungen "könnten Drogen eine gewisse Zeit unentdeckt bleiben," so der JVA-Leiter.

Überfüllung, Krätze, kaum Arbeit: Häftling bemängelt Zustände in JVA Bamberg

Von "massiven Sicherheitslücken" sprach Rechtsanwalt Jochen Kaller (Bamberg), der vor allem bemängelte, dass sein Mandant zwar in einem speziellen Haftraum mit Videokamera saß, offenbar aber niemand an den Bildschirmen auf der Abteilung oder im Torraum bemerkte, wie Dominik E. eine halbe Stunde vor dem schweren Angriff auf einen JVA-Beamten randalierte. Vielleicht weil die JVA Bamberg "sehr gut besucht" ist, wie ein JVA-Mitarbeiter zugab. "Eine ständige Überwachung ist gar nicht zu leisten."

Schwierigkeiten bei der Sicherheitslage

Auch die etwa zehn Tage zuvor verübten Tätlichkeiten gegenüber zwei Häftlingen beim Hofgang hatten offenbar niemanden sensibilisiert. Dass es für Häftlinge bislang möglich war, Lebensmittel in Glasbehältnissen zu erwerben, das hat Anstaltsleiter Ulrich Mann - übrigens auch für Kronach zuständig - inzwischen abgestellt.

"Mit einer entsprechenden Scherbe wäre es noch viel schlimmer gekommen," so Rechtsanwalt Kaller, der ähnliche Schwierigkeiten für die Sicherheitslage auch in Schweinfurt, Bad Reichenhall und Traunstein bemerkt haben will. Zudem sagte Mann zu, die Essensausgabe stets durch einen weiteren JVA-Beamte absichern zu lassen. "Wir haben aber seit Jahren immer größere Probleme mit psychisch auffälligen, gewalttätigen Verhaltensweisen."

Das Urteil von Dominik E. steht fest

Kein versuchter Totschlag, und auch keine gefährliche Körperverletzung. Stattdessen lautet das Urteil von Dominik E. Freispruch wegen Schuldunfähigkeit und die mehrjährige Einweisung in eine geschlossene Abteilung zur Bekämpfung der Drogensucht. Das hat die 2. Strafkammer des Landgerichtes entschieden. Sie hatte über eine Vielzahl von Gewalttaten in der JVA Bamberg zu urteilen.

Drogen haben Angeklagten psychisch krank gemacht

Auch wenn einige im Gerichtssaal, darunter auch der Kammervorsitzende Richter Manfred Schmidt, damit gerechnet hatten, war das Gutachten des Würzburger Psychiaters Jörg Groß denn doch ein Paukenschlag. Während der Taten sei Dominik E. schuldunfähig gewesen und sei deshalb freizusprechen. Der Grund war eine vorübergehende Psychose, die durch Kräutermischungen ausgelöst worden war. Etwas Ähnliches hatte bereits das Amtsgericht Bamberg vor zwei Jahren konstatiert.

Zuvor war Dominik E. keinem als besonders gefährlich aufgefallen. Dann aber sei er explodiert. Vor allem wenn es um Tabak gegangen sei, eine der Tauschwährungen hinter Gittern, mit der man auch Rauschgift erwerben könne. Ganz ungeschoren kommt Dominik E. aber dennoch nicht davon. Zum einen bekam er neun Monate Freiheitsstrafe wegen zweier Körperverletzungen im Oktober 2016, während derer er nicht unter dem Einfluss der synthetischen Drogen gestanden hatte. Und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt wird auch kein Urlaub werden.

Das hat Dominik E. am eigenen Leib erfahren, denn er ist er seit April 2018 in der geschlossenen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Bayreuth, um mit einer Therapie vom Rauschgift loszukommen. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten, hatte Dominik E. vor vier Jahren doch bereits eine Therapie im Bezirksklinikum Parsberg torpediert, indem er Mitarbeiter und Patienten provozierte und während des Aufenthalts Kräutermischungen geraucht hatte.



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