Scheßlitz
Alter

Gepflegte Wohnungen sind teuer

Derzeit entstehen im Raum Bamberg mehrere Millionenprojekte mit barrierefreien Apartments für Senioren samt Möglichkeit der Betreuung.
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Modern, schick, barrierefrei: Eine Simulation zeigt das geplante Wohnprojekt in Viereth-Trunstadt. Hier entstehen 50 Apartments. Foto: Domizilium-Unternehmensgruppe
Modern, schick, barrierefrei: Eine Simulation zeigt das geplante Wohnprojekt in Viereth-Trunstadt. Hier entstehen 50 Apartments. Foto: Domizilium-Unternehmensgruppe
Wie möchte ich im Alter leben? In der alternden Gesellschaft treibt viele Menschen diese Frage um. Derzeit entstehen im Raum Bamberg mehrere moderne Wohnformen für Senioren, die größten in Viereth-Trunstadt, Scheßlitz und Hirschaid: Klein, schick, anspruchsvoll ausgestattet, barrierefrei und selbstgestaltet sind die Apartments, mit Pflegekräften in Bereitschaft. Das hat seinen Preis. Dennoch ist die Nachfrage groß.
"Wir sind auf sehr reges Interesse gestoßen", berichtet Robert Auer von der Unternehmensgruppe Domizilium aus Schongau, die auf einem Areal des ehemaligen Klosters im Zentrum von Viereth-Trunstadt eine moderne Wohnanlage mit 51 Apartments schaffen möchte. Flexibel erweiterbar sind die mit Abstellraum jeweils 40 Quadratmeter großen Module, die derzeit Interessenten locken. Nach Zuschuss durch die KfW-Bank kostet jedes 154 000 Euro - der Preis pro Quadratmeter: 3850 Euro.
Echtholzparkettboden, Fußbodenheizung, elektrische Rollläden, kabelloses Internet und, und, und: Die energiesparenden Apartments im Niedrigeffizienzhaus haben viele Extras. Das Wichtigste aber ist der Ansatz "gepflegt Wohnen": Selbstständig bleiben in den eigenen vier Wänden - mit Betreuung und Pflege nach Bedarf. Im Fall der Fälle sind Pflegekräfte in der Nähe.
Derzeit läuft die Bauleitplanung für das 5300 Quadratmeter große Gelände am Hang, berichtet Gerd Franke, Geschäftsleiter der Gemeindeverwaltung. Gleichzeitig sondiert die Domizilium-Gruppe, ob die Wohnungen verkauft, vermietet oder in Form einer Genossenschaftsbeteiligung angeboten werden. Ziel sei es, im Frühjahr 2019 mit dem Bau des zwölf Millionen Euro teuren Projekts zu starten.

In Hirschaid gehen die Bauarbeiten nun los. Die Planungen für das mit rund 15 Millionen Euro veranschlagte Projekt leitet die "Zusammen wohnen - zusammen leben GmbH" aus Küps, Bauträger ist die "K und M Immobilien GmbH". Nächstes Jahr im Herbst sollen die 53 Wohnungen beziehbar sein.
"Ich stehe absolut positiv dahinter", sagt Bürgermeister Klaus Homann (CSU). "Es handelt sich um eine alternative Form des Wohnens im Alter, die ziehe ich dem Heim auf jeden Fall vor." Klar habe es auch kritische Stimmen gegeben, vor allem was die Preise zwischen 170 000 und 490 000 Euro pro Apartment betrifft. Auch für weniger gut betuchte Bürger brauche es Angebote. Aber Homann hält das Projekt dennoch für ein sehr gutes. In Verbindung mit der angebotenen Sozialstation, die von dem ambulanten Pflegedienst Niepel betrieben wird, können laut Homann Menschen bis zu Pflegestufe Zwei darin wohnen. Gemeinschaftsräume und Gästezimmer, ein Wellnessbereich und Sportangebote sind integriert. "Für mich ist der Sprung hinaus aus der eigenen Wohnung, rein ins Pflegeheim zu groß", sagt der Bürgermeister.

Sein Scheßlitzer Amtskollege Roland Kauper (CSU) sieht für seinen Ort ebenfalls eine Bereicherung. "Es ist eine Lücke die geschlossen wird", sagt er zu den 63 behindertengerechten Wohnungen, die in Scheßlitz entstehen sollen. Zwischen 40 und 70 Quadratmeter messen die Ein- bis Dreizimmerapartments in den Plänen der "Zusammen wohnen - zusammen leben GmbH", die auch hier die Federführung hat. Aufenthalts- und Wellnessräume sind ebenfalls mit im Haus: "Man ist selbstständig, aber es ist jemand da, wenn etwas passiert", schildert Kauper, wo er den großen Vorteil sieht. Mit 13,2 Millionen Euro ist das Bauprojekt veranschlagt, das im Herbst beginnen soll. Und auch die Wohnungen haben ihren Preis: rund 3400 pro Quadratmeter bei den kleinsten Ausführungen.
Die Preise der einzelnen Anbieter lassen sich schwer gegenüberstellen, weil Ausstattungen und Angebote variieren. "Man kann diese Wohnformen auch nicht mit normalen Wohnungen vergleichen", sagt Karl-Heinz Wunder, geschäftsführender Gesellschafter bei "Zusammen wohnen - zusammen leben".
Die Kosten für die Pflegemaßnahmen würden in der Regel von der Pflegeversicherung und den Krankenkassen übernommen. Die Kombination aus ambulanter Pflege und Tagespflege mache das Angebot so interessant und letztlich preisgünstiger als den Aufenthalt im Heim, betont Robert Auer von der Unternehmensgruppe Domizilium. Zusatzkosten kämen auf die Bewohner nur im überschaubaren Rahmen zu, wenn etwa Fahrdienste oder Haushaltshilfen dazugebucht würden, die nicht über die Pflegestufe und damit die Versicherung abgedeckt werden.

Auch in Bamberg-Ost soll ein großer Komplex für Senioren entstehen - mit Preisen um die 3700 Euro pro Quadratmeter. Der "Wohnpark am Tivolischlösschen" wird laut Projektbeschreibung auf einem rund 6000 Quadratmeter großen Grundstück an der Starkenfeldstraße errichtet. Gemeinschaftsflächen, Foyer, Quartierscafé, Fitness- und Veranstaltungsbereich: Auch hier setzt das Konzept auf Geselligkeit. Planer des 20-Millionen-Euro-Projekts ist die "Raab Wohnbau GmbH", die in Coburg-Cortendorf mit dem "Wohnpark am Hahnfluss" bereits eine ähnliche Anlage errichtet hat.
"Die Service-Wohnanlage Bamberg besteht aus drei Gebäuden mit 84 barrierefreien Zwei- und Dreizimmerwohnungen zwischen 50 und 88 Quadratmetern Wohnfläche", heißt es in der Infobroschüre. "Sprudelndes Wasser, blühende Planzen, Sitz- und Bewegungsbereiche sollen auffordern, sich viel im Freien aufzuhalten, um fit und gesund zu bleiben."
Pflegekräfte sind vor Ort - eine Tatsache, die Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) in einem Grußwort in der Infobroschüre besonders hervorhebt: "Die Sozialstiftung Bamberg Altenhilfe gGmbH wird als qualifizierter Betreiber das innovative Konzept gewährleisten: größtmögliche Selbstständigkeit so lange wie möglich, bei Bedarf maßgeschneiderte, optionale Unterstützungsleistungen und hohe Sicherheit für Senioren." Weiter schreibt der OB: "Großen Stellenwert haben für mich vor allem die vielfältigen Tagesangebote, die zusammen mit einem passenden Beratungsangebot über das künftige Quartiersbüro der Sozialstiftung direkt im Haus angeboten werden." Die angestrebte Verknüpfung von Wohnen und Pflege trage entscheidend dazu bei, dass die Stadt Bamberg auch künftig für Menschen jeden Alters attraktiv bleibt. Im kommenden Herbst soll laut "Raab Wohnbau GmbH"eine Infoveranstaltung zu dem Projekt an der Starkenfeldstraße stattfinden.

Sebastian Schanz


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