Bamberg
Adventskalender

Gemüse im Licht der Sonne

Ein Brunnen an der Weide, der 1891 von dem Bildhauer Friedrich Christ geschaffen wurde, hat viel zu erzählen. Lore Kleemann geht auf Spurensuche
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Lore Kleemann hat herausgefunden, dass der Knabe, der den Brunnen krönt, früher an ganz anderer Stelle sein Gemüse in den Himmel hielt.  Foto: Eva-Maria Bast
Lore Kleemann hat herausgefunden, dass der Knabe, der den Brunnen krönt, früher an ganz anderer Stelle sein Gemüse in den Himmel hielt. Foto: Eva-Maria Bast

Der kleine Junge steht hoch oben auf seinem Sockel und reckt die rechte Hand hinauf, in der er ein Stück Gemüse halt - ein wenig sieht es aus wie Rettich -, als wolle er im Sonnenlicht dessen Qualität überprüfen. Vielleicht hat er das mit seiner ganzen Ernte vor, die er bündelweise im linken Arm halt.

Der Brunnen, der ihn heute umgibt, ist recht schlicht. Doch das war nicht immer so, wie Lore Kleemann zu erzählen weiß. Sie kennt die Gegend, in der der Brunnen steht - die sogenannte Weide - gut, hat die Denkmalpflegerin doch viel über die Villenkolonie geforscht und war hier aus diesem Grund immer wieder unterwegs. "Der Knabe gehörte zu einem Brunnen, der 1891 von dem Bildhauer Friedrich Christ geschaffen wurde", erzählt sie. "Früher befand er sich ein paar Hundert Meter weiter stadteinwärts am Markusplatz."

Damals, hat sie auf alten Bildern entdeckt, stand er inmitten eines geschweiften Bassins, das von Kleintieren aus Hartblei geziert wurde. "Finanziert worden war der Brunnen vom Verein zur Förderung des Fremdenverkehrs und der Verschönerung der Stadt", erzählt sie weiter. Der Verein hatte den in München lebenden, aber in Bamberg geborenen Bildhauer Fritz Christ gewinnen können, das Wasserspiel zu gestalten. "Er hatte an der Akademie der Bildenden Künste studiert und schon 1905 auf der Biennale in Venedig sowie in Paris und in Kopenhagen ausgestellt." Am 11. Juli 1881 wurde das Prachtstück mit einem großen Fest eingeweiht, doch 1924 musste es einem Feuerwehrdenkmal weichen.

Fluss wurde zugeschüttet

Immerhin wurde der Knabe mit seinem Gemüse erhalten und zog ein paar Hundert Meter stadtauswärts auf die Weide. Vermutlich hat der Kleine die Gesellschaft der Tiere, die einst zu seinen Füßen spielten, schmerzlich vermisst - aber immerhin stand er in schöner Umgebung, mitten auf der Weide. "Früher wurde hier Süßholz angebaut." Auch ein Nebenarm der Regnitz sei hier hindurchgeflossen, zeitweise habe sich hier die "Schiffswinterung" befunden, also der Ort, an dem Schiffe überwintern konnten. Im Zuge der Stadterweiterung wurde der Fluss dann aber um 1900 mit Schotter zugeschüttet und im Jahr 1904/05 wurden die Villen gebaut, die den Brunnen umgeben. "In der Zeit, als ich hier viel unterwegs war und geforscht habe, habe ich einen Anwohner getroffen, der mir erzählte, dass man durch den instabilen Schotter-Untergrund Erschütterungen stark spuren könne", berichtet Lore Kleemann.

Ob der Kleine auf seinem Sockel diese Erschütterungen auch manchmal zu spüren bekommt? Auf jeden Fall freut er sich sicher über die Gesellschaft anderer Kinder, wenn sie im Sommer zu seinen Füßen spielen und vielleicht sogar im Brunnen ein erfrischendes Bad nehmen. von Eva-Maria Bast

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