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Gemeinsam weniger einsam: Zwei Senioren aus Franken wollen WG mit Hund gründen

Probleme und Einsamkeit im Alter sind keine Seltenheit. Deshalb wollen zwei Bamberger die Zukunft mit gegenseitiger Unterstützung in einer Lebensgemeinschaft bestreiten.
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Uschi Winkler und Bernd Wolfermann wollen ein gemeinsames Heim für rüstige Senioren und deren Vierbeiner schaffen.  Foto: Lea Schreiber
Uschi Winkler und Bernd Wolfermann wollen ein gemeinsames Heim für rüstige Senioren und deren Vierbeiner schaffen. Foto: Lea Schreiber

Während es mit Anfang 20 noch kein Problem ist, einen Kasten Wasser zu tragen oder die Glühbirne auszuwechseln, scheitern Senioren immer und immer wieder an solch alltäglichen Aufgaben. Gegenseitig wollen sich die Bamberger Bernhard Wolfermann und Ursula Winkler, die aber einfach nur Bernd und Uschi genannt werden wollen, deshalb unterstützen - das Leben erleichtern. Zwar stehen sie aktuell noch mit beiden Beinen im Leben, aber seit seinem 60. Geburtstag denkt Bernd immer mehr "über das bereits vergangene und das noch vergleichsweise kurze Leben", das noch vor ihm liegt, nach.

Deshalb haben die beiden den gemeinnützigen Verein "Martinus Deutschland e.V." gegründet. Sie wollen eine Lebensgemeinschaft für rüstige Senioren ins Leben rufen - zusammen mit ihren vierbeinigen Lieblingen.

Menschen, die zwar aktuell noch fit seien, sollten zwangsläufig aus ihrem gewohntem Umfeld ausbrechen und sich, solange sie es noch aktiv können, gemeinsam etwas aufbauen, sich gegenseitig zur Seite stehen, Freundschaften knüpfen.

"Wir wollen uns zusammenschließen, um uns gegen die zunehmende Vereinsamung im Alter zu wappnen!" Benötige er beispielsweise irgendwann Hilfe beim Aufstehen in der Früh, würde er statt eines Pflegedienstes "viel lieber einen Freund um Hilfe bitten", so Wolfermann. Wichtig für Uschi und Bernd ist es, dass mögliche Mitbewohner ihr geliebtes Haustier in die Gemeinschaft mitbringen dürfen - jeder Bewohner kann sich dann kümmern. Dafür "bin ich bereit, das aufzugeben, was ich jahrelang hatte", sagt der 60-Jährige. Wer noch im normalen Alltagstrott ist, schiebt das Problem auf Seite. Das Problem, sich Gedanken über die Zukunft machen zu müssen. Häufig sei man zu lange unbesorgt, dass man in naher Zukunft auf Hilfe angewiesen sein könnte.

Ähnlicher Fall in Bamberg vor Jahren

In Bamberg gab es vor wenigen Jahren bereits eine ähnliche Form des Zusammenlebens. Zwar waren die Mitbewohner nicht mehr in der Lage, sich selbst zu Versorgen, aber dennoch waren die Erfahrungen mit dieser Art der Gemeinschaft positiv: Als Felizia Minnieur vor drei Jahren überraschend zum Pflegefall wurde, konnte die 90-Jährige durch Zufall in einer betreuten Wohngruppe in der Bamberger Innenstadt einziehen. Zusammen mit fünf anderen Personen lebte dort jeder in seinem eigenen Zimmer. In der Wohngruppe haben sich die Bewohner zwar weniger gegenseitig geholfen, vielmehr erfolgte die Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst. Als sich die Gemeinschaft aufgelöst hat, musste sich Hedda Mikuta, Tochter der Bewohnerin, nach eineinhalb Jahren schließlich doch um einen Heimplatz für ihre Mutter bemühen. Auf die Zeit, in der Minnieur in der Gemeinschaft lebte, blickt Mikuta positiv zurück: "Es war fantastisch - in jeder Beziehung!" Uschi und Bernd geht es darum - solange sie noch fit sind - vorzusorgen und sich auf das gemeinsame Altwerden vorzubereiten.

Vorhaben scheitert

Der Todesfall eines gemeinsamen Bekannten hat das Umdenken bei Uschi und Bernd ausgelöst: "Wäre er nicht alleine gewesen, hätte er aller Wahrscheinlichkeit nach überlebt", erzählt die 63-Jährige nachdenklich.

Bisher scheitert das Vorhaben des Vereins noch. Kein Gebäude ist zur Einrichtung einer Lebensgemeinschaft passend. Ihr nächstes Ziel ist es deshalb, jemanden zu finden, der gerne in einer Gemeinschaft alt werden möchte und über eine angemessene Immobilie verfügt: groß genug für einzelne Appartements und Gemeinschaftsräume. "Konkret suchen wir eine Person, die ein Gebäude besitzt, in das vier Personen einziehen können." Fürs Erste "wollen wir ein Vorzeigeobjekt in der Region schaffen"! Später könnten sie sich vorstellen, weitere Lebensgemeinschaften in ganz Deutschland zu initiieren.

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